Erstplatziert bei den Deutschen Reitponys war das Palomino-Fohlen von der bekannten Ponyzüchterin Marlies Brinkmann aus Lüdinghausen. Hierfür gab es zusätzlich eine goldene Prämie. © Vivien Heitmann
Stutenschau

Pferde zeigten sich auf dem Hof Dieckmann von ihrer besten Seite

Ein Stück Normalität auch bei den Pferdezüchtern: Auf dem Hof Dieckmann fand die Stutenschau 2021 statt. Die Züchter berichteten auch von einer traurigen Fohlen-Geschichte mit Happy End.

Pünktlich um 10 Uhr betrat die Bewertungskommission mit Vertretern des Westfälischen Pferdestammbuches und hiesigen Züchtern am vergangenen Samstag das Zelt auf dem bestens hergerichteten und mit Blumen geschmückten Turnierplatz auf dem Hof Dieckmann.

Hatten doch am Vortag viele Freiwillige bis in den späten Abend Hand angelegt. Lob dazu gab es von allen Seiten. „38 Pferde sind heute gemeldet. Nachdem es lange Zeit fraglich war, ob die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, sind wir bestens zufrieden“, so Gerold Dieckmann, Presseverantwortlicher für die Veranstaltung.

Der erste Auftritt gehörte den Ponyfohlen

Der erste Auftritt gehörte den Kleinsten. 14 schick aufgemachte Ponyfohlen präsentierten sich den Richteraugen. Nach der Einzelvorstellung folgte der Schrittring, dann endlich die Platzierung. Marlies Brinkmann, eine langjährige Ponyzüchterin aus Lüdinghausen, holte sich gemeinsam mit der 20-jährigen Pferdemutter und dem mittlerweile 16. Fohlen Platz 1 und eine goldene Prämie gleich dazu. Der bekannte Kirchhellener Ponyzüchter Hubert Fockenberg kam mit der Katalognummer 14 auf Platz vier.

Siegerfohlen bei den springbetonten Fohlen wurde die Katalognummer 15, ein Hengstfohlen von Rene Stockbrink aus Hünxe. © Vivien Heitmann © Vivien Heitmann

Bei den Großpferden folgten zunächst die springbetonten Fohlen, hier erzielte Rene Stockbrink aus Hünxe gleich Platz 1 und 2. Ähnlich sah es bei dem Dressurnachwuchs aus: Daniela Klein-Wiele aus Dorsten-Rhade holte ebenfalls Platz 1 und 2. Die Freude war riesig, zumal die Erstplatzierten für weitere Wertungen zugelassen werden. Nach dem Ring ging’s für jeden kleinen Vierbeiner zu den Mitarbeitern des Pferdestammbuches an den Registrierwagen. Sie erhielten dort einen Transponder, die Abzeichen wurden aufgenommen und die Unterlagen zur Erstellung des Pferdepasses/Eintragung entgegengenommen. Im Rahmen der Registrierung wurde ihnen auch eine Haarprobe für die Abstammungsüberprüfung entnommen. Alles muss seine Richtigkeit haben, auch für den „Personalausweis“ eines Jungpferdes.

Ein Waisenfohlen – emotionaler Moment für alle auf dem Platz

„Das Stutfohlen mit der Katalog-Nummer 19 ist erst vier Wochen alt. Leider verlor es bei der Geburt seine Mutter“, so Carsten Rotermund, Kommentator und Geschäftsführer des Pferdestammbuches. Auch die Fahrt zur Tierklinik blieb ohne Erfolg, die Fohlenmutter mit Namen „Eine wie Keine“ hatte sich bei der Geburt zu sehr verletzt. Jetzt hieß es für Pferdezüchterin Andrea Klinger und Tochter Luisa eine Ammenstute zu finden.

Bundesweit und mit viel Unterstützung wurde gesucht, doch wieder ohne Erfolg. Die Nähe zum Stall Dieckmann und den dortigen Einstallern versprach Hilfe. „Meine achtjährige ist Stute ist ‚fohlenverrückt‘, in diesem Jahr ist sie nicht tragend, lasst uns sie gemeinsam einstallen. Lasst es uns probieren“, lautete das damalige Angebot der Miteinstallerin Nathalie Weßels. Geklappt.

„Zunächst gab es stündlich die Flasche, dann irgendwann die angerührte Milch aus der Kälbernuckeltränke und hoffentlich wird es bald die Milch aus dem Eimer“, so Luisa Klinger. Ein besonderer Dank geht an die Familie Dieckmann, sie hat den beiden Pferdezüchterinnen spontan die Azubi-Wohnung zur Verfügung gestellt. Nur so konnten sie mit Unterstützung viele weiterer Hände das Fohlen groß bekommen.

Das gerade mal ein Monat alte Fohlen vom Kirchhellener Ponyzüchter Hubert Fockenberg erreichte unter den 14 Kleinpferden immerhin Platz 4 - nach der Platzierung ging es direkt zum Registrierwagen des Pferdestammbuches.
Das gerade mal ein Monat alte Fohlen vom Kirchhellener Ponyzüchter Hubert Fockenberg erreichte unter den 14 Kleinpferden immerhin Platz 4 – nach der Platzierung ging es direkt zum Registrierwagen des Pferdestammbuches. © Maria Dehling © Maria Dehling

Pferdevermarktung, Reitturniere – so sieht die Welt aktuell aus

„Vor einem Jahr gab es die letzte Präsenz-Fohlenauktion“, so Carsten Rotermund. „Wir sind einen ganz neuen Weg gegangen und das mit großem Erfolg.“ Auktionen im Reitzentrum Münster-Handorf mit Besuchern aus der ganzen Welt durfte es nicht geben. „Gerade jetzt läuft eine Onlineauktion. In 2020 sind wir mit 1.500 Usern gestartet, heute zählen wir 15.000 User. Interessenten von Neuseeland, China, Amerika, Japan – wir erreichen heute mit großem Erfolg mögliche Käufer und können so unseren Züchtern bei der Vermarktung helfen, was ja unsere Aufgabe ist.“ Die Rückkaufquote liegt laut Rotermund bei 10 bis15 Prozent, früher waren es 25 bis 30 Prozent.

Verband half bei Turnieren

Auch bei den Turnieren konnte der Verband helfen. „Im Pferdezentrum Münster-Handorf sind die Anlagen so groß, dass wir auch für andere Vereine und Verbände Turniere ausrichten konnten“, so Rotermund. Das Hygienekonzept wurde offiziell freigegeben, sodass auch mögliche Bedenken ausgeräumt wurden. Und das Angebot wurde gut angenommen. So konnten zum Beispiel auch für die Onlineaktionen viele Videoaufnahmen auf der Münsteraner Anlage erfolgen.

„Zurzeit finden aber auch wieder regionale Turniere statt. So zum Beispiel jetzt am Wochenende in Reken, im Münsterland. Die Zeit scheint also wieder besser zu werden“, wirft Carsten Rotermund einen Blick in die Zukunft.

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