Orgelbauer Burkhard Klimke kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Reich wird er nicht, dafür darf er jährlich nach Rom fliegen und eine Orgel warten, auf der schon Mozart gespielt hat.

Kirchhellen

, 24.12.2019, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Geschickt schlängelt sich Burkhard Klimke durch die Pfeifen hindurch. 3700 sind es. Sie gehören zur Seifert-Orgel der Liebfrauenkirche in Bottrop-Eigen. Der Kirchhellener kennt jede Pfeife und weiß, was man machen muss, damit sie gut klingen. Seit 36 Jahren ist er Orgelbauer und kann sich keinen befriedigenderen Beruf vorstellen.

„Das ist eine Berufung und kein Beruf für mich. Es ist kein Job, mit dem man reich wird, aber er ist ungemein befriedigend“, sagt der Kirchhellener. Er liebt vor allem das Stimmen der Pfeifen und das Herstellen der Harmonien. „Die Orgel ist wie ein ganzes Orchester. Als Stimmer sitzt man mittem im Instrument, alles vibriert - das hat hohen Gänsehautfaktor.“ Beim Intonieren sei er der Dirigent des Orchesters und stimme den Klang der Orgel auf den Raum ab, in der sie steht.

Der Herr der Pfeifen - Orgelbauer arbeitet sogar für den Vatikan

Burkhard Klimke arbeitet an der Seifert-Orgel in der Liebfrauen-Kirche in Bottrop-Eigen mit ihren 3700 Pfeifen. © Manuela Hollstegge

Zu seinem heutigen Beruf kam Klimke eher durch Zufall. „Ich wollte auf jeden Fall ein Handwerk erlernen und mochte Holz“, erinnert sich der 62-Jährige, der in Kleve geboren wurde. Seine Mutter sah die Anzeige einer Orgelbaufirma, die einen Azubi suchte, er bewarb sich und bekam den Job. „Am Anfang war das eine völlig andere Welt, aber dann kam ich in die Montagehalle und dort stand eine zehn Meter hohe vormontierte Orgel. Da war ich platt und mir war klar, das zu bauen, ist, was ich lernen möchte“, erzählt Klimke. Er absolvierte zunächst eine Tischlerlehre und erlernte dann den Orgelbau.

Sehr vielschichtige Ausbildung

Dieser sei wahnsinnig vielschichtig, so Klimke. In der Ausbildung lerne man zum Beispiel, wie man Metall verarbeite und mit Schwachstrom umgehe, erhalte Akustik- und Gehörschulungen und müsse Pfeifen gießen.

Immer war Klimke, der seit 2013 in Kirchhellener wohnt, im Außendienst tätig. „Ich wollte immer vor Ort sein“, sagt er. Inspektionen und Wartungsarbeiten zählen zu seinen häufigsten Aufträgen. Vor zwölf Jahren machte er sich selbstständig. Da er rund 100 Orgeln betreut, ist Klimke viel unterwegs - 45.000 bis 50.000 Kilometer fährt er im Jahr, um zu den verschiedenen Orgeln zu kommen. Dabei reist er nicht nur nach Heidelberg, München oder Norddeutschland, sondern auch nach Rom.

In Italien werden Orgeln nicht regelmäßig gewartet

Seit 2008 ist er in jedem Jahr dort und wartet Orgeln. Denn in Italien habe das Warten und Instandhalten der Orgeln keine große Tradition, erklärt der Orgelbauer. „Wenn eine Orgel kaputt ist, dann ist sie halt kaputt. Da musste ich erst einmal Aufklärungsarbeit leisten.“

Der Herr der Pfeifen - Orgelbauer arbeitet sogar für den Vatikan

Die Empore mit dem leeren Orgelgehäuse von Sant Appollinare. Burkhard Klimke soll dort eine neue Orgel einbauen. © Burkhard Klimke

In der Kirche Sant Appolinare hat er gemeinsam mit einigen Partnern etwas Besonderes vor. Die Orgel dort stammt aus dem 16. Jahrhundert und hat eine bewegte Geschichte - sogar Mozart soll dort gespielt haben. Heute steht in der Kirche nur noch ein leeres Orgelgehäuse. Der Kirchhellener soll dort eine neue Orgel einbauen. Der Entwurf ist bereits fertig. „Das ist ein Projekt, das mir Gänsehaut macht“, sagt er.

Der Herr der Pfeifen - Orgelbauer arbeitet sogar für den Vatikan

So soll die neue Orgel in Sant Appollinare aussehen. © Zeichnung: Burkhard Klimke

In der Kirche des Heiligen Filippo Neri in San Girolama della Carita hat Klimke 2008 die alte Orgel restauriert. Regelmäßig reist er nun an, um sie zu warten. Der Kontakt nach Rom kam durch den ehemaligen Kirchhellener Pastor Klein-Schmeink zustande. Dieser hatte in Rom studiert, Klimke bei der Renovierung der Orgel in St. Johannes kennengelernt und den Kontakt zur Universität Santa Croce in Rom hergestellt, die auf der Suche nach einem Orgelbauer war.

„Die Menschen müssen mir vertrauen“

Insgesamt seien Empfehlungen die beste Werbung. „Die Menschen müssen mir vertrauen, dass ich keine Arbeiten vorschlage, die nicht wirklich notwendig sind“, so Burkhard Klimke. Alle 12 bis 15 Jahre müsse eine Orgel komplett auseinandergebaut und gereinigt werden. Das koste beispielsweise eine fünfstellige Summe.

Aktuell ist der 62-Jährige jedoch viel in Deutschland unterwegs. Weihnachten und Ostern sind für ihn „Hauptstimmzeit“, wie er sagt. In der Liebfrauenkirche in Bottrop muss er für ein großes Weihnachtskonzert an der Seifert-Orgel einige der 60 Register nachstimmen. Oben, zwischen all den Pfeifen, ist es warm und stickig. Dass dort geheizt wird, ist wichtig, denn Temperaturschwankungen wirken sich auf den Klang des Instruments aus.

Der Herr der Pfeifen - Orgelbauer arbeitet sogar für den Vatikan

Mit diesem Werkzeug macht sich Klimke an die Arbeit. © Manuela Hollstegge

Auch wenn immer weniger Menschen in die Kirche gehen - für Burkhard Klimke bleibt die Orgel wichtig. „Sie kann eine Messe liturgisch gestalten, kann Stimmung erzeugen und hat ihre feste Aufgabe in der Kirche“, sagt er. Privat spielt er jedoch auch gerne Klavier, bis vor Kurzem sogar noch in einer Oldie-Band. „Zwischendurch muss man mal die Ohren durchlüften“, erklärt er, breitet sein Werkzeug aus und macht sich an die Arbeit.

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