Unterricht am Krankenbett

KIRCHHELLEN Wenn "Eli" das Krankenzimmer betritt, lacht das neunjährige Mädchen aus Angola. Denn es weiß: Gleich wird gerechnet, gelesen, geschrieben und gebastelt.

von Von Yvonne Dziabel

, 11.07.2008, 18:31 Uhr / Lesedauer: 1 min
Elisabeth Liesenklas unterrichtet ein angolanisches Mädchen im Krankenhaus.

Elisabeth Liesenklas unterrichtet ein angolanisches Mädchen im Krankenhaus.

Seit vier Monaten unterrichtet Elisabeth Liesenklas jeden Mittwoch und Donnerstag die junge Patientin im Dorstener St. Elisabeth-Krankenhaus. Ehrensache für die pensionierte Lehrerin aus Kirchhellen. Und Gina* ist offenbar eine Musterschülerin. "Sie ist sehr aufmerksam und mag eigentlich alle Fächer."

Doch auch "Eli", wie die 75-Jährige von der jungen Afrikanerin genannt wird, scheint vom freiwilligen Unterricht zu profitieren: "Die gemeinsame Zeit macht nicht nur Freude, sondern ist für einen Erwachsenen auch eine echte Bereicherung."

Hausaufgaben in der Nacht

In ihrer Heimat ist Gina mit Begeisterung in die zweite Klasse gegangen, doch erst hier in Deutschland und mit der Hilfe ihrer Lehrerin hat sie z. B. gelernt, die Uhr zu lesen. Gemeinsam haben sie ein Modell aus Pappe gebastelt, das die Kleine selbstständig auf jede Uhrzeit stellen kann.

Beim Thema "Hausaufgaben" müssen Lehrerin und Schülerin indes schmunzeln: "Ich verrate nichts.", sagt Eli, woraufhin das Mädchen kichernd erzählt: "Gestern Nachmittag habe ich meine Hausaufgaben vergessen und sie dann nachts gemacht."

Fortschritte gemacht

Bei dieser Gelegenheit gibt die Lehrerin auch schon die Hausaufgaben für die nächste Woche auf: Fünf Wörter wie z. B. Regen, Winter und Sommer müssen mehrmals geschrieben werden. Auch beim vom Kind bevorzugten Rechnen können die beiden von großen Fortschritten berichten. Die Kleine kann selbstständig im Bereich von eins bis zehn addieren und kennt auch größere Zahlen.

Doch nicht immer wird "gepaukt". Am Donnerstag wurde ein Armband gebastelt, weil am Freitag ein ganz wichtiger Tag für die junge Patientin war. Ihr wurde ein so genannte Fixateur von einem Bein entfernt.

Wahrscheinlich wird das Mädchen schon bald bei guter Gesundheit in ihre Heimat und zu ihrer Familie zurückkehren können. Die liebevolle Behandlung aller Schwestern und Ärzte des Dorstener Krankenhauses und der Unterricht bei ihrer Privatlehrerin "Eli" werden ihr in Erinnerung bleiben.

 *Name geändert

 

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