Seit fünf Jahren ist Thorsten Backhaus Geschäftsführer im Movie Park Germany. Im Interview zeigt er sich ehrgeizig, weiß aber auch, dass der Park gegen ein schlechtes Image ankämpfen muss.

Feldhausen

, 11.12.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Herr Backhaus, die Saison 2019 im Movie Park ist nun zu Ende. War es für Sie als Geschäftsführer ein gutes oder schlechtes Jahr?

Sicherlich ein gutes Jahr. Wir hatten gutes Wetter von Ostern bis in den September hinein. Dementsprechend kamen viele Besucher. Und auch die neuen Attraktionen haben nochmal dazu beigetragen, dass wir ein Besucherplus von 7 Prozent erreicht haben. Da kann man definitiv sehr zufrieden sein.

Was waren für Sie die Highlights?

Dieses Jahr war voll gespickt mit Highlights. Im Mai haben wir die neue „PAW Patrol“ Themenwelt „Adventure Bay“ eröffnet. Dann natürlich die Eröffnung von „Area 51“. Und zum Abschluss bleibt einem noch das „Halloween Horror Festival“ in Erinnerung, was von Jahr zu Jahr größer wird.

Neben der Umgestaltung des ehemaligen „Bermuda Dreiecks“ bekam auch die Halloweenmaze „Deathpital“ ein Update. Was steckt hinter dieser Qualitätsoffensive, die der Park seit einigen Jahren verfolgt?

Es ist für unsere langfristige Planung wichtig, dass wir neben Neuheiten auch die Punkte anpacken, die im Gästefeedback angesprochen werden. Viele Attraktionen gibt es seit 1996. Im Vergleich mit den neueren Attraktionen war der Maßstab damals anders. Da muss man schauen, dass man den Anspruch und die Qualität, die wir heute haben, angleicht. Es sind auch oft Kleinigkeiten, die man auf den ersten Blick nicht sieht, die nach und nach verbessert werden.

Sind weitere Umgestaltungen in den nächsten Jahren geplant?

Wir haben sicherlich Ideen. Es ist aber so, dass wir zur spanischen Freizeitparkgruppe „Parques Reunidos“ gehören. Ideen werden im Konzern besprochen und müssen genehmigt werden. Da können wir nicht komplett selbst entscheiden. Eine langfristige Planung geht voraus. Aber wir sind sicher, dass die vergangenen Jahre, die sehr erfolgreich für uns waren, Argumente liefern, dass wir an der ein oder anderen Stelle die Möglichkeit bekommen, wieder etwas zu investieren.

Ist denn eine neue Attraktion für die nächste Saison geplant?

2020 wird es keine große Neuheit geben. Aber es gibt Überlegungen ein paar Kleinigkeiten zu ändern. Längerfristig gibt es aber schon Ideen und Pläne für neue Attraktionen.

Wie sieht es mit den Erweiterungsmöglichkeiten des Parks aus?

Wir haben noch genug Kapazitäten auf dem bestehenden Parkgelände. Mit den Räumlichkeiten, die wir haben, wie zum Beispiel die Halle der ehemaligen „Ice Age“ Wasserbahn, beschäftigen wir uns natürlich und überlegen, wie wir diese nutzen können. Mittelfristig sind keine Vergrößerungen außerhalb der Parkgrenzen geplant.

Movie Park will in die Champions League der deutschen Freizeitparks

Im Mai wurde die neue Paw Patrol-Themenwelt im Movie Park eröffnet. © Manuela Hollstegge

Viele Freizeitparks haben mittlerweile eigene Hotelanlagen, damit Gäste von weiter weg direkt am Park übernachten können und ihren Aufenthalt verlängern. Der Movie Park hat sich sicherlich mit diesem Thema beschäftigt. Wie ist der Stand der Dinge?

Wir haben verschiedenste Überlegungen gemacht. Bereits sind wir sehr stark mit unseren Partnerhotels unterwegs, sodass wir eine gewisse Expertise haben, welches Potenzial der Park hätte. Wir sind dem Thema Hotelbau nicht abgeneigt. Dafür haben wir bereits eine Flächenanalyse dargelegt, um zu schauen, was möglich wäre. Nun müssen wir schauen, wo die Reise hingeht. Potenzial haben wir erkannt. Es ist nur die Frage, ob wir dafür die Mittel bekommen.

Der Verkehr durch den Park ist in Kirchhellen immer ein großes Thema. Was ist dort in den vergangenen Jahren passiert und was ist noch geplant?

Das Thema kommt immer wieder mal hoch. Was mich persönlich ärgert ist, dass oftmals von Verkehrschaos gesprochen wird. Ich finde, Chaos sieht anders aus. Staus auf der Autobahn können wir nicht verhindern. Für uns ist immer maßgebend was nach der Ampel an der Feldhausener Straße bis zu unseren Parkplätzen passiert. Dafür haben wir einen langen Maßnahmenkatalog mit der Stadt Bottrop erarbeitet.

Wir haben unser Parkplatzmanagement optimiert. Seitdem haben wir den Verkehr in unserem Bereich im Griff. Außerdem versuchen wir zum Beispiel, den Abreiseverkehr anders zu lenken, damit mehr Fahrer die Autobahnauffahrt Kirchhellen-Nord nehmen, um den Verkehr Richtung Dorfmitte zu entlasten.

Mittlerweile sind wir fernab von dem, was in den Anfangsjahren des Parks durchgerollt ist. Wir haben zwar steigende Besuchszahlen, aber wir konnten nicht feststellen, dass die Stautage zugenommen haben.

Ein gesellschaftliches Thema, welches zurzeit alle beschäftigt, ist der Umweltschutz. Wie ist der Park beim Thema Nachhaltigkeit aufgestellt?

Der Park ist aus dem Jahr 1996. Da wurde mit anderen Energiestandards gebaut als heute. In dem Moment, wo wir Erneuerungen machen, sprich der Ausbau von Motoren, Pumpen oder Lichttechnik, setzen wir auf energieeffizientere Technologien. Als ich 2008 angefangen habe, waren wir bei einem Stromverbrauch von 10 Millionen Kilowattstunden. Heute sind wir bei 7,6 Millionen.

Aber auch im Park selbst hat sich einiges getan. Anstatt Plastikstäbchen geben wir Holzstäbchen raus. Unsere Tüten sind nicht aus Plastik, sondern aus Rohrzucker. Mülltrennung und Vermeidung ist seit Jahren ein großes Thema. Sicherlich gibt es Luft nach oben, aber wir haben auch schon einiges erreicht.

Movie Park will in die Champions League der deutschen Freizeitparks

Nach sechsmonatigen Umbauarbeiten wurde nun die umthematisierte Wasserattraktion „Area 51 – Top Secret“ im Movie Park eröffnet. © Julian Schäpertöns

Sie sind nun fünf Jahre Geschäftsführer des Movie Parks. Wie hat sich der Park aus Ihrer Sicht in dieser Zeit entwickelt?

Es gab eine Zeit, wo es dem Park aufgrund mehrerer Eigentümerwechsel nicht so gut ging. Mein Vorgänger Wouter Deckers hatte seinerzeit den Park schon durch mehrere Investitionen neu positioniert. Das machte es natürlich etwas einfacher, den Park zu übernehmen. Seit 2008 bin ich im Unternehmen, seit 2014 Geschäftsführer. Seitdem haben wir uns fokussiert, wie wir den Park noch weiter nach vorne bringen können.

Ein wichtiger Punkt dabei ist sicherlich die Auswertung der Gästeumfragen. Neben der Aufwertung bestehender Attraktionen war natürlich auch die neue Achterbahn „Star Trek“ eine große Maßnahme. Und natürlich liegt die weitere Ausrichtung als Familienpark im Fokus. Wir wollen aber natürlich weiterhin für alle Zielgruppen etwas bieten. Unser Weg ist es, dass jung und alt hier einen tollen Tag verbringen können.

Wo sehen Sie den Park in den nächsten fünf Jahren?

Ich möchte solide in der Champions League der deutschen Freizeitparks mitspielen. Der Movie Park hat sicherlich ein gewisses Image aus der Vergangenheit, aber wir haben auch eine Historie. Und wenn man einige Eigentümerwechsel hinter sich hat, kann man auch nicht nachhaltig eine Strategie fahren, wie es andere Parks tun, die mehrere Jahrzehnte im Geschäft sind. Es gibt sehr gute Parks in Deutschland und daran müssen wir uns auch weiterhin messen. Wir sind zum Glück jetzt in besserem Fahrwasser.

Und wohin soll langfristig die weitere Reise gehen?

Für mich ist das Gesamtgebilde in einer strategischen Entwicklung relevant. Man muss überlegen: wir kommen eigentlich aus einem klassischen Tagesbesuch. Wir haben uns aber in den vergangenen Jahren sukzessive so entwickelt, dass wir Besucher mobilisiert haben, auch einen zweiten Tag zu kommen. Und dann hat man die Überlegung: welches Potenzial hat der Movie Park am Standort, um eine richtige Destination zu werden? Wie kann man den Park so entwickeln, dass er als mehrtägiges Ausflugsziel wahrgenommen wird? Das ist eine Vision, aber dafür sind noch viele Themen abzuarbeiten.

  • Der Düsseldorfer Thorsten Backhaus ist 43 Jahre alt und hat vor seiner Zeit im Movie Park in der Wirtschaftsprüfung gearbeitet.
  • 2008 wechselte er in die Finanzabteilung des Kirchhellener Freizeitparks und übernahm im Jahr 2014 die Geschäftsführung. Seine Lieblingsattraktion im Park ist die „Star Trek“ Achterbahn.
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