Mysteriöser Plastik-Storch täuscht Vogelfreunde

dzStörche in Kirchhellen

Zwei Nester stehen für die Familienplanung der Störche im Dorf bereit. Nur lassen die sich bislang nicht blicken. Einzig ein Exemplar aus Plastik hält Wache - und sorgt so für Verwirrung.

Kirchhellen

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein eigener Storch im Ort: Was für die Dorstener Nachbarn alle Jahre wieder freudige Realität ist, ist für die Kirchhellener bislang nur ein Wunsch. Seit 2013 warten die Vogelfreunde im Ort sehnsüchtig darauf, dass in den beiden Storchennestern am Schleitkamp und An der Dringenburg/Pelsstraße sich doch einmal Meister Adebar samt Gemahlin zwecks Familienplanung niederlässt. Doch bislang ist das nur Wunschdenken.

Das hält Vogelfreunde aber nicht davon ab, eifrig Ausschau zu halten. Besonders ärgerlich nur, wenn man voller Übereifer Störche sieht, wo gar keine sind - beziehungsweise keine aus Fleisch und Blut. Denn in einem der Nester steht ein Plastik-Storch.

Plastik-Storch mit mysteriöser Herkunft

Eine Falle für jeden Kirchhellener Storch-Enthusiasten, sieht doch der Plastik-Knabe aus der Entfernung oder im Vorbeifahren täuschend echt aus. Und so gab es bereits die ein oder andere falsche Meldung einer Storchensichtung.

Und auch die Herkunft des Plastik-Storches birgt Rätsel. Von den Verantwortlichen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die damals die Storchennester aufstellten, wusste man bei der Anfrage der Redaktion nichts von dem Plastik-Storch. Wie der Plastikfreund ins Nest kam, war nicht festzustellen. Die Vermutung: dass er als Lockvogel für echte Störche aufgestellt wurde.

Experte rät von Plastik-Storch ab

Niels Ribbrock, stellvertretender Leiter der Biologischen Station in Lembeck, bezweifelt jedoch, dass der Plastik-Kamerad wirklich echte Störche anlocken wird: „Ich habe bereits zweimal eine ähnliche Situation mit Plastikstörchen erlebt. Bei dem einen kam es erst zu einer Besiedlung durch echte Vertreter, als das Plastikexemplar weggenommen wurde. In dem anderen Nest steht der Plastikstorch immer noch, ansonsten ist das Nest leer.“

Generell hätten Störche kein Problem damit, sich den Horst anderer Artgenossen zu erobern. Kämpfe um Nistplätze würde es immer geben, betont der Experte.

Plastik-Kamerad ist echten Atgenossen suspekt

Mit dem Plastikkameraden gäbe es aber ein Problem. Er ist nun einmal nicht lebendig und kann daher schwer „sein“ Nest vor Konkurrenten verteidigen. Diese Passivität ist seinen echten Artgenossen aber sehr suspekt. Nach ein paar Versuchen würden echte Störche deshalb die Nestübernahme abbrechen.

Der Experte Ribbrock empfiehlt daher, Storchennester so zu präparieren, dass es den Anschein habe andere Störche hätten schon einmal dort genistet. „Es reicht aus, ein paar Federn zu platzieren und mit Farbe Reste von Kot zu simulieren. Dadurch würden vorbeiziehende Störche von oben auf den Nistplatz aufmerksam werden und sich eventuell dort niederlassen“, meint Ribbrock.

Wenn sie dann genug Nahrung in der Umgebung finden würden, wäre es vorstellbar, dass sich ein Storchenpaar zur Brut ansiedeln würde. So lange der Plastikstorch steht, werden aber so schnell keine Störche an der Ecke Pelsstraße/An der Dringenburg nisten.

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