In dieser Hütte lebte Christophe Knogge mitten im Regenwald von 1994 bis 1995. © privat
Eine Forscher-Karriere

Dr. Christoph Knogge: Vom Affenforscher zum Tierheilpraktiker

Christoph Knogge arbeitete weltweit als Tierforscher und lebte zusammen mit Affen im Regenwald, ehe er nach Kirchhellen zurückkehrte, um ein Therapiezentrum für Hunde zu eröffnen.

Er sei ein hoffnungsloser Idealist, gibt der Kirchhellener Christoph Knogge zu. Schon als Kind hatte er den Traum, Tierforscher zu werden. Dafür verließ er für mehrere Jahrzehnte seine Heimat, lebte zusammen mit Affen im Regenwald von Peru, baute Forschungsstationen in Brasilien, Madagaskar und Indien auf und gewann zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse über das Verhalten von Tieren. Vor einigen Jahren begann er einen neuen Lebensabschnitt und kehrte zurück in die Heimat, um hier als Tierheilpraktiker zu arbeiten.

Nach vielen Jahren als Tierforscher im Ausland hat der Kirchhellener Christoph Knogge im Mai 2020 die Gemeinschaftspraxis „TIERapie-Zentrum“ in Gladbeck eröffnet. © Julian Schäpertöns © Julian Schäpertöns

Die Faszination für exotische Tiere wurde in Christoph Knogge schon in seiner Kindheit geweckt. „Als Kind habe ich immer ‚Daktari‘ und Tierdokumentationen geguckt. Dabei habe ich alles über Tiere in Afrika gelernt“, erinnert sich der heute 56-Jährige. „Doch es gab keine Filme oder Bücher über Tiere aus Südamerika. Deshalb keimte in mir der Wunsch auf, dort Tierforscher zu werden.“

Krallenaffen waren das Spezialgebiet des Biologen

Nach dem Abitur begann er, in Bielefeld Biologie zu studieren und schrieb seine Diplomarbeit über das Verhalten von Krallenaffen. Über die Jahre hinweg wurde er zu einem der wenigen Experten auf diesem Gebiet. Und so erhielt er 1994 das Angebot vom Deutschen Primatenzentrum Göttingen, eine Feldstation in Peru aufzubauen.

„Es gab damals keine Langzeitstudien über Krallenaffen“, erzählt Christoph Knogge. Darum entschloss er sich, seinen Kindheitstraum zu erfüllen, und flog nach Südamerika, um dort mitten im Regenwald mit den Tieren zusammenzuleben. „Geplant war dies zunächst für ein Jahr. Am Ende wurden es 16 Monate“, so der Tierforscher.

Lachesis muta – die meist respektierteste Schlange am Amazonas. © privat © privat

Mit zwei Feldassistenten aus Peru baute er im peruanischen Regenwald eine kleine Hütte aus Bäumen und Palmen. Ohne Strom und fließend Wasser lebte er hier abgeschieden von der Außenwelt. Nur alle vier Wochen ging es in die nächste Stadt, um sich mit Proviant einzudecken und telefonisch seinem Doktorvater in Deutschland den Forschungsfortschritt mitzuteilen.

In Peru entdeckte er die Bedeutung der Krallenaffen für den Regenwald

Während der Zeit im Regenwald schaffte er es, dass sich die Krallenaffen an ihn gewöhnten und beobachtete deren Verhalten. Seine These: Krallenaffen haben eine wichtige Rolle für die Regeneration des Regenwaldes. Diese These konnte er verifizieren.

Er sammelte in der Zeit über 3000 Kotproben der Tiere – so viel wie kein Wissenschaftler vor ihm. Dabei fand er heraus: Die Krallenaffen verteilen die Samen der Früchte, die sie fressen, in dem Gebiet, in dem sie leben. Jahre später, als er noch mal zurückkehrt, stellt er fest, dass der Wald sich erfolgreich durch die Samenausbreitung regeneriert hatte.

Über mehrere Jahrzehnte forschte Christoph Knogge über das Verhalten von Affen. © privat © privat

„Die Zeit in Peru war sehr anstrengend, aber genau so, wie ich mir das vorgestellt hatte“, erinnert sich Christoph heute auch noch gerne zurück. Es war ein Abenteuer mitten in der Natur. Vor den gefährlichen Tieren im Regenwald hatte er keine Angst – aber Respekt. „Man lernt den Umgang mit diesen Tieren“, so der Biologe. Öfters beobachtete er Jaguare, die durch sein Camp spazierten. Und auch Begegnungen mit giftigen Schlangen gab es.

Von 2000 bis 2016 forschte Knogge in Brasilien

Nach seiner Promotion über die Krallenaffen forschte der Kirchhellener weltweit weiter. Ihn verschlug es nach Indien, wo er eine Forschungsstation über Bartaffen eröffnete. Es ging nach Madagaskar und schließlich im Jahr 2000 nach Brasilien – und hier blieb er 16 Jahre lang. Er arbeitete mit Naturschutzorganisationen zusammen, schriebt wissenschaftliche Artikel und half Filmteams bei der Realisierung von Tierdokus.

Das Badezimmer im Regenwald – fließend Wasser oder Elektrizität gab es nicht. © privat © privat

Eigentlich wollte Christoph Knogge den Rest seines Lebens in Brasilien verbringen und ein Reservat für bedrohte Tiere einrichten – doch es gab einen Wendepunkt. Nach dem Regierungswechsel in Brasilien änderte sich im Land einiges. Naturschutzprojekte wurden zum Dorn im Auge des Bolsonaro-Regimes. Es wurden Gelder und Genehmigungen gestrichen. Zudem erkrankte Christophs Vater in Kirchhellen. So entschied er sich, seinen Plan aufzugeben und kehrte zurück in die Heimat, um seinen Vater zu pflegen.

Zurück in Kirchhellen begann ein neuer Lebensabschnitt

Hier begann ein neuer Lebensabschnitt. Er bewarb sich bei Zoos in der Umgebung – doch mit seinem Lebenslauf war der Tierforscher überqualifiziert für die ausgeschriebenen Stellen. Also begannt er 2017 eine Ausbildung zum Tierheilpraktiker und Physiotherapeuten. „Tiere zu heilen, war immer mein Ding“, erzählt der Kirchhellener. Er begann, sich freiberuflich vor allem um Hunde zu kümmern.

Dabei lernte er Christina Baldes kennen, die ebenfalls Physiotherapie und Wellness für Hunde anbietet. Gemeinsam eröffneten sie im Mai 2020 eine Praxis in Gladbeck am Wiesenbusch 30. Hier im „TIERapie-Zentrum“ bieten sie zusammen mit zwei weiteren Kollegen ein ganzheitliches Tiergesundheitskonzept an – von Physiotherapie, Osteopathie, Akupunktur, Lasertherapie über Verhaltenstherapie bis zu Fell- und Krallenpflege.

„Es ist mir eine Herzensangelegenheit, den Tieren hier zu helfen“, sagt Christoph Knogge. Über Jahrzehnte lebte er seinen Kindheitstraum und lernte die Welt und ihre Tiere kennen. Von diesen Erfahrungen und Erkenntnissen zehrt er heute noch. Nun ist er zurück in Kirchhellen – und vieles ist so, als wäre er nie weg gewesen.

Über den Autor
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Ich bin in Dorsten aufgewachsen und lebe seit einigen Jahren in Kirchhellen. Die Region kenne ich also von klein auf. Trotzdem entdecke ich durch meine Tätigkeit als Journalist immer wieder neues. Die lokale Berichterstattung finde ich spannend, weil ich dadurch viele nette Menschen kennenlernen darf und immer mitten im Geschehen bin. Als Fotograf ist mir dabei wichtig, meine Geschichten auch immer visuell ansprechend zu gestalten.
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Julian Schäpertöns

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