Fußgängerzone: Händler entsetzt über SPD-Vorschlag - CDU springt ihnen zur Seite

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An der Gestaltung des Kirchhellener Ortskerns scheiden sich die Geister. Vor allem die Einzelhändler fürchten um ihre Existenz durch politische Entscheidungen.

Kirchhellen

, 07.02.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einbahnstraße, Beruhigung des Verkehrs durch Blumeninseln, Einrichtung einer Fußgängerzone - an der Gestaltung des Kirchhellener Ortskerns, insbesondere der Hauptstraße, scheiden sich seit Jahren die Geister. Während die einen noch mehr Verkehrsberuhigung fordern, fürchten andere um ihre Existenz.

„Mit Befremden und Entsetzen nehmen wir die Äußerung der Kommunalpolitik zur Kenntnis, dass die Hauptstraße zwischen Schul- und Antoniusstraße zur Fußgängerzone umgewandelt werden soll.“ So beginnt ein Schreiben, dass einige Gewerbetreibende an die Mitglieder der Kirchhellener Bezirksvertretung gerichtet haben.

Anlass dafür war die Äußerung der Kirchhellener SPD, dass man sich eine Fußgängerzone vorstellen könne. Neben der Glückauf-Apotheke, „Mode&Accessoires Petersen“, dem Schuhhaus Möller sowie „Blütenecht“ steht auch das „Genusskontor“ auf der Liste der Unterzeichner des Schreibens.

„Das Dorf wird aussterben“

„Das Dorf wird mit einer Fußgängerzone aussterben“, sagt „Genusskontor“-Inhaber Jörg Liesenklas. Die seit einem Jahr bestehende Einbahnstraßenregelung findet er „okay“, eine Fußgängerzone würde jedoch das Wegfallen von 25 Parkplätzen bedeuten. „Wo sollen die hinkommen? Auf die grüne Wiese? Dann kommt doch überhaupt keiner mehr in den Ort“, sagt er.

Das Schreiben an die Politik geht in eine ähnliche Richtung. Dort heißt es, dass sich die Kundenfrequenz im Ort nie wieder vollständig von der Ansiedlung des Rewe-Kaufparks außerhalb des Dorfkerns erholt habe. „Wir als Einzelhändler haben alle Hände voll zu tun, um uns mit dem Onlinehandel Auge in Auge auseinanderzusetzen (...). Wir empfinden es als Affront, wenn Sie in unserem Rücken eine weitere Front aufmachen, die uns das Überleben erschwert (...)“, formulieren die Gewerbetreibenden ihre Kritik recht deutlich.

Wilhelm Stratmann von der Kirchhellener SPD kann die Kaufleute verstehen. „Sie kämpfen gegen den Onlinehandel und haben Angst, noch mehr Kunden zu verlieren“, sagt er. Dennoch sei die SPD dafür, offen über die Einrichtung einer Fußgängerzone zwischen Dorf-Apotheke und Kreisverkehr zu diskutieren. „Wir können uns das vorstellen, sind aber keine Betonköpfe“, so Stratmann. Er möchte demnächst mit den Bürgern am Markt darüber sprechen und auch zu einer öffentlichen Versammlung zum Thema einladen.

Besonders Familien mit Kindern würden eine Fußgängerzone begrüßen, so der SPD-Politiker. Diese bräuchten dann nämlich keine Angst mehr davor zu haben, dass ihre Kinder auf die Straße liefen. „Nicht alle Autofahrer halten sich nämlich hier an die Geschwindigkeitsbegrenzung.“

Fußgängerzone: Händler entsetzt über SPD-Vorschlag - CDU springt ihnen zur Seite

Die Hauptstraße soll zwischen Schulstraße und Schulze-Delitzsch-Straße eine Einbahnstraße bleiben. © Michael Kaprol (A)

Die CDU Kirchhellen schlägt sich eher auf die Seite der Kaufleute. Sie begrüßt zwar die vor etwas mehr als einem Jahr eingeführte Einbahnstraßenregelung und fordert die Bezirksvertretung auf, in ihrer nächsten Sitzung die Maßnahme in dieser Form zu beschließen, eine Fußgängerzone favorisiert sie jedoch nicht. Die Einbahnstraßen-Regelung bringe mehr Ruhe und Übersichtlichkeit und auch für Radfahrer sei die Befahrung in beiden Richtungen sinnvoll.

Beispiele aus Schermbeck und Essen

„Auch die Geschäftsinhaber, die an dieser Straße liegen, sind auf die Autonutzung der Straße und damit auch auf eine möglichst hohe Zahl an Kunden angewiesen“, heißt es von der CDU. Beispiele aus Schermbeck und Essen-Rüttenscheid würden die Auffassung der CDU eindeutig belegen.

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