Voll geständig: der Angeklagte neben seinem Verteidiger Andreas Wieser. © Jörn Hartwich
Prozess

Bombendrohung im „Movie Park“: Jugendhaft auf Bewährung für 22-Jährigen

Das Motiv war Eifersucht: Nach einer Bombendrohung im „Movie Park“ ist ein junger Mann aus Essen verurteilt worden. Es war nicht seine einzige „Mir-ist-alles-egal-Tat".

Es war eine Frauenstimme, die sich vor rund zweieinhalb Jahren per Telefon im „Movie Park“ meldete und mit einer Bombe drohte. Der Anruf löste einen Großalarm aus. Wie sich später herausstellte, war der Täter gerade mal 19 Jahre alt – und ein Mann. Jetzt ist er am Essener Amtsgericht verurteilt worden. Die Strafe: 20 Monate Jugendhaft auf Bewährung.

„Es war ein Fehler“, sagte der inzwischen 22-Jährige im Prozess. „Richtige Sch …“ Er hatte am 26. Oktober 2018 selbst vor dem Eingang des „Movie Parks“ gewartet und die Evakuierung hautnah miterlebt. Rund 11.000 Besucher waren da noch im Park.

Seine Augen galten allerdings nur seinem Ehemann, den er voller Eifersucht im Park vermutete. „Er war da mit seinem Ex-Freund. Die sollten rauskommen.“

„Ich wollte eine Frau werden“

Der Angeklagte selbst befand sich nach eigenen Angaben in einer Lebens- und Identitätskrise. „Ich wollte damals eine Frau werden“, sagte er den Richtern. Deshalb habe er jede Menge Hormone zu sich genommen. Inzwischen hat er sich nicht nur von seinem Ehemann getrennt, sondern auch die Rückverwandlung begonnen – wieder mit Hormonen. „Ich habe jetzt eine Freundin und werde Vater“, sagte er den Richtern.

Allein die Kosten für den Polizeieinsatz hatten sich damals auf rund 22.000 Euro belaufen. Diese Rechnung ist dem 22-Jährigen schon präsentiert worden. Hinzu kommen bald wohl auch noch Forderungen des „Movie-Parks“. „Das wird enorm sein“, so die Richterin.

Auf die Kanaren gejettet

Der Angeklagte hatte damals gelebt, als wenn es kein Morgen mehr geben würde. Zweimal im Monat ist er mit seinem Ehemann auf die Kanaren gejettet – nach Teneriffa, Fuerteventura und Gran Canaria. Die All-Inclusive-Reisen hatte er sich mit falschen Personalien und falschen Kontodaten ergaunert. Auch hier sind Kosten von rund 16.000 Euro aufgelaufen.

„Es ging immer nur um das reine Vergnügen“, so die Richterin bei der Urteilsbegründung. Von finanzieller Not könne keine Rede sein.

Die falschen Daten sind beim Abgleich mit den Personalausweisen zwar immer aufgefallen, die Namen waren jedoch nur minimal verändert. „Da haben die Frauen am Schalter immer ein Auge zugedrückt“, so der 22-Jährige.

Ernst der Lage erkannt

Um die Verwirrung komplett zu machen, war der Angeklagte zum Teil auch als Frau aufgetreten – inklusive Perücke. Die Stimme beim Anruf im „Movie Park“ zu verstellen, war für ihn offenbar eine der leichteren Übungen.

Dass der zuletzt in Essen wohnende Angeklagte nicht ins Gefängnis muss, hat auch damit zu tun, dass er inzwischen offenbar die Kurve gekriegt hat. „Er hat den Ernst der Lage erkannt”, so Verteidiger Andreas Wieser.

Damit der Angeklagte das Urteil überhaupt spürt, wurden außerdem hundert Sozialstunden angeordnet.

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