Lukas Jochheim, Michelle Hoffmann und Stefan Wobbe (v.l.) wollen mit technischen Hilfsmitteln, aber auch persönlich Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten helfen. © Sascha Talke
Lebensmittelunverträglichkeiten

Studenten gründen ein Start-up: „Essen muss wieder Spaß machen“

Eine Studentin ist von Arzt zu Arzt gelaufen, bis die Diagnose feststand. Jetzt hat sie mit Freunden ein Start-up gegründet, um anderen Menschen mit Ernährungsbeschwerden zu helfen.

Manchmal war Michelle Hoffmann (24) der Verzweiflung nahe. Viele Jahre konsultierte sie unterschiedliche Ärzte, ohne dass ihr jemand sagen konnte, was genau ihr Problem war, warum sie sich ständig schlapp fühlte, sogar Schmerzen hatte. „Als ich dann endlich die Diagnose bekam, habe ich mich fast gefreut“, erinnert sich die Studentin aus Bottrop-Kirchhellen. „Aber ich war auch völlig überfordert.“

„Gefühlt musste ich auf alles verzichten“

Michelle Hoffmann hat inzwischen gelernt, mit verschiedenen Lebensmittelunverträglichkeiten, die bei ihr diagnostiziert wurden, zu leben. Die Ärzte waren ihr da keine große Hilfe, sagt sie. „Ich musste gefühlt auf alles verzichten, weil viele Lebensmittel sich gegenseitig ausgeschlossen haben. Essen, einkaufen, kochen, arbeiten – alles wurde zu einer Herausforderung.“ Sie begann, Ernährungswissenschaft zu studieren, „um die Zusammenhänge zu verstehen“.

Jetzt hat sie mit Kommilitone Lukas Jochheim aus Schwerte und Informatiker Stefan Wobbe ein Start-up gegründet. „meal & heal“ will individuelle Konzepte entwerfen, um Menschen mit Beschwerden zu helfen, die auf den Lebensstil oder die Ernährung zurückzuführen sind oder dadurch verstärkt werden. „Essen muss wieder Spaß machen“, sagen sie.

Mit Informatiker Stefan Wobbe (M.) arbeiten Michelle Hoffmann und Lukas Jochheim an der Entwicklung einer App. © Sascha Talke © Sascha Talke

Die Homepage (www.mealandheal.de) steht. Für die erste Phase, um Daten zu sammeln und eine App zu entwickeln, haben sich ausreichend Testnutzer gemeldet. „Aber wir freuen uns über jeden, der sich auf die Warteliste setzt“, bestätigt Lukas Jochheim.

Der Schwerter hat nicht die gesundheitlichen Probleme wie seine Geschäftspartnerin, „aber als Fitnesstrainer hatte ich mit vielen Menschen zu tun, die ähnliche Probleme haben wie Michelle Hoffmann. Deshalb war ich von der Idee sofort überzeugt.“ Mittlerweile arbeiten die Studenten in Vollzeit an ihrem Projekt und haben die Uni Münster mit mehreren Professoren als Unterstützung im Hintergrund.

„Die meisten Betroffenen wissen überhaupt nicht, welche Faktoren ihre Symptome verursachen.“

Michelle Hoffmann

Die Studenten haben eine Umfrage gemacht und festgestellt, dass es im Durchschnitt elf Jahre dauert, bis eine Unverträglichkeit diagnostiziert ist. „Das Problem ist, dass die meisten Betroffenen überhaupt nicht wissen, welche Faktoren ihre Symptome verursachen“, hat Michelle festgestellt. „Selten essen wir ja ein Lebensmittel isoliert von anderen Einflüssen. Dadurch ist es sehr schwer, die Ursache herauszufinden.“

Helfen soll dabei auch die App. „Die Faktoren, die den Betroffenen Schmerzen bereiten, werden durch einen Algorithmus erkannt, so kann ein persönliches Unterstützungskonzept erstellt werden“, erklärt Michelle Hoffmann. Trotz aller digitalen Lösungen sei aber der Kontakt von Mensch zu Mensch unabdingbar, betonen die Studenten. „Es ist essentiell für Betroffene, jederzeit jemanden an der Seite zu haben, der zuhören kann.“

Betroffene haben auch soziale Hürden

Abgesehen von den physischen Problemen der Betroffenen werfen die Gründer auch ein Auge auf die sozialen Hürden, die durch die Unverträglichkeiten bestehen. Freundeskreise, die einen nicht ernst nehmen, und Abschottung sind keine Seltenheit, wenn man alleine nicht mit seinen Leiden umgehen kann.

Für Lukas Jochheim geht es auch darum, verlorene Lebensfreude zu reaktivieren, Spaß am Kochen wiederzufinden und die Überforderung aufzubrechen. Aber da ist noch mehr. „Immer wieder hören wir von neuen Problemen, die durch Unverträglichkeiten entstehen. Erschreckend dabei ist, dass sich die sozialen und physischen Komplikationen stapeln, es aber keine Lösungen gibt.“

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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