Spargelbauern haben immer mehr Probleme, Saisonkräfte zu finden

dzLandwirtschaft in Kirchhellen

Rumänien, die Ukraine oder Polen: Das sind die Länder, aus denen Spargelbauern in der Regel ihre Saisonkräfte beziehen. Doch die bleiben aus. Die Gründe dafür sind zahlreich.

Kirchhellen

, 20.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Insgesamt 10 Prozent weniger Saisonarbeiter aus den osteuropäischen Ländern erwartet der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftverband (WLV) in diesem Jahr. Das sei eine Anzahl von fast 20.000 Kräften weniger, die von den Landwirten aufgefangen werden muss, meint Marion von Shmair vom WLV.

Das Problem sei jedoch bereits aus dem Vorjahr bekannt. Im Jahrhundertsommer hätten zahlreiche Saisonkräfte vorzeitig ihre Verträge gekündigt und wären in ihre Heimat zurückgekehrt. Auf den Feldern war es einfach zu heiß zum Arbeiten.

Hitze und Wirtschaftswachstum sind Gründe

Wenn es diesen Sommer ähnlich warm werden würde, könnten es sich die osteuropäischen Arbeiter womöglich überlegen, gleich zu Hause zu bleiben. So befürchten es zumindest die Landwirte.

Denn die Wirtschaft in Osteuropa erlebt einen Aufschwung. Gerade Polens Wirtschaft ist zurzeit stabil und bietet viele Gelegenheiten der Festanstellung. Das sei aber nicht erst seit gestern so, meint Marion von Shamir. Bereits in den letzten Jahren seien immer weniger Polen zum Spargelstechen nach Deutschland gekommen. Zurzeit sei nur noch ein Viertel der Arbeitskräfte auf den Feldern aus Polen.

Fachkräftemangel wirkt sich aus

Jörg Umberg, Landwirt aus Kirchhellen, sieht auch im Facharbeitermangel einen wichtigen Faktor, wieso auf den Feldern die Arbeiter fehlen: „In den letzten Jahren kamen immer wieder arbeitslose Maurer, Elektriker und Handwerker zu mir. Die finden jetzt natürlich leichter Arbeit.“

Zwar sei er „nicht knapp an Leuten“ aufgestellt, aber dennoch hätte auch Umberg einen Rückgang an Arbeitsinteressenten erlebt. „Wir arbeiten mit Vermittlern vor Ort zusammen. Normalerweise bekommen die sehr viele Anfragen. Dieses Jahr mussten sie hingegen die Leute suchen und direkt ansprechen“, sagt Umberg.

Auch Markus Beckmann von Beckmanns Hof hat bislang noch keine Probleme gehabt, an ausreichend Arbeitskräfte zu gelangen. Im Gespräch mit der Redaktion führt er dies auf die guten Arbeitsbedingungen auf seinem Hof zurück. Die Saisonkräfte würden gut bezahlt, hätten vernünftige Unterkünfte zur Verfügung und feste Arbeitszeiten.

Bezahlung in Deutschland gut

Das sei die Regel an deutschen Höfen, sagt Marion von Shamir vom WLV.

„Zwar gibt es hin und wieder schwarze Schafe unter den Landwirten. Der Großteil behandelt seine Arbeitskräfte aber ausgesprochen gut. Es ist schließlich im Interesse der Landwirte, möglichst wirtschaftlich zu arbeiten und dazu gehören auch motivierte Arbeitskräfte“, meint sie.

„Was die Bezahlung angeht, sind die Landwirte verpflichtet, auch ihren ausländischen Saisonkräften den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen“, so von Shamir weiter. „Das ist ein Vielfaches von dem, was die meisten in ihren Heimatländern verdienen.“

Geld lockt Arbeiter nicht mehr

Mit Geld könne man die Saisonarbeiter jedoch nicht mehr locken, berichtet Jörg Umberg aus seiner Erfahrung. Er habe immer wieder erlebt, dass Prämien für gutes oder schnelles Arbeiten abgelehnt wurden. Der gute Mindestlohn würde den meisten Arbeitskräften reichen.

Umberg sieht in den zurückgehenden Zahlen von Saisonarbeitern nicht nur ein speziell deutsches Problem. „Generell ist die Tendenz in ganz Europa ähnlich. Auch in Portugal stehen die Landwirte vor dem gleichen Problem.“

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