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Kirchhellenerin soll als Betreiberin eines Thai-Massagesalons Steuern hinterzogen haben

dzLandgericht

Ende 2018 wurde eine thailändische Geschäftsfrau aus Kirchhellen am Frankfurter Flughafen festgenommen. Seit Donnerstag steht sie vor Gericht. Der Vorwurf: Steuerbetrug im Massagestudio.

Kirchhellen/Essen

, 21.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Unter besonderen Sicherungsvorkehrungen hat in Essen der Prozess gegen eine thailändische Geschäftsfrau begonnen. Es geht zwar „nur“ um Steuerhinterziehung und Sozialbetrug, Wachtmeister und Gericht waren trotzdem alarmiert. Der Flur vor der Saaltür war abgesperrt, Zuschauer mussten sich extra ausweisen, um eingelassen zu werden.

Wie es am Rande des Prozesses hieß, hing das allerdings nicht mir der Angeklagten zusammen, sondern mit ihrem Ehemann. Der soll der Gruppe der Reichsbürger angehören. Er selbst ist jedoch gar nicht erschienen.

Bei der Wiedereinreise in Frankfurt festgenommen

Dabei sitzt seine Frau schon seit dem 7. November 2018 im Gefängnis. Die 51-Jährige war auf dem Frankfurter Flughafen festgenommen worden – bei der Wiedereinreise aus Thailand. Dort hatte sie sich fünf Monate lang aufgehalten, nachdem sie ihr Thai-Massagestudio in Kirchhellen endgültig geschlossen hatte. „Meine Mutter war krank, deshalb musste ich nach Hause“, sagte sie zum Prozessauftakt vor der 1. Strafkammer des Essener Landgerichts.

Dort wird ihr vorgeworfen, mit ihren insgesamt zwei Betrieben knapp 280.000 Euro Steuern hinterzogen zu haben. Außerdem soll sie keine Sozialabgaben für ihre Mitarbeiter gezahlt haben, die in ihrem Massagestudio gearbeitet haben. Hier soll sich der Schaden auf rund 110.000 Euro belaufen.

„Ich weiß, dass ich schuld bin."

„Ich weiß, dass ich etwas falsch gemacht habe und dass ich schuld bin“, sagte die 51-Jährige den Richtern am ersten Verhandlungstag. „Ich bin auch bereit, für das, was ich getan habe zu bluten und Geld zurückzuzahlen.“ Konkret wurde sie dabei allerdings nicht. Im Gegenteil. Vor Gericht betonte die ehemalige Geschäftsfrau immer wieder, dass sie ihre Unterlagen ja immer einer Steuerberaterin übergeben habe. „Ich habe alle Rechnungen und Quittungen gesammelt“, sagte sie den Richtern. Dafür habe sie der Steuerberaterin 110 Euro im Monat gezahlt und ihr zweimal pro Woche eine kostenlose Thai-Massage spendiert.

Die Angeklagte war 1994 nach Deutschland gekommen. Ihr späterer Ehemann, ein heute angeblich arbeitsloser Diplom-Ingenieur, hatte sie während eines Thailand-Urlaubs kennengelernt. Sie selbst war auf dem Land groß geworden und nur bis zu ihrem zwölften Lebensjahr zur Schule gegangen.

Erstes Massagestudio schon 2009 eröffnet

Das erste Massagestudio in Kirchhellen hat sie nach eigenen Angaben im April 2009 eröffnet. Warum ausgerechnet dort, ist völlig rätselhaft. Sie wohnte mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern nämlich eigentlich in Baden-Württemberg. „Ich war bei einer Freundin zu Besuch, da haben wir durch Zufall ein Ladenlokal gesehen, das zu vermieten war“, sagte sie im Prozess. Danach ging dann angeblich alles ganz schnell. Thailändische Freundinnen hätten ihr bei der Einrichtung geholfen und auch die spätere Steuerberaterin empfohlen.

Ende 2013 habe sie dann nicht weit entfernt ein zweites Massagestudio eröffnet, das sie bis zur Schließung im Mai 2018 geführt habe. Den Parallelbetrieb habe es aber nur für rund ein halbes Jahr gegeben. Bis zu fünf Mitarbeiter sollen damals in Teilzeit beschäftigt gewesen sein.

Ehemann hat Wohnsitz angeblich nach Liechtenstein verlegt

Um nicht ständig von Baden-Württemberg nach Kirchhellen fahren zu müssen, hatte die Angeklagte dort auch einen Zweitwohnsitz. Warum ihr Mann angeblich inzwischen in Liechtenstein gemeldet ist, ist unklar. „Davon weiß ich nichts", sagte die Angeklagte den Richtern. „Das hat er mir nicht gesagt."

Der Prozess wird fortgesetzt.

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