Stiller Protest: Grüne Kreuze stehen auch in Kirchhellen, aber warum eigentlich?

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Landwirte in Deutschland protestieren leise gegen das neue Agrarpaket. Auch ein Kirchhellener macht mit bei der Aktion. Doch das kommt anscheinend nicht überall gut an.

Kirchhellen

, 21.10.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Maisernte von Ansgar Tubes (53) aus Kirchhellen ist rum. Das nahm der Agraringenieur zum Anlass, sich an einer bundesweiten Aktion zu beteiligen.

Grüne Kreuze stehen in ganz Deutschland auf unzähligen Äckern. Doch was sollen die überhaupt bedeuten? „Das Problem liegt klar in der Agrarpolitik und dem neuen Agrarpaket von Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner“, sagt Lohnunternehmer Ansgar Tubes.

Das beinhalte weitere Forderungen an die Landwirte, weitere Maßnahmen, die das Arbeiten für Landwirte erschwere und das immer mehr dazu führe, dass landwirtschaftliche Betriebe aufgegeben würden. Immer mehr bäuerliche Familienbetriebe würden mit dem neuen Maßgabenkatalog zum Aufhören gezwungen.

Agrarpaket drängt Betriebe ins Aus

„Also genau das, was die Politik eigentlich verhindern soll und was sich der Verbraucher eben nicht wünscht“, sagt Ansgar Tubes. Denn es sei so: all die Neuerungen, die ein Bauer von nun an zusätzlich zu den ohnehin schon durchgesetzten Auflagen durchführen soll, können sich viele Betriebe überhaupt nicht leisten. So seien sie zum Aufgeben gezwungen. Und genau gegen dieses Agrarpaket stellen sich die Landwirte mit den Kreuzen auf ihren Feldern.

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Ein weiteres Problem sieht Ansgar Tubes im geplanten Mercosur-Abkommen. Dabei handelt es sich um ein Freihandelsabkommen zwischen den EU-Ländern und den südamerikanischen Mercosur-Staaten.

Das hätte zur Folge, dass vermehrt Fleisch und weitere Agrarprodukte aus dem Ausland importiert würden. „Das bedeutet den Import von Lebensmitteln aus nicht nachvollziehbaren Produktionen, also zu Bedingungen, die in Deutschland gänzlich verboten sind“, erklärt der 53-Jährige.

Landwirte leben vom Boden

Auch die 2017 beschlossene neue Düngeverordnung stellt Bauern vor neue Herausforderungen. „Das bedeutet für uns nicht nur 20 Prozent weniger Gülle auf dem Acker, sondern gleichzeitig 20 Prozent weniger Ertrag“, sagt Ansgar Tubes.

Dass Landwirte sich nicht um ihre Böden scheren und einfach drauf losdüngen, sei nicht richtig. „Landwirte sind doch nicht gegen die Umwelt, das ist doch unsere Lebensgrundlage und das, wovon wir auch noch über Generationen hinweg leben können wollen“, sagt der Agraringenieur.

Landwirte sind es leid

Landwirte hätten bereits in den vergangenen Jahren viele neue Forderungen meist stillschweigend umgesetzt. Dabei waren die für Landwirte meist nicht praktikabel und rentabel. Dass Landwirte aber für regionale und frische Produkte sorgen und dabei auch Geld verdienen müssen, das würden viele vergessen.

Stiller Protest: Grüne Kreuze stehen auch in Kirchhellen, aber warum eigentlich?

Eines seiner Kreuze wurde bereits von Unbekannten beschädigt. © Laura Schulz-Gahmen

Eines der aufgestellten Kreuze des Lohnunternehmers wurde bereits von Unbekannten beschädigt. Er fragt sich, ob der Hass auf Landwirte bereits so groß sei, dass sein stiller Protest so behandelt wird.

Auf dem Bonner Münsterplatz findet am Dienstag (22. Oktober) eine Demo statt, die den Unmut der Bauern aus ganz Deutschland zeigen soll. Auch Ansgar Tubes aus Kirchhellen wird daran teilnehmen.

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