„Die Haarwerker“ rund um Jessica Praß (Mitte) arbeiten ab 1. März im Schichtbetrieb von 8 bis 21 Uhr. © privat
Ansturm auf Termine

Friseursalons gehen nach dem Lockdown in den Schichtbetrieb

Schnipp-schnapp, Haare ab. Davon träumen gerade viele Kunden und rennen ihren Friseuren förmlich die Bude ein. Auch bei Jessica Praß in Kirchhellen werden die Wunsch-Termine knapp.

Wenn am 1. März nach elf Wochen Lockdown die Friseursalons wieder öffnen dürfen, geht es auch bei den „Haarwerkern“ von Jessica Praß an der Hauptstraße 9 in Kirchhellen direkt von Null auf Hundert. Seit in der vorigen Woche die Ausnahmeregel für die Friseure verkündet wurde, stand auch bei ihr das Telefon nicht still.

„Die ersten zwei Märzwochen sind schon ziemlich ausgebucht“, berichtet die 32-Jährige, die sich erst vor anderthalb Jahren selbstständig gemacht hat und nach einem halben Jahr im Frühjahr 2020 schon wieder von Corona ausgebremst wurde. Kurz vor Weihnachten traf auch sie der zweite Lockdown hart.

Vorschriften noch einmal verschärft

Nachdem die Friseure schon zwischen den beiden Lockdowns ihre Salons unter strengen Hygieneregeln betrieben haben, wurden die Vorschriften jetzt noch einmal verschärft. Jessica Praß: „In Nordrhein-Westfalen darf sich im Friseursalon pro zehn Quadratmeter Fläche nur eine Person aufhalten. Das bedeutet für uns, dass maximal sechs Menschen gleichzeitig im Laden sein dürfen, Mitarbeiter inklusive.“

Deshalb hat sich Jessica Praß dazu entschieden, mit ihren Mitarbeiterinnen in Zweierteams zu arbeiten. Und zwar in Schichten: „Der Salon wird von 8 bis 21 Uhr geöffnet sein.“ Während bei einer Kundin zum Beispiel Farbe einwirke, könne die Friseurin derweil einen Herren- oder Kinderhaarschnitt machen, der genau in die Einwirkzeit passe. Wie ein Puzzle setze sich gerade der Terminplan zusammen.

„Die Kunden machen ganz toll mit und halten alle Regeln, ohne zu murren, ein. Sogar die kleinen Kinder.“

Jessica Praß lobt die Disziplin ihrer Kunden

Die genaue Kenntnis der Stammkunden und ihrer Bedürfnisse erleichtert der Friseurmeisterin die Planung. „Wir wollen ja auch niemanden einfach nur eilig abfertigen“, versichert sie, „sondern Zeit und Ruhe für die Beratung haben.“

Wer jetzt nicht mehr „dazwischen passt“, kann erst wieder ab Mitte März mit einer Auswahl von Terminen rechnen, muss also an den haarigen Lockdown noch einmal gute zwei Wochen dranhängen.

Lockdown-Ausfälle sind nicht aufzuholen

Jessica Praß rechnet damit, dass die größte Bugwelle der überfälligen Friseurbesuche nach etwa drei Wochen abgearbeitet ist. „Dann sollte alles wieder im Rhythmus sein“, hofft sie. Wann sich die Zahl der erlaubten Personen in ihrem Salon wieder verändert, wann sie die Schichtarbeit wieder einstellen und die Kurzarbeit für ihre Mitarbeiterinnen ganz abmelden kann – das steht derzeit noch ebenso in den Sternen wie die Coronahilfen.

Jessica Praß: „Das Portal für die Anträge ist erst in der vorigen Woche online gegangen, als bei uns der Run auf die Termine losging. Ich habe mich jetzt erstmal um meine Kunden und ihre Anfragen gekümmert. Ob ich staatliche Hilfe bekomme, um meinen Verlust in Teilen wettzumachen, wird man dann sehen.“ Denn eins ist klar: Auch wenn erstmal eine Menge zu tun ist, die Haarschnitte und Frisuren der letzten elf Wochen lassen sich nicht nachholen. Sie waren nur aufgeschoben.

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Petra Berkenbusch

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