Im Bottroper Apotheker-Skandal gab es schon 2012 Vorwürfe, die hatten nur einen Haken

dzAlte Apotheke

Im Bottroper Apotheker-Skandal gab es bereits 2012 Anschuldigen, dass in der Alten Apotheke einiges im Argen liegen würde. Nur galt der damalige Zeuge nicht gerade als glaubwürdig.

Kirchhellen

, 26.06.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Verurteilung von Peter S. zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren Ende des vergangenen Jahres schien es so, als ob ein Schlussstrich für die Geschehnisse in der Alten Apotheke in der Bottroper Innenstadt gezogen sei. Doch Ende April wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen, als die Staatsanwaltschaft Essen Ermittlungen gegen eine ehemalige Mitarbeiterin in die Wege leitete.

Mitarbeiterin bestritt Streckung von Arzneimitteln

Sie soll bei einer polizeilichen Aussage 2012 verneint haben, dass der Apotheker Peter S. Arzneimittel strecken würde. Grund für ihre polizeiliche Vorladung waren Aussagen ihres damaligen Ehemanns. Dieser beschuldigte Peter S. während einer damaligen Haftstrafe mehrmals der Arzneimittelstreckung, der Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit.

Der Inhaftierte gab an, dieses Wissen von seiner Frau aufgeschnappt zu haben, als sie noch zusammenlebten. Denn zu dem Zeitpunkt seiner Aussage war das Paar getrennt und führte einen Rosenkrieg gegeneinander, was die Vorwürfe des Mannes gegenüber dem Apotheker in ein eher zweifelhaftes Licht rücken ließen.

Aussage gegen Aussage

Sowohl die ehemalige Mitarbeiterin als auch Peter S. wiesen bei ihren polizeilichen Vernehmungen zu den Anschuldigungen diese von sich. Auch eine Steuerprüfung der Alten Apotheke habe vor sieben Jahren nichts Auffälliges ergeben, berichtet Oberstaatsanwältin Annette Milk. Es stand Aussage gegen Aussage, die Ermittlungen wurden eingestellt.

„Bei dem damaligen Ehemann handelte es sich um einen Zeugen von Hörensagen. Auf dieser Basis hätten wir bei keinem Gericht einen Durchsuchungsbeschluss bekommen“, erklärt Milk. „Und ohne einen Durchsuchungsbeschluss hat man in diesen Fällen kaum eine Chance.“

Verdacht bestätigt sich

Einen Durchsuchungsbeschluss gab es jedoch 2016, nachdem zwei Angestellte mit dem Verdacht, Peter S. würde Krebsmedikamente strecken, zur Polizei gingen. Bei der Durchsuchung der Apotheke konnten Arzneimittel-Proben sichergestellt werden, die diesen Verdacht bestätigten.

Damit hat Peter S. nicht nur das Leben seiner Kunden gefährdet, sondern auch die Krankenkassen um Millionen von Euro betrogen. Um die finanziellen Forderungen der Geschädigten, allen voran der Krankenkassen, gegenüber Peter S. durchzusetzen, wurde ein Insolvenzverfahren gegen den ehemaligen Apotheker eröffnet.

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