Vom Märchenwald über den Traumland- und Filmpark zum Movie Park

dzHistorie der Freizeitparks

Vom Märchenwald zum Movie Park: Wie aus einer ambitionierten Idee von fünf Kirchhellenern der größte Film- und Freizeitpark im Ruhrgebiet wurde. Ein Rückblick mit vielen Fotos.

Kirchhellen

, 14.06.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Im nächsten Jahr feiert der Movie Park in Feldhauen sein 25-jähriges Bestehen. Doch der eigentliche Ursprung des Parks liegt noch viel weiter zurück. Was zunächst als kleiner Kirchhellener Märchenwald begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem der Topausflugsziele in Nordrhein-Westfalen. Wir blicken zurück auf die turbulente Geschichte der Kirchhellener Freizeitparks.

Es war im Sommer 1967. Der Kirchhellener Hans Allekotte hatte in der Nähe von München einen kleinen Märchenwald besucht. „So etwas müsste man bei uns im Kohlenpott haben. Das wäre etwas für unsere Kinder“, habe er damals gesagt. Zusammen mit Hans Büning, Alois Kuhlmann, Alfons Schulze-Oechtering und Dr. Hugo Königshausen beginnt er, seine Idee in die Tat umzusetzen.

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Vom Märchenwald zum Movie Park

Vom Märchenwald zum Movie Park: Wie aus einer ambitionierten Idee von fünf Kirchhellenern der größte Film- und Freizeitpark im Ruhrgebiet wurde. Ein Rückblick mit vielen Fotos.
12.06.2020
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Es hat sich viel geändert.© Collage Julian Schäpertöns
Ein westfälisches Bauernhaus bildete den Eingang zum Kirchhellener Märchenwald.© Heimatverein Kirchhellen
1977 eröffnete der Traumlandpark.© Heimatverein Kirchhellen
1977 eröffnete der Traumlandpark.© Heimatverein Kirchhellen
Der Bavaria Filmpark floppte und verschwand nach gerade mal zwei Jahren wieder.© Heimatverein Kirchhellen
Der Bavaria Filmpark floppte und verschwand nach gerade mal zwei Jahren wieder.© Heimatverein Kirchhellen
Der Bavaria Filmpark floppte und verschwand nach gerade mal zwei Jahren wieder.© Heimatverein Kirchhellen
Der Bavaria Filmpark floppte und verschwand nach gerade mal zwei Jahren wieder.© Heimatverein Kirchhellen
Der Bavaria Filmpark floppte und verschwand nach gerade mal zwei Jahren wieder.© Heimatverein Kirchhellen
Der Bavaria Filmpark floppte und verschwand nach gerade mal zwei Jahren wieder.© Heimatverein Kirchhellen
Die Warner Bros. Movie World damals von oben.© Heimatverein Kirchhellen
Innerhalb von zwei Jahren und für 400 Millionen DM baute Warner seinen Freizeitpark in Deutschland.© Foto: Heimatverein Kirchhellen
Von 1967 bis 1976 existierte der Märchenwald in Feldhausen.© Heimatverein Kirchhellen
Am 30. Juni 1996 wurde der Park feierlich eröffnet.© Heimatverein Kirchhellen
Am 30. Juni 1996 wurde der Park feierlich eröffnet.© Heimatverein Kirchhellen
Innerhalb von zwei Jahren und für 400 Millionen DM baute Warner seinen Freizeitpark in Deutschland.© Heimatverein Kirchhellen
Am 30. Juni 1996 wurde der Park feierlich eröffnet.© Heimatverein Kirchhellen
Am 30. Juni 1996 wurde der Park feierlich eröffnet.© Heimatverein Kirchhellen
Innerhalb von zwei Jahren und für 400 Millionen DM baute Warner seinen Freizeitpark in Deutschland.© Heimatverein Kirchhellen
Im Rahmen der Qualitätsoffensive wurde die beliebte Wasserbahn „Bermuda Triangle“ 2019 umgestaltet und den heutigen Ansprüchen angepasst.© Julian Schäpertöns
2005 wird aus der Warner Bros. Movie World der Movie Park Germany. Foto: Julian Schäpertöns© Julian Schäpertöns
2021 wird zum 25-jährigen Bestehen des Parks eine neue Attraktion eröffnen.© Julian Schäpertöns
Von 1967 bis 1976 existierte der Märchenwald in Feldhausen.© Heimatverein Kirchhellen
Ein westfälisches Bauernhaus bildete den Eingang zum Kirchhellener Märchenwald.© Heimatverein Kirchhellen
Von 1967 bis 1976 existierte der Märchenwald in Feldhausen.© Heimatverein Kirchhellen
Besonders bei den Kindern beliebt: ein Esel, der goldene Schokomünzen spuckte.© Heimatverein Kirchhellen
1977 eröffnete der Traumlandpark.© Heimatverein Kirchhellen
Der Saurierpark im Traumlandpark war damals der größte in Europa.© Heimatverein Kirchhellen
Der Saurierpark im Traumlandpark war damals der größte in Europa.© Heimatverein Kirchhellen

Ursprünglich soll der Märchenwald an der Grafenmühle entstehen. Doch die Wöller wehren sich dagegen. Einen geeigneten Wald für ihr Vorhaben finden sie schließlich in Feldhausen in der Nähe der Bahnstrecke. Diese Fläche gehört der Familie Königshausen und auf 18 Hektar entsteht hier innerhalb von drei Monaten der Kirchhellener Märchenwald.

Märchenhäuser, Ponyreiten und eine Eisenbahn

„Zu der Zeit war das eine große Sensation“, erinnert sich Rudolf Königshausen, Sohn des Mitbegründers und Verpächters Dr. Hugo Königshausen. Sieben Märchen der Gebrüder Grimm, die vom Essener Bühnenbildner Fritz Riedl entworfen wurden, gibt es zur Eröffnung zu bestaunen. Für 20 Pfennig können Besucher sich die Geschichten anhören, die von der Fernsehsprecherin Irene Drechsel-Koss eingesprochen wurden. Zudem sollen ein großer Kinderspielplatz, Rutschbahnen, Schaukeln, Ponyreiten, eine Kinderautobahn und eine Eisenbahn durch den Wald die Besucher anlocken.

Der Saurierpark im Traumlandpark war damals der größte in Europa.

Der Saurierpark im Traumlandpark war damals der größte in Europa. © Heimatverein Kirchhellen

500.000 Mark verschlingt der Märchenwald, ehe er am 8. Juli 1967 seine Tore öffnet. „Uns kam es darauf an, in nächster Nähe des Ruhrgebietes ein Erholungszentrum zu schaffen, in dem sich vor allem Kinder austoben können“, erläuterte Hans Allekotte damals das Konzept.

Als erster Märchenwald im Pott geht der Plan in den ersten Jahren auf. „Der Park wurde gut angenommen und entwickelte sich dann“, erinnert sich der heute 90-jährige Alfons Schulze-Oechtering. In den ersten beiden Jahren kommen 250.000 Besucher nach Feldhausen. Weitere Märchen und Attraktionen erweitern das Angebot nach und nach.

Doch mit der Zeit lässt das Besucherinteresse nach. 1976 steht das Projekt Kirchhellener Märchenwald vor der Pleite. „Mein Vater wollte damals sein Gesicht nicht verlieren. So kam es zu Gesprächen mit der Familie Rosenberg“, erinnert sich Rudolf Königshausen. Ida und Hans Rosenberg betreiben zu der Zeit bereits einen Löwen- und Safaripark in Tüddern im Kreis Heinsberg. Als neue Pächter der Fläche eröffnen sie Ostern 1977 den Traumlandpark.

Das Disneyland des Ruhrgebiets eröffnet

Für eine Millionen DM wird der Park umgestaltet. Statt Märchenhäuschen setzt die Familie Rosenberg auf eine Floßfahrt, Streichelzoo, Minigolf und ein Sauriermuseum mit circa 30 prähistorischen Nachbildungen in Lebensgröße. „Wir wollen weg von Schema F, nach dem derartige Einrichtungen bisher aufgebaut waren“, so Hans Rosenberg damals.

Das Disneyland des Ruhrgebiets, wie der Traumlandpark auch genannt wird, wächst mit der Zeit und erweitert sein Angebot. Zu den Highlights gehören das größte begehbare Herz der Welt oder die Achterbahn „Super-Spirale“. 1982 zeigen die Gebrüder Nock einen Weltrekord im Park, als sie mit Motorrädern über 19 VW-Busse springen.

1977 eröffnete der Traumlandpark.

1977 eröffnete der Traumlandpark. © Heimatverein Kirchhellen

Trotz stetig neuer Attraktionen meldet die Familie Rosenberg 1985 Konkurs an. Eine „eigenartige Geschäftspolitik“ habe der Deutsche Verband der Freizeitunternehmen dies kommentiert. Ein Teil der Fahrgeschäfte soll nur angepachtet gewesen sein, was für so einen Freizeitpark unüblich sei. Es folgt die Parkübernahme durch Wolf-Dieter Jahn und Alexander Berthe aus Essen. 1986 eröffnet das „Neue Traumland“ mit einer erweiterten Fläche. Doch auch die neuen Gesellschafter haben nicht viel Glück und schließen den Park bereits fünf Jahre später.

Mit Bavaria sterben die Dinos auch in Feldhausen aus

Noch mehr Pech haben die Münchener Unternehmer von Bavaria. Mit einem Investitionsvolumen von 53 Millionen Mark wird im Juni 1992 der Filmpark an selbiger Stelle eröffnet. Flugsimulator, Stuntshow und Filmkulissen sollen für 22 Mark Eintritt die Besucher nach Feldhausen locken. Auch die Dinosaurier aus dem Traumlandpark werden restauriert und finden im Bavaria Filmpark ein neues Zuhause.

Der Bavaria Filmpark floppte und verschwand nach gerade mal zwei Jahren wieder.

Der Bavaria Filmpark floppte und verschwand nach gerade mal zwei Jahren wieder. © Heimatverein Kirchhellen

Doch das Konzept geht nicht auf. Es kommen deutlich weniger Besucher als erwartet. Nur zwei Jahre nach der Eröffnung verschwindet der Bavaria Filmpark wieder – und mit ihm auch die Saurier.

Hollywood in Germany

Zuvor haben die Parkbetreiber Verhandlungen mit der US-Filmgesellschaft Warner Bros. geführt. Der Konzern betreibt zu der Zeit bereits im australischen Brisbane einen Freizeitpark. Dieser wird zum Vorbild genommen und in zwei Jahren Umbauphase entsteht auf 40 Hektar „Hollywood in Germany“.

Rund 400 Millionen Mark verschlingt das Mammutprojekt, davon kommen 63 Millionen Mark Zuschüsse vom Land NRW. Große Filmstudios werden gebaut. In Kirchhellen sollen Filme und Serien produziert werden. Eine eigene Autobahnausfahrt und Zufahrtstraße kommen hinzu. Am 30. Juni 1996 wird feierlich die Warner Bros. Movie World in Bottrop-Kirchhellen eröffnet.

Am 30. Juni 1996 wurde der Park feierlich eröffnet.

Am 30. Juni 1996 wurde der Park feierlich eröffnet. © Heimatverein Kirchhellen

Schnell erweitert der Park sein Angebot an Attraktionen. 1999 kommt die erste deutsche Holzachterbahn nach Kirchhellen, es folgen weitere Attraktion wie Achterbahnen, Flatrides und ein Freifallturm. Auch das Halloween Horror Fest, das seit 1998 jährlich im Oktober stattfindet, lockt die Besucher in den Park.

Doch die nächste Herausforderung bahnt sich bereits drei Jahre nach der Eröffnung an. In diesem Jahr trennt sich Warner von all seinen Freizeitparks. Six Flags übernimmt den noch jungen Park. Glücklicherweise ist der neue Betreiber im Besitz der Warner-Lizenzen und für die Besucher ändert sich kaum was.

Bis zum Jahr 2004 geht es für die Warner Bros. Movie World unter Leitung von Six Flags weiter. Dann verkauft das Unternehmen all seine europäischen Parks. Der Kirchhellener Betrieb geht an die belgische StarParks Gruppe – und erhält einen neuen Namen: Movie Park Germany.

Bugs Bunny zieht wieder aus

In der Winterpause müssen alle Warner-Lizenzen aus dem Park verschwinden. Batman, Bugs Bunny und die Looney Tunes werden ersetzt durch Spongebob, Shrek und Ice Age. Die beliebte „Cop Car Chase“-Achterbahn wird wartungsbedingt abgerissen und durch den Themenbereich Santa Monica Pier ersetzt. Zusätzlich eröffnet 2007 das Nickland.

Der Lizenzverlust von Warner und die dadurch entstehenden Veränderungen im Park sind für viele Fans immer noch der Ausgangspunkt eines Abwärtstrends. Viele sehnen sich nach den alten Warner-Zeiten zurück und kritisieren viele Entscheidungen, die unter StarParks getroffen werden. Die Geschäftspolitik drückt auf Sparflamme und vernachlässigt die optische Instandhaltung vieler Attraktionen und Bereiche. Immer wieder muss sich der Park nicht nur an anderen Mitbewerbern messen lassen, sondern auch an seiner Anfangszeit.

„Der Movie Park hat sicherlich ein gewisses Image aus der Vergangenheit“, gibt Thorsten Backhaus, der seit 2014 Geschäftsführer ist, zu. „Es gab eine Zeit, als es dem Park aufgrund mehrerer Eigentümerwechsel nicht gut ging. Doch bereits mein Vorgänger Wouter Deckers hatte seiner Zeit versucht, durch mehrere Investitionen den Park neu zu positionieren.“


Mit einer Qualitätsoffensive gegensteuern

Den letzten Eigentümerwechsel erlebt der Park 2010. Seitdem gehört der Movie Park zu Parques Reunidos, dem zweitgrößten Betreiber von Freizeitparks in Europa. Neue Attraktionen, wie die 2017 eröffnete Star Trek-Achterbahn, werden gebaut. Der Fokus liegt auf Familienfreundlichkeit. Die DNA des Parks bleibt aber weiterhin das Thema Film.

2021 feiert der Movie Park sein 25-jähriges Bestehen. So lange konnte kein anderer Park in Feldhausen bestehen. „Ich hätte damals nicht gedacht, dass alles mal so groß werden würde“, sagt Märchenwald-Mitgründer Alfons Schulze-Oechtering heute. „Ich habe von außen immer gerne gesehen, wie sich die Parks weiterentwickelt haben.“ Auch Rudolf Königshausen ist erstaunt, was auf seiner Fläche über die Jahrzehnte gewachsen ist. „Sowas konnte ich mir in keiner Weise vorstellen.“

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