2019 haben in Bottrop nur 9 Prozent der Schüler mit Migrationshintergrund ein Gymnasium besucht. Das geht aus dem neuen Integrationsbericht hervor. (Symbolbild) © picture alliance / Monika Skolimowska/dpa
Integration

Integrationsbericht zeigt: Es gibt noch viel Arbeit in Bottrop

Der Integrationsbericht 2019 für Bottrop bietet spannende Einblicke darin, wie Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt leben. Er zeigt aber auch, dass noch viel getan werden muss.

Wie viele Menschen mit Migrationshintergrund leben in Bottrop? Wo kommen sie her, wie leben sie und wie ist die Situation ausländischer Kinder in der Stadt? Auf diese Fragen gibt der neue Integrationsbericht 2019 Antworten. Deutlich wird, dass im Bereich der Integration noch viel zu tun ist.

Vorneweg muss gesagt werden, dass die Datenlage zu diesem Thema schwierig ist und Daten oft nicht miteinander vergleichbar sind, da verschiedene Einrichtungen und Institutionen „Migrationshintergrund“ unterschiedlich erfassen.

Zum Stichtag 31. Dezember 2019 lag der Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Bottrop bei 22,5 Prozent. Im Vergleich zu 2018 ist dieser Anteil um 0,7 Prozent gestiegen. Es gibt jedoch erhebliche Unterschiede in den Stadtteilen. Den größten Anteil an der Bevölkerung haben Migranten in der Altstadt (41 Prozent), den geringsten in Kirchhellen (8 Prozent).

In ganz Bottrop ist der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund zwischen 2008 und 2019 um 4,9 Prozentpunkte gestiegen – in Kirchhellen waren es beispielsweise 3,2 Prozent. Der prozentuale Anstieg erklärt sich jedoch durch den Rückgang bei den in Bottrop lebenden Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte. Viele Migranten sind jung – den größten Anteil hatten Migranten in den Altersgruppen 0 bis 3 und 6 bis 9 Jahre – und tragen so dazu bei, das Durchschnittsalter der Bottroper Bevölkerung zu senken.

Bottroper Migranten leben seltener allein

Migranten in Bottrop lebten seltener allein als Nicht-Migranten (13 versus 22 Prozent). Die meisten lebten als Paar mit Kind beziehungsweise Kindern (46 Prozent) und in Vier-Personen-Haushalten. Zum Vergleich: Bei den Bottropern ohne Migrationshintergrund lebten die meisten als Paar ohne Kinder (43 Prozent) und in einem Zwei-Personen-Haushalt. Auch die Geburtenziffer lag bei Migranten mit 18 Prozent deutlich höher als bei Nicht-Migranten (6 Prozent).

Ein Blick auf Kirchhellen: Dort lebten Ende 2019 insgesamt 20.895 Menschen – davon hatten 1.732 einen Migrationshintergrund. Die größte Gruppe machten dabei Menschen zwischen 30 und 49 Jahren aus (577). Mit 21 Prozent den größten Anteil hatten Kirchhellener Migranten in der Altersgruppe der Vier- bis Fünfjährigen – 2018 waren es nur 8,7 Prozent.

In Kirchhellen ist es weniger „bunt“ als in anderen Bezirken

127 verschiedene Nationalitäten waren 2019 in Bottrop vertreten – 2018 waren es 122. „Damit ist Bottrop im Vergleich zum Vorjahr noch etwas bunter geworden“, heißt es im Integrationsbericht. Besonders bunte Bezirke waren beispielsweise die Altstadt, weniger bunt ist es im Kirchhellener Nord-Westen (eine Nationalität) und Nord-Osten (vier Nationalitäten). In Grafenwald waren zum Stichtag zwölf Nationalitäten vertreten. Die größte Gruppe der Migranten bilden in ganz Kirchhellen Menschen aus Polen.

Flüchtlingsunterkunft Liboriweg Feldhausen
Nur wenige Flüchtlinge haben in Bottrop 2019 in Gemeinschaftsunterkünften wie den Containern am Liboriweg in Feldhausen gewohnt. © Archiv © Archiv

2.895 Flüchtlinge lebten Ende 2019 in Bottrop, davon waren etwas mehr als die Hälfte Männer. Die meisten Flüchtlinge waren zwischen 25 und 39 Jahren alt (fast 30 Prozent) und kamen aus Syrien. Aber auch Menschen aus dem Irak, aus Afrika und den Balkanstaaten kamen nach Bottrop. Der Großteil der Flüchtlinge wohnte in normalen Wohnungen, nur 8,5 Prozent von ihnen wohnten in Gemeinschaftsunterkünften. Das erklärt auch, warum die städtischen Flüchtlingsunterkünfte nur zu 39 Prozent belegt waren.

Mehr Migranten haben sich erfolgreich beworben

Mehr Migranten waren 2019 arbeitslos – die meisten davon waren zwischen 25 und 49 Jahre alt. Als Beispiel: In Kirchhellen gab es zum Stichtag 276 Arbeitslose, davon waren 37 Migranten. Besonders von Arbeitslosigkeit betroffen waren ausländische Frauen. Erfreulich: Der Anteil der ausländischen Bewerber, die eine Ausbildung aufnehmen konnten, stieg 2019 im Vergleich zum Vorjahr um fast 11 Prozentpunkte auf 52 Prozent und erreichte damit das beste Ergebnis seit 2012.

Ein Blick auf die Kinder: Die meisten Migrantenkinder, die in Bottroper Kitas gingen, waren über drei Jahre alt. 61,5 Prozent hatten einen Sprachförderbedarf. Bei der Einschulungsuntersuchung sprachen 11 Prozent der Kinder kein Deutsch, die meisten (31 Prozent) sprachen unsere Sprache flüssig, aber mit erheblichen Fehlern.

Nach wie vor gilt in Bottrop: Schüler mit Migrationshintergrund weisen weniger erfolgreiche Schullaufbahnen auf als diejenigen ohne Migrationshintergrund. So besuchten zwar 9 Prozent von ihnen ein Gymnasium, bei Schülern ohne Zuwanderungsgeschichte waren es jedoch 39 Prozent. Auch bei den Schulabschlüssen schneiden Migranten schlechter ab. So machten nur 18 Prozent ihr Abitur (35 Prozent der Nicht-Migranten). Fast 10 Prozent gingen von der Schule ab, ohne einen Abschluss in der Tasche zu haben.

Eine positive Entwicklung: Immer mehr ausländische Schulkinder sind Mitglied in einem Sportverein (41 Prozent in 2019). Schwimmen konnten zum Stichtag im zweiten Schuljahr jedoch nur 33 Prozent der Migrantenkinder – im Vergleich zu 69 Prozent bei den Schülern ohne Migrationshintergrund. Letztere nahmen auch häufiger an Früherkennungsuntersuchungen beim Kinderarzt teil und mehr von ihnen waren komplett geimpft (85 Prozent im Vergleich zu 66 Prozent bei den ausländischen Kindern).

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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Manuela Hollstegge

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