Für junge Kiebitze ist eine Plane auf dem Erdbeerfeld eine fiese Falle

Naturschutz

Ein Kirchhellener Landwirt hat sein Erdbeerfeld mit einer Plane abgedeckt, nur sind dadurch die seltenen Kiebitze gefährdet. Tierschützer fordern Lösungen. Die Stadt reagiert nicht.

Kirchhellen

, 14.05.2019, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Für junge Kiebitze ist eine Plane auf dem Erdbeerfeld eine fiese Falle

Der Kiebitz brütet auf Erdbeerfeldern. Die Felder können mit Plastikabdeckungen zur Todesfalle für die Jungen werden. © dpa (A)

Sichtbar aufgeregt huschen die kleinen Vögel vor der weißen Plastik-Plane, die das gesamt Erdbeerfeld abdeckt, hin und her. Die Kiebitze scheinen verzweifelt einen Weg unter das Plastikmeer zu suchen. „Kann es sein, dass wir so die letzten Kiebitze Kirchhellens ausrotten?“, fragt sich Stefan Voßschmidt, Vorsitzender vom Naturschutzbund (Nabu) Bottrop.

Kiebitze haben in Kirchhellen immer weniger Lebensraum

Denn bei dem verhüllten Erdbeerfeld handelt es sich um eine der letzten Brutstätten der Kiebitze, wie Voßschmitdt weiter berichtet. Normalerweise lebe der Vogel auf Feuchtwiesen, die letzten der Region seien jedoch im Zusammenhang mit den Bauvorhaben im Dorf während der letzten Jahre trockengelegt worden.

Dadurch sei die Kiebitz-Population in Kirchhellen überschaubar geworden. „Nur 20 bis 30 Brutpaare gibt es hier noch. Das ist zu wenig zur Aufrechterhaltung der Population“, sagt der Vorsitzende des Bottroper Nabu.

Bodenbrüter

Denn Kiebitze brüten am Boden. Um sich und ihre Nester vor Fressfeinden zu schützen, rotten sie sich während der Brutzeit zu kleinen Gruppen zusammen. Bei einer derart kleinen Population seien die Kiebitze jedoch gezwungen, einzeln zu brüten, so Voßschmidt.

Um die noch lebenden Kiebitze zu schützen, habe die Stadt Bottrop mit Landwirten der Umgebung abgesprochen, Felder zur Kiebitz-Brut bereitzustellen. „Keine ideale Lösung, aber besser als keine“, meint Voßschmidt. Nur sei in diesem Zusammenhang auch geregelt, dass die Erdbeerfelder bei Bodenfrost mit Stroh und nicht mit Plastik abgedeckt werden sollen.

Erdbeerfeld wird für Kiebitze zur Todesfalle

Das sei hier aber eindeutig nicht erfolgt, wie ein Video vom Sonntagabend (12. Mai) beweist. Das mit Plastik überspannte Feld wird so zur Todesfalle für die noch im Nest sitzenden Jungtiere. „Jeder kann sich ausmalen, wie viel Luft die Tiere unter dem Vlies bekommen“, so Voßschmidt.

Er sieht in diesem Zusammenhang eindeutig die Stadt in der Verantwortung, die Vögel zu schützen. Eine Überwachung der Felder durch das Ordnungsamt vorzunehmen, wäre für den NABU-Vorsitzenden eine Lösung. Oder wenigstens Informationsstelen aufzustellen. Die würden nicht nur die Landwirte an den besonderen Wert ihrer Felder für den Tierschutz erinnern, auch die anderen Kirchhellener würden so aufgeklärt werden.

Von der Stadt Bottrop gab es trotz Anfrage der Redaktion noch keine Stellungnahme zu der Situation.

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