An der Teststrategie für die Schulen übt das Bottroper Jugendparlament Kritik. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Corona-Maßnahmen

Jugendparlament kritisiert Schulministerin und schreibt ihr einen Brief

Schulministerin Yvonne Gebauer wird in den nächsten Tag Post aus Bottrop bekommen. Das Jugendparlament hat höfliche Kritik an ihren Corona-Maßnahmen für die Schulen formuliert.

Die Lage der Schülerinnen und Schüler in der Corona-Situation ist ernst. Dem Bottroper Jugendparlament war sie eine Sondersitzung wert, die am Dienstagnachmittag als Videokonferenz abgehalten wurde.

Einziger Tagesordnungspunkt war ein Brief, der an die NRW-Ministerin für Schule und Bildung, Yvonne Gebauer, geschickt werden soll und in dem die Schülerinnen und Schüler schildern, mit welchen Problemen sie sich in ihrem Schulalltag seit Beginn der Corona-Pandemie herumschlagen.

Umfrage unter 100 Schülerinnen und Schülern

Das wissen die You.Pa-Mitglieder nicht nur aus eigener Anschauung, sondern auch durch eine Umfrage unter 100 Bottroper Schülerinnen und Schülern aus dem März 2021. In dieser Umfrage bewerteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem ihre Wohn- und Lernumgebung, den Ablauf des Distanzunterrichts und die Prüfungsvorbereitung.

Max Fockenberg ist Sprecher des Jugendparlaments und führte auch durch die Video-Sondersitzung. © Julian Schaepertoens © Julian Schaepertoens

Während die Lernumgebung ganz gute Note erhielt, kamen Distanzunterricht und Prüfungsvorbereitung nicht so gut weg. Und auch, wenn der Kirchhellener CDU-Chef und pensionierte Lehrer Rainer Hürter als politischer Beobachter des Jugendparlaments es nicht so gern hören wollte, richtete sich die Kritik nicht nur gegen die teilweise unzulängliche Technik, sondern auch gegen Lehrer, die den Unterricht auf Distanz nicht immer zur Zufriedenheit ihrer Schüler realisiert haben. Auch die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern habe oftmals zu wünschen übrig gelassen, monieren sie.

Harte Kritik an der Teststrategie

Zwei Kritikpunkte, die großen Raum im Schreiben der jungen Bottroper einnehmen, muss sich auch die Schulministerin gefallen lassen: Durchgefallen ist zum Beispiel ihre Teststrategie. Zweimal in der Woche sei zu wenig, Freiwilligkeit zudem das falsche Signal. Sinnvoller erscheint den Schülern, den negativen Test schon beim Betreten des Schulgebäudes vorzulegen, um positive Schüler gar nicht erst mit Klassenkameraden und Lehrpersonal in Kontakt kommen zu lassen. Wer den Test verweigere, solle durch Online-Übertragung oder eigenständiges Selbststudium am Ball bleiben.

Mehr ministerielles Eingreifen hätten sich die Schüler in Sachen Abi-Mottowoche gewünscht. Diese Entscheidung hat das Land in die Hände der Schulleitungen gelegt, was dazu geführt hat, dass Kirchhellener Abiturienten die Mottowoche versagt wurde, während ihre Bottroper Jahrgangskollegen munter gefeiert haben. So unterschiedliche Lage-Bewertungen stärkten nicht gerade das Vertrauen der jungen Menschen in die Infektionsschutzmaßnahmen, erklärt das Jugendparlament nachträglich der Ministerin.

Unzufrieden mit der Abitur-Vorbereitung

Von der Mottowoche zum ernsten Teil des Abiturs: Das sei in keiner Weise an die Umstände des diesjährigen Jahrgangs angepasst worden, monieren die Abiturienten, dazu sei die Vorbereitung auf die Prüfungen zu unzureichend gewesen. In einem Boot mit den Abiturienten sahen sich die Absolventen aller Abschlussklassen. Auch die Zehner müssten trotz der Corona-Ausfälle zentral gestellte Aufgaben erfüllen und fürchteten um ihre Abschlüsse, gab eine Schülerin zu bedenken und beantragte eine redaktionelle Änderung des Briefes, um der Ministerin die Sorgen aller Abschlussjahrgänge zu erläutern.

Die You.Pa-Sprecher Max Fockenberg, Gwan Suliman und Maximilian Urbaneck moderierten Diskussion und Abstimmung der Anträge souverän und griffen schließlich auch die Anregung auf, Ministerin Gebauer zu einem Gespräch über die Nöte der Bottroper Schüler einzuladen. Bis die Ministerin dafür Zeit hat, könnten sich Corona und die Sorgen der jungen Menschen allerdings verzogen haben.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
Zur Autorenseite
Petra Berkenbusch

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.