Julia Kamp mit Labrador Dagash beim Heimatbesuch in der Kirchheller Heide. © Petra Berkenbusch
Naturschutz

Kirchhellenerin schützt in Sachsen-Anhalt den Wolf und die Nutztiere

Als Julia Kamp 2017 eine Stelle im Wolfskompetenzzentrum von Sachsen-Anhalt annahm, war ihre Kirchhellener Heimat noch wolfsfreie Zone. Inzwischen erhitzt „Gloria“ hier die Gemüter.

Julia Kamp ist an einem Ort aufgewachsen, den andere Kinder als Ausflugsziel ansteuerten. Was Besucherkindern aus der Stadt wie ein großer Abenteuerspielplatz erschien, war ihre Kinderstube. „Der Wald war mein Spielplatz“, erzählt Julia Kamp beim Spaziergang durch die Kirchheller Heide, die ihr „Garten“ wurde, als ihr Vater 1999 die Verwalter-Stelle am Heidhof übernahm und die Familie mit der achtjährigen Julia und ihren beiden Brüdern von Oberhausen zum Waldkompetenzzentrum zog.

Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin

Dass Freunde und Schulkameraden die Kamp-Kinder lieber auf dem Heidhof besuchten, als sie zu sich einzuladen, versteht jeder, der schon mal einen aufregenden Tag rund um den Heidhof verbracht hat. Julia besuchte die Dorstener Realschule St. Ursula und wechselte von dort aus aufs Marler Berufskolleg, wo sie parallel zum Abitur eine Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin absolvierte. „Mir war aber schnell klar, dass ich nicht mein Leben lang in einem Labor sitzen wollte“, erzählt sie. Biologie wollte sie jedoch auch nicht studieren, „das war mir zu viel Chemie“.

Studium in den Niederlanden: Wildlife Management

Ein Angebot aus den Niederlanden schien dagegen wie für sie gemacht: An der Hochschule in Leeuwarden legte Julia Kamp schließlich ihren Bachelor im Studiengang Wildlife Management ab. In Friesland wurde auch ihr besonderes Interesse für den Wolf geweckt. Julia Kamp: „Wir hatten einen besonders wolfsenthusiastischen Dozenten.“ Unter den vielen Praktika, die für sie als Studentin Pflicht waren, führte sie eins dann zum ersten Mal nach Sachsen-Anhalt.

Julia Kamp nimmt Kotproben, die im Labor Aufschlüsse über die DNA des Tieres geben. © Anne Bobes © Anne Bobes

Braunbären, Lüchse und Wölfe standen bei einem Praktikum bei einem Forschungsteam in Kroatien im Mittelpunkt, das Julia Kamp während ihres Masterstudiums in Wald- und Naturschutz an der Universität Wageningen (NL) absolvierte. Seither ist der Wolf aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken.

Mit dem Master in der Tasche bewarb sie sich beim Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, das in Iden im Landkreis Stendal ein Wolfskompetenzzentrum betreibt, um die natürliche Wiederansiedlung des Wolfes in Sachsen-Anhalt fachlich zu begleiten.

Der Wolf taugt schon seit Jahrhunderten als Feindbild

Seit vier Jahren begutachtet Julia Kamp nun schon Nutztierrisse, berät Tierhalter zum Herdenschutz, erklärt Schulkindern den Wolf und seine Eigenarten und hat gelernt, dass das Thema Wolf extrem emotional diskutiert wird. „In Sachsen-Anhalt“, so berichtet sie, „werden auch vom Luchs Nutztiere gerissen.“ Die Aufregung darüber sei aber viel geringer als die über den Wolf.

Die Wildkamera zeigt, was sich in den Wäldern in Sachsen-Anhalt tummelt. © Luisa Seegers © Luisa Seegers

Die Expertin weiß, dass der Wolf einen schlechten Ruf hat. „Er taugte schon immer als Feindbild.“ In Mythen und Märchen, selbst in der Bibel, würden negative menschliche Charaktereigenschaften wie Habgier, Streitlust, Heimtücke und Verschlagenheit auf den Wolf projiziert. Dabei stellen Wölfe eher keine Gefahr für den Menschen dar, eher geht der Wolf dem Zweibeiner aus dem Weg.

Herdenschutz ist das A und O für die Koexistenz

Aber er frisst Nutztiere, die dem Menschen nahestehen und richtet damit wirtschaftlichen oder emotionalen Schaden an. Diesen Schaden so gering wie möglich zu halten, gehört in Sachsen-Anhalt zu den Aufgaben von Julia Kamp. Denn sie untersucht nicht nur die Spuren des Angreifers, sondern berät die Tierhalter auch über Schutzmaßnahmen und tüftelt gern mit ihnen geeignete Mittel aus, um den Wolf von den Herden fernzuhalten.

Nach vier Jahren intensiver Beschäftigung mit von Wölfen angerichteten Schäden ist Julia Kamp davon überzeugt, dass die meisten Wolfsrisse durch geeignete Schutzmaßnahmen zu verhindern sind. Den Streit um Wölfin „Gloria“, die auch schon in der Kirchheller Heide gesichtet worden ist, verfolgt sie in Sachsen-Anhalt mit großem Interesse. Dass das Verwaltungsgericht unlängst kein Todesurteil über „Gloria“ verhängt hat, nötigt ihr Respekt ab.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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