Bei der Reittherapie auf dem Rotthoffs Hof in Kirchhellen tauschten sich die internationalen Teilnehmer über ihre Erfahrungen und Kompetenzen aus. © Valerie Misz
Interkulturelle Zusammenarbeit

Inklusionsarbeit in Kirchhellen und Grafenwald als Vorbild

Im Rahmen eines europäischen Erasmus-Projektes findet ein interkultureller Campus in Bottrop statt. Teilnehmer aus Italien und Spanien lernen von der Arbeit der Bottroper Werkstätten.

Der Europäische Sozialfonds fördert seit 1998 Austausche für junge Erwachsene mit Behinderung, die von den Bottroper Werkstätten durchgeführt werden. Diese Institution hat zum Ziel, jedem Menschen die Möglichkeit auf einen Arbeitsplatz zu bieten, der genau auf seine Fähigkeiten zugeschnitten ist. Zusammen arbeiten, sich gegenseitig unterstützen und Teil einer Gemeinschaft sein, sind die Grundpfeiler der Werkstätten. Insgesamt bieten die Bottroper Werkstätten 487 anerkannte Arbeitsplätze in ihren Einrichtungen.

Internationale Gäste sind begeistert von den Strukturen

Der Rotthoffs Hof in Kirchhellen und der CAP-Markt in Grafenwald sind zwei Beispiele für vorbildliche Inklusionsarbeit. „Wir sind in Bottrop außerordentlich gut aufgestellt und sehr stolz darauf, für Erasmus-Projekte dieser Art ausgewählt worden zu sein“, betont Michael Horst, Öffentlichkeitsreferent des Rotthoffs Hofs. Bei diesem interkulturellen Campus sind insgesamt elf Teilnehmer aus Palermo, Italien und Girona, Spanien, angereist. Darunter vier Fachkräfte und sieben junge Menschen mit Downsyndrom.

Die Fachkräfte sind sich einig: „Wir können viel voneinander lernen.“ Während ihres Aufenthalts in Bottrop wird ihnen auch die deutsche Kultur nahegebracht. © Valerie Misz © Valerie Misz

Ziel dieser Woche ist der intensive Austausch über bewährte Praktiken und neue Instrumente zur Verbesserung der außerschulischen Bildung. Sie alle beschäftigen sich mit der Frage: Was können wir tun, um die sozialen Fähigkeiten und das Selbstvertrauen der Betroffenen zu stärken? Unter dem Projektnamen „Don´t let me down“ wollen die Teilnehmenden internationale Unterstützung erfahren und ein transnationales Netzwerk von Einrichtungen und Fachkräften aufbauen.

Fehlende Strukturen bringen kreative Maßnahmen hervor

Dabei geht es nicht nur darum, den EU-Gästen zu zeigen, wie die Abläufe in Deutschland sind, sondern auch von ihnen zu lernen. „Der merklichste Unterschied ist wohl die vorhandene Struktur in den Bottroper Einrichtungen und der Alltag der Menschen mit Downsyndrom“, hebt der Geschäftsbereichsleiter der Bottroper Werkstätten und Organisator, Arnd Schreiner, hervor. Starke Strukturen, gute Organisation und der Rückhalt, den Fördervereine und Wohlfahrtsverbände bieten, fehlen in vielen Ländern.

Dazu gehören auch Italien und Spanien. Oftmals werden Hilfsprojekte mithilfe einer Anschubfinanzierung ins Leben gerufen. „Nach einem Jahr läuft diese Finanzierung oft aus und die Projekte mit ihnen“, bedauert Arnd Schreiner, der sich selbst schon im Rahmen dieses Programms ein Bild von der Arbeit in anderen Ländern machen konnte.

„Von der daraus resultierenden Kreativität der Fachkräfte können wir viel lernen. Was passiert, wenn wir aus unserer Struktur ausbrechen?“, sagt Michael Horst. Die Teilnehmenden betonen, wie wichtig dieser Austausch ist, um ihre fachlichen Kompetenzen stetig zu erweitern.

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