Schafhalter übt scharfe Kritik an Forderung des Nabu

dzWolfsgebiet Schermbeck

Schafhalter Georg Jansen hält nichts von der Forderung des Nabu, Tiere nachts in Ställe zu sperren. Er macht sich für eine Entnahme von Wölfin Gloria stark. Der Nabu hält dagegen.

Kirchhellen

, 21.11.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zweimal hat der Wolf schon Tiere aus seiner Heidschnuckenherde gerissen. Und das, obwohl Georg Jansen vor anderhalb Jahren in einen Knotenflechtzaun samt Stromlizen investiert hat. Jetzt hat der Kirchhellener in Eigenregie mit Stacheldraht nachgerüstet. Am liebsten wäre ihm jedoch, wenn Wölfin Gloria entnommen würde.

„Nicht falsch verstehen, ich bin nicht generell gegen Wölfe, aber gegen Gloria“, sagt der Schafhalter von der Hiesfelder Straße. Als er vor über einem Jahr seinen Zaun erneuerte, war der Wolf noch gar nicht so ein großes Thema in Kirchhellen. 1700 Euro erhielt Jansen für den 1,50 Meter hohen Zaun von der Bezirksregierung. Anfang des Jahres seien vier Mitarbeiter der Bezirksregierung gekommen und hätten den neuen Zaun kontrolliert. „Ich dachte, damit sei er als wolfssicher abgenommen“, so Jansen.

Doch im Juli riss der Wolf zwei seiner Heidschnucken. Da es keine Spuren am Zaun gab, vermutete das LANUV, dass der Wolf Holzpfähle als Übersprunghilfe genutzt habe. Jansen ist sich jedoch sicher, dass der Wolf gesprungen ist: „Denn auf der Wiese gibt es keine Übersprunghilfe. Wie hätte der Wolf dann wieder rauskommen können?“ Kurz darauf - im August- folgte der zweite Riss. Wieder starben zwei von Jansens Tieren.

Ministerium wurde angeschrieben

Auf Nachfrage habe die Bezirksregierung ihm mitgeteilt, dass der Zaun bei der Kontrolle Anfang des Jahres gar nicht abgenommen worden wäre, man hätte lediglich die Mittelverwendung überprüft. Jetzt hat er an das zuständige Ministerium geschrieben, dass man ihm doch jemanden schicken solle, der ihm den Zaun als wolfssicher abnehme oder ihm sage, wie er ihn wolfssicher machen könne. Jansens Hintergedanke: „Wenn dann noch ein Riss kommt, könnte man nachweisen, dass sich Gloria nicht artgerecht verhält.“

Nachdem zweimal der Wolf da war, hat Georg Jansen nur noch sechs Heidschnucken.

Nachdem zweimal der Wolf da war, hat Georg Jansen nur noch sechs Heidschnucken. © Manuela Hollstegge

Vier von seinen seltenen Weißen Gehörnten Heidschnucken hat Jansen nun verloren. Sechs grasen noch auf der Weide. „Ich züchte die Tiere ja, habe aber durch den Wolf meine Zuchttiere verloren und nur noch Jungtiere da. Das ist sehr ärgerlich“, erklärt der Kirchhellener. Er hat nun selbst mit Stacheldraht nachgerüstet, obwohl er das eigentlich überhaupt nicht möchte. „Ich will das nicht immer so haben, übertreibe jetzt aber absichtlich ein bisschen.“

Forderung nach Aufstallung in der Nacht

Richtig sauer macht ihn die Forderung des Bottroper Nabu, die Tiere nachts in den Stall zu stellen. „Das sind robuste, marschfähige Landschafe. Die wurden so gezüchtet, dass sie ihr ganzes Leben draußen verbringen. Sie nachts in den Stall zu verfrachten, wäre nicht artgerecht. Es kann nicht sein, dass der gesamte Naturschutz sich auf den Wolf konzentriert“, sagt er.

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Stefan Voßschmidt vom Nabu Bottrop hat Verständnis für den Frust von Georg Jansen und anderen Hobbytierhaltern. „Ich verstehe, dass das sehr ärgerlich ist. Es ist ein schwieriger Umdenkprozess, der viel Zeit und Arbeit erfordert“, sagt er. Noch vor wenigen Jahren hätte niemand damit gerechnet, dass sich der Wolf zwischen Schermbeck und Kirchhellen ansiedeln würde. Als er dann kam, hätten sich zwar die Berufsschafzüchter um mögliche Schutzmaßnahmen bemüht, der Rest hätte sich jedoch „bequem zurückgelehnt“.

Viel früher hätte man seiner Meinung nach höhere, wolfssichere Zäune bauen und für größere Herden Herdenschutzhunde anschaffen sollen, anstatt die „Augen vor der Realität zu verschließen“. Andere Länder und auch andere Bundesländer hätten sich mittlerweile gut mit den Wölfen arrangiert. Sicher sei es so, dass viele Tiere es nicht gewohnt seien, nachts im Stall zu bleiben. „Aber das alles sind Gewohnheiten aus Zeiten, wo es den Wolf hier noch nicht gab“, sagt er. Und dass es gut ist, den Wolf hier zu haben, davon ist er überzeugt. Schließlich gäbe es ohne Raubtiere keine natürliche Waldverjüngung (Stichwort: Regulierung des Wildbestandes).

„Hier wird es immer Wölfe geben“

Voßschmidt ist sich sicher, dass man sich mit der Tötung Glorias nicht nur strafbar machen würde, sie würde zusätzlich auch das generelle Problem nicht lösen. „Hier wird es immer Wölfe geben, da das Gebiet hier einfach gut geeignet für sie ist. Da bringt es nichts, einen zu töten“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bottroper Nabu. Ob dann ein anderer Wolf auch ein anderes Verhalten zeigen würde, da ist sich Stefan Voßschmidt nicht sicher. Da man in Kirchhellen und Schermbeck so lange ohne Wolf gelebt habe, wüsste man gar nicht mehr, wie sich Wölfe in der heutigen Umgebung und unter den heutigen Bedingungen artgerecht verhalten würden.

Auf Basis der aktuellen Erfahrungen könne man darüber auch noch gar kein Urteil fällen und die Situation nicht einordnen. „Wir müssen erst noch mehr Erfahrungen sammeln, dann wird es einfacher“, so Voßschmidt. Er macht sich für eine neutrale Informationsveranstaltung für alle Halter gefährdeter Tiere stark. „Wir wollen hier niemanden für blöd erklären, aber es kann auch nicht sein, dass Tierhalter mit nur wenigen Tieren die Diskussion dominieren und die benachteiligt werden, bei denen eigentlich der Schwerpunkt liegen sollte - nämlich die Berufshalter.“

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