Hinterm Gartencenter entsteht für drei Tage eine fantastische Welt

dzLive-Rollenspiele

Mittelalterliche Fabelwesen werden sich von Mittwoch bis Freitag im Hinterland zwischen Bottroper- und Forststraße tummeln. Sie sind Gäste eines Fantasy-Live-Rollenspiels.

Kirchhellen

, 04.08.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Feen, Elfen, Trolle - man muss mit ihnen rechnen in diesen Tagen, wenn man sich dem Grundstück zwischen dem Gartencenter Fockenberg an der Bottroper Straße und der Forststraße nähert. Und wer genau hinschaut, dem wird sicher auch eine Ansammlung von Zelten und das eine oder andere abendliche Lagerfeuer nicht verborgen bleiben.

Ein relatives modernes Phänomen

Was nach Mittelalter aussieht, ist jedoch ein relativ modernes Phänomen: Die Abkürzung LARP steht für Live Action Role Playing, auf Deutsch: Live-Rollenspiele, bei dem die Teilnehmer keineswegs nur virtuell in eine Rolle schlüpfen, sondern ihre Spielfigur, ihren ausgewählten Charakter auch körperlich selbst darstellen.

Derzeit gibt es laut Wikipedia in Deutschland etwa 500 bis 600 öffentlich ausgeschriebene Liverollenspiel-Veranstaltungen pro Jahr. Die ein- oder mehrtägigen Veranstaltungen werden oft kurz als Con (= Convention) bezeichnet. So eine Veranstaltung findet nun zum ersten Mal in Kirchhellen statt.

In Hofmanns Skulpturengarten werden Plots gespielt

Sie wird organisiert von der Gruppe „Drachenauge“, die der bekannte Künstler Guido Hofmann mitgegründet hat. Hofmanns Atelier „Meilenstein“ liegt an der Bottroper Straße direkt neben dem Gartencenter Fockenberg. Die Johannes-Fockenberg-Stiftung stellt ihr Freigelände fürs LARP zur Verfügung, die mittelalterlich-inspirierten Teilnehmer werden dort nicht umhin kommen, im Skulpturengarten auf Werkstücke von Guido Hofmann zu treffen.

Hofmann arbeitet mit Materialien aus Stein, Beton, Holz, Stahl, Bronze und Kunststoffen aller Art. Er gilt als Spezialist figürlicher Gestaltung aus den verschiedensten Materialien, bevorzugt aus Naturstein.

Absage eines Groß-Events bot Raum für die Premiere

„Ohne Corona wären wir jetzt auf dem Groß-Event ConQuest in Brokeloh bei Hannover“, berichtet Hofmann. Das wurde aber abgesagt, und so wuchs die Idee, es selbst einmal mit einem kleinen Event zu versuchen. Hofmann und seine Mitstreiter erwarten zur Premiere etwa 30 Teilnehmer. „Wenn alles gut funktioniert“, kündigt Hofmann an, „wollen wir die Veranstaltung hier etablieren.“

So sieht das Lager der Kirchhellener Convention aus.

So sieht das Lager der Kirchhellener Convention aus. © Guido Hofmann

Es gibt auch schon eine Idee für einen „Plot“. Auf den meisten LARPs gibt es eine Hintergrundgeschichte, die sich die Veranstalter ausgedacht haben, um dem Spiel ein Setting zu verleihen, einen gemeinsamen Grund für alle Figuren, um miteinander zu interagieren. So viel sei verraten: In Kirchhellen wird sich das Spiel um ein Drachen-Ei drehen. Der Fantasy-Buchzyklus „Eragon“ lässt grüßen.

Ein Ausflug zum Heidhof mit weitreichenden Folgen

Wie kommt ein Künstler zu Fantasy-Rollenspielen? Der Vater von fünf Kindern, der seit 1997 als freier Bildhauer und Materialplastiker viele Kunstwerke für den öffentlichen und privaten Rum geschaffen hat, erinnert sich noch genau: „Ich habe mit meinen beiden Söhnen einen Ausflug zum Heidhof unternommen. Dort trafen wir auf Feen, Elfe und Trolle. Die Jungs waren so fasziniert, dass uns das LARP-Thema nie mehr losgelassen hat. Irgendwann haben wir dann unsere erste Con besucht.“

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Eine direkte Wechselwirkung zu seinem künstlerischen Schaffen sieht Guido Hofmann übrigens nicht. „Allerdings kann ich durch dieses Hobby immer mal für einige Zeit in andere Welten entfliehen und den Kopf frei kriegen.“ Und beim LARP bleibe auch das Handy ausgeschaltet, versichert der Meisterschüler des baskischen Künstlers Agustin Ibarrola.

Gerade jetzt, wo „Drachenauge“ die erste eigene LARP organisiert, haben die Jungen von damals übrigens kaum Zeit zum Helfen. Die Studenten stecken beide in wichtigen Examen, haben gerade Wichtigeres zu tun, als sich um Elfen, Trolle und Feen zu kümmern.

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