Feuerwache: Stadt weist Kritik der Anwohner zur Standort-Wahl zurück

dzStreit um Kirchhellener Standort

Die Stadt will den Kiebitz umziehen lassen und einen Grundstückstausch aushandeln, um die Akzeptanz des Standorts für die neue Kirchhellener Feuerwache in der Nachbarschaft zu erhöhen.

Kirchhellen

, 27.10.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Vorwurf, für einen neuen Feuerwehrstandort werfe die Stadt Umweltbelange und Bürgerbeteiligung über Bord und schaffe Fakten zu Lasten von Klima, Kiebitzen und Anwohnern, will die Verwaltungsspitze nicht auf sich sitzen lassen. Die Dezernenten Klaus Müller und Paul Ketzer stellten am Dienstag bei einem Pressegespräch noch einmal den Planungsstand in Sachen Feuerwache Kirchhellen vor. Ihnen zur Seite standen Feuerwehrchef Kim Heimann und die Leiterin des Planungsamtes, Christa Kleinheins.

„Wir stehen erst ganz am Anfang des förmlichen Planverfahrens“, erklärte der Technische Beigeordnete Klaus Müller. „Und wir nehmen die Bedenken der Bürger sehr ernst. Aber alle Probleme erscheinen uns lösbar.“

Auch Paul Ketzer, in dessen Dezernat das Feuerwehrwesen fällt, beteuerte: „Wir nehmen nichts vorweg, um nach Wildwest-Manier einen Standort durchzusetzen, sondern arbeiten erstmal alle Fakten auf. Theoretisch kann dieses Projekt noch scheitern.“

Die Feuerwache in Kirchhellen kann an der Schulstraße nicht erweitert werden.

Die Feuerwache in Kirchhellen kann an der Schulstraße nicht erweitert werden. © Foto: Manuela Hollstegge

Anwohner kritisieren den frühzeitigen Grundstückskauf

Die Anwohner rund um den favorisierten Standort an der Ecke Rentforter Straße/In der Koppel haben daran ihre Zweifel, insbesondere auch genährt durch den Grundstückskauf, den die Stadt dort schon erledigt hat. Der habe gewisse Fakten geschaffen, kritisierten die Kirchhellener bei einem Ortstermin Anfang September.

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Planungsamtschefin Christa Kleinheins hielt dagegen: „Weitere Planungen machen doch nur Sinn, wenn man auch weiß, dass man über die entsprechende Fläche verfügt. Dafür haben wir gesorgt.“ Sollte es an dieser Stelle am Ende nicht zum Bau einer neuen Feuerwache kommen, stellte Klaus Müller klar, bleibe die Fläche wie im Flächennutzungsplan beschrieben der Wohnbebauung vorbehalten und sei dann durch die Stadt entsprechend zu vermarkten. „Hier werden keinesfalls Steuergelder verbrannt“, wies Paul Ketzer die Kritik der Anwohner vehement zurück.

Hoffnung auf direkte Zufahrt zur Rentforter Straße

Klaus Müller konnte berichten, dass die Stadt wegen der sogenannten Alarmausfahrt für die Feuerwehr bereits Gespräche mit Straßen.NRW geführt habe, in deren Obhut die Rentforter Straße liege. Diese Gespräche seien ebenso hoffnungsvoll verlaufen wie die mit dem Eigentümer des Eckgrundstücks. „Auch hier haben wir positive Signale für einen Grundstückstausch bekommen“, erklärte Müller, die bei Einsätzen einen direkten Weg von der Wache zur Rentforter Straße ermöglichen könnten. Die Straße In der Koppel müsse dann allenfalls den geordneten Rückzug der Einsatzwagen aufnehmen, nicht ihr Ausrücken. Dafür sei ein Ausbau lediglich über eine relativ kurze Strecke erforderlich.

Feuerwehrchef Heimann wies darauf hin, dass der geplante Bau des Kreisverkehres an der Rentforter Straße die Einsatzkräfte in die Lage versetze, möglichst lange ohne Sonderrechte wie Martinshorn und Blaulicht unterwegs zu sein. So könne die Störung der Anwohner so gering wie möglich gehalten werden.

Der Kiebitz soll ein attraktives Alternativ-Habitat bekommen

Die Anwohner hatten beim Ortstermin im September nicht nur Besorgnis wegen ihre eigenen Ruhe geäußert, sondern sich auch schützend vor eine Kiebitz-Population gestellt, die auf der landwirtschaftlichen Fläche zu Hause sei.

Baudezernent Klaus Müller wusste zu berichten, dass der Kiebitz offenbar ein wanderwilliger Vogel mit Bereitschaft zum Umzug sei, wenn man ihm ein attraktives Habitat schaffe. „Aus unserer Sicht stehen die Chancen gut, die Baupläne zu verwirklichen, ohne der Kiebitz-Population zu schaden“, erklärte er.

Weitere Erkenntnisse über die Eignung des favorisierten Standortes erwartet die Stadtspitze von Fachgutachten zu den Themen Lärm, Klima, Artenschutz, Natur und Umwelt, Verkehr, Boden und Entwässerung, die zurzeit in Arbeit seien.

Die Bedenken und Anregungen der Bürger seien bereits in die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit im September 2020 eingeflossen.

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