Auch im März werden im Kirchhellener Kulturzentrum Hof Jünger keine Veranstaltungen stattfinden © Robert Wojtasik (A)
Kultur

Kultur-Hunger oder Corona-Angst? Ungewisse Zukunft für Hof Jünger

Der Kirchhellener Bürgerverein hat alle Veranstaltungen im März abgesagt. Und selbst wenn Kultur wieder stattfinden darf, ist nicht klar, ob auch die Besucher wieder kommen wollen.

Hermann Reinbold ist nicht sauer. Der Vorsitzende des Kirchhellener Bürgervereins Hof Jünger ist besorgt und natürlich auch ein bisschen traurig. Tucholsky-Abend, Kabarett, Kindertheater – wieder muss er sorgsam geplante Veranstaltungen absagen. Die Einnahmen bleiben aus, die Kosten für die Instandhaltung des Gebäudes sowie für den Hausmeister laufen weiter und in die Zukunft zu planen, ist fast unmöglich.

„Ich bin viel mehr mit Absagen beschäftigt, als mit der Planung von Veranstaltungen. Hier liegen Poster, Flyer und Eintrittskarten für Veranstaltungen, die nicht stattfinden werden“, sagt Hermann Reinbold. Erst vor wenigen Tagen hat er aufgrund der Verlängerung des Corona-Lockdowns alle für März geplanten Veranstaltungen abgesagt. Das schmerze schon, besonders weil er die Sorge habe, dass die Zahlen nicht so weit, wie gewünscht, runter gehen werden.

„Es soll sich niemand im Hof Jünger anstecken“

„Verärgert bin ich nicht – im Gegenteil. Ich bin eigentlich ein Verfechter eines harten Lockdowns. Aktuell weiß niemand, wie sich die Zahlen entwickeln und welche Rolle die Mutationen spielen werden. Daher sollte man nicht leichtfertig mit Öffnungen umgehen. Es soll sich auf keinen Fall jemand auf einer Veranstaltung im Hof Jünger mit Corona anstecken“, so Reinbold.

Hermann Reinbold ist Vorsitzender des Kirchhellener Bürgervereins Hof Jünger.
Hermann Reinbold, Vorsitzender des Bürgervereins Hof Jünger, ist skeptisch, ob bei den Menschen der Hunger nach Kultur größer ist als die Angst vor Corona. © Freddy Schneider (A) © Freddy Schneider (A)

Bezüglich möglicher Öffnungen habe die Politik bislang jedoch viel über Friseure und wenig über die Kultur geredet und selbst im vorgestellten Stufen-Plan für weitere Öffnungen ab einer Inzidenz von 35 kämen kulturelle Veranstaltungen erst in der dritten Stufe vor.

Ersatztermine für ausgefallene Veranstaltungen zu finden, sei sehr schwer, erklärt der Vorsitzende. Selbst für das kommende Jahr sei schon „fast alles dicht“, da viele Organisatoren ihre Veranstaltungen bereits dorthin verschoben hätten. Selbst die Kirchhellener Schützen und Brezelbrüder hätten ja nun ihre Feste für dieses Jahr abgesagt.

Kritischer Blick in die Zukunft des Kirchhellener Vereins

Reinbold hofft, dass nach Ostern und unter großen Vorsichtsmaßnahmen wieder Veranstaltungen im Hof Jünger stattfinden können. Die Künstler würden sagen, dass die Menschen hungrig nach Kultur seien, doch der Kirchhellener sieht das ein bisschen kritischer: „Ich glaube, die Angst vor einer Ansteckung ist bei vielen größer als der Hunger nach Kultur.“ So seien beispielsweise die sonst sehr beliebten Kabarett-Veranstaltungen im September nicht ausverkauft gewesen.

Sorgen bereiten Hermann Reinbold auch die laufenden Kosten für die Gebäude und das Hausmeister-Ehepaar. „Für die ist der Hof Jünger quasi ihr Wohnzimmer und sie sind immer da, wenn es etwas zu tun gibt. Daher wollen wir sie auf jeden Fall über die Runden bringen und nicht hängen lassen“, sagt Reinbold. Aktuell gebe es sogar einiges zu tun – die Elektronik der Schlösser werde beispielsweise ausgetauscht, die Leitungen müssten immer wieder durchgespült und die Post gesichtet werden.

  • Spenden an den Bürgerverein Hof Jünger sollten gerichtet werden an: IBAN DE05 4246 1435 0109 9006 00; Anschrift für eine Spendenbescheinigung bitte angeben.
  • Eine einjährige Mitgliedschaft im Bürgerverein ist eine weitere Möglichkeit der Unterstützung. Der Mindestbeitrag beträgt 15 Euro. Kontakt per E-Mail an Hermann.Reinbold@t-online.de oder telefonisch unter (02045) 40 65 32 0. Mehr Infos unter www.hof-juenger.de.
Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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Manuela Hollstegge

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