Seit fast 50 Jahren repariert Horst Krumme sämtliche Uhren – von kleinen Armbanduhren bis zu großen Kirchturmuhren. © Julian Schäpertöns
Horst Krumme

Uhrmacher ist zurück im Dorf: „Ruhestand ist für mich wie sterben“

Horst Krumme ist zurück im Dorf. Denn der 66-Jährige will seine Beine noch nicht hochlegen. Stattdessen hat er eine kleine Uhrenwerkstatt an der Hauptstraße eingerichtet.

„Ruhestand ist für mich wie sterben“, gibt Horst Krumme zu. Im vergangenen Jahr hat der 66-Jährige sein Geschäft Optik Krumme in Kirchhellen abgegeben. Nun hat er im Dorf eine kleine Uhrenwerkstatt eröffnet. Hier geht er seiner liebsten Beschäftigung nach und hält ein altes Handwerk am Leben.

Die Uhrmachertradition der Familie Krumme geht zurück bis ins Jahr 1912. In Dortmund hat Horst Krummes Großvater das Geschäft eröffnet. 2014 zog Horst Krumme von Dortmund nach Kirchhellen und eröffnete neben der der Johanneskirche Optik Krumme. Das Hauptaugenmerk lag dabei aber auf Brillen. Doch seine große Leidenschaft waren immer die Uhren.

Arbeit zum Zeitvertreib

Mit Thomas und Susanne Krüskemper und der „Sichtbar“ fand er im August 2020 Nachfolger, die sein Geschäft übernahmen. Seitdem arbeitet er nur noch zum Zeitvertreib. „Die Uhrmacherei war immer mein Herzblut. Und man muss ja was zu tun haben“, so der Rentner.

In der ehemaligen Filiale der Deutschen Bank befindet sich nun die Uhrenwerkstatt von Horst Krumme.
In der ehemaligen Filiale der Deutschen Bank befindet sich nun die Uhrenwerkstatt von Horst Krumme. © Julian Schäpertöns © Julian Schäpertöns

An der Hauptstraße 46, in der ehemaligen Deutschen Bank Filiale, hat er nun seine Werkstatt eingerichtet. Hier will er an drei Tagen die Woche arbeiten. „Es geht um den Spaß an der Sache. Ich muss ja jetzt nicht mehr zehn Stunden am Tag arbeiten“, erklärt er. Wenn er mal nicht im Geschäft ist, können Uhren auch in der „Sichtbar“ abgegeben werden oder es kann telefonisch ein Termin vereinbart werden.

Werkstatt nach Hund benannt

Seine Werkstatt trägt den Namen „Feinuhrmacher Max“. Aber wofür steht Max? „Ich habe nach einem Pseudonym gesucht. Mein Berner Sennenhund hieß Max und dadurch entstand der Name“, erklärt Horst Krumme.

Sein Handwerk ist nur noch selten. „Früher gab es in jedem Ort einen Uhrmacher, heute kaum noch“, erklärt Horst Krumme. „Viele Kinder, die vor dem Laden stehen, wissen nicht mehr, was ich mache.“ Dafür nimmt sich der 66-Jährige aber gerne Zeit und erklärt sein Handwerk.

„Gefühlsmäßig ist es noch zu früh aufzuhören“, sagt Horst Krumme. Fast 50 Jahre hat er als Uhrmacher gearbeitet. Da kann er jetzt nicht so einfach aufhören. „So lange der liebe Gott mir meine ruhige Hand und mein Augenlicht lässt, werde ich weiter machen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ich bin in Dorsten aufgewachsen und lebe seit einigen Jahren in Kirchhellen. Die Region kenne ich also von klein auf. Trotzdem entdecke ich durch meine Tätigkeit als Journalist immer wieder neues. Die lokale Berichterstattung finde ich spannend, weil ich dadurch viele nette Menschen kennenlernen darf und immer mitten im Geschehen bin. Als Fotograf ist mir dabei wichtig, meine Geschichten auch immer visuell ansprechend zu gestalten.
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Julian Schäpertöns

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