Ludger Schnieder wendet sich in Coronakrise mit Bitte an Kirchhellener

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Ludger Schnieder versucht als Bezirksbürgermeister aktuell, das Dorf trotz Corona zusammenzuhalten. Im Interview wendet er sich mit einer großen Bitte an die Bürger.

Kirchhellen

, 14.04.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Bezirksbürgermeister erlebt Ludger Schnieder momentan eine noch nie dagewesene Situation. Dennoch glaubt er, dass Kirchhellen stark genug ist, die Krise zu überstehen.

Herr Schnieder, wie erleben Sie das Dorf in der aktuellen Krise?

Es ist sehr ruhig im Dorf. Alle Menschen sind freundlich und nehmen Rücksicht aufeinander. Die Stimmung ist nach meinem Empfinden nicht so schlecht, wie sie eigentlich sein könnte. Die Bürger beachten die Auflagen und darauf können wir stolz sein.

Treten viele Bürger mit Fragen an Sie heran?

Ja, hier und da kommen Fragen, wie zum Beispiel: Was darf ich noch machen? Darf ich mit meinen Nachbarn auf der Straße abends singen? Ich verweise da eigentlich immer auf die von der Stadtverwaltung beziehungsweise von öffentlichen Stellen festgelegten Regeln.

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Wie ist die Nachbarschaftshilfe angelaufen?

Ich bin mal wieder überwältigt von der Hilfsbereitschaft, die wir in unserem Stadtbezirk in kurzer Zeit erreichen konnten. Viel mehr Helfer als Hilfesuchende haben sich in kurzer Zeit gemeldet.

Was sind die Hauptaufgaben der Hilfe?

Wir vermitteln an unserem Kontakttelefon zwischen Hilfesuchenden und Helfenden. Unsere Website beinhaltet möglichst alle Hilfsangebote in Kirchhellen, zeigt Lieferangebote auf, bietet Kontaktdaten zur Kaufmannschaft und vielen weiteren nützlichen Dienstleistungen. Besonders stolz können wir auf den Nähaufruf für unsere Seniorenheime sein.

Warum das?

Innerhalb von 24 Stunden wurden durch circa 50 Kirchhellener Bürger die 200 Stück Mund-Nasen-Bedeckungen genäht. Selbst der Movie Park hat angeboten zu helfen, obwohl die Freizeiteinrichtung sicherlich auch eigene große Sorgen hat.

Die Kirchhellener Politiker können sich nicht wie gewohnt zu ihren Sitzungen am Kirchhellener Ring treffen.

Die Kirchhellener Politiker können sich nicht wie gewohnt zu ihren Sitzungen am Kirchhellener Ring treffen. © Leonard Schütte (A)

Was für Rückmeldungen bekommen Sie von den Kaufleuten?

Durch verschiedene Gespräche mit Einzelhändlern sehe ich schon die große Not, die viele unserer Geschäfte haben. Ganz viele bieten trotz Schließung einen Lieferservice an. Bei einigen läuft das auch richtig gut.

Was können die Kirchhellener zur Unterstützung tun?

Ich wünsche mir, dass alle Mitbürger erst versuchen, Bestellungen im Dorf zu tätigen, bevor ein Onlineshop in Anspruch genommen wird. Wir brauchen unseren Einzelhandel auch nach der Krise noch. Mehr Informationen über die Angebote der Kaufleute gibt es unter www.kirchhellen-hilfe.de.

Was denken Sie, was Corona mit Kirchhellen machen wird?

Das tägliche Leben wird sich in der nächsten Zeit sicherlich anders darstellen als vor der Krise. Ich persönlich glaube in den nächsten Monaten nicht an Feste mit Hunderten Menschen. Trotzdem kann auch mit den nötigen Sicherheitsbeachtungen vieles gemeinsam gelebt werden. Kirchhellen mit all seinen Ortsteilen sehe ich als stark genug an, die Krise zu meistern.

Was meinen Sie damit?

Wir können nicht nur gut zusammen feiern, sondern auch zusammen schwierige Situationen meistern. Das hat Kirchhellen schon mehrfach bewiesen und zeigt es gerade wieder.

Wie ist es für Sie, dass auch politisch nahezu Stillstand herrscht?

Das ist tatsächlich komisch. Natürlich gibt es auch bei uns im Bezirk Dringlichkeitsentscheidungen, die ich gemeinsam mit jeweils einem Vertreter der Parteien treffe. Zum Glück sind wir im Bezirk relativ oft einer Meinung. Trotzdem ist das natürlich ein politisches Leben, das wir nicht kennen und so auch nicht unbedingt wollen. Wir freuen uns, wenn wir wieder politisch richtig aktiv werden können.

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