Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder macht es noch einmal

dzInterview

Ludger Schnieder wird wieder als Bezirksbürgermeister kandidieren. Im Interview spricht er über Einbahnstraßen, nicht eingehaltene Zusagen und die Chancen für das neue Jugendhaus.

Kirchhellen

, 31.12.2019, 10:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Herr Schnieder, ein Jahr ist vergangen. Was waren für Sie die Kirchhellener Themen 2019?

Das neue Feuerwehrgerätehaus ist auch in diesem Jahr noch ein großes Thema. Es ist ein bisschen aus der Öffentlichkeit verschwunden, aber nicht aus den Köpfen der Verantwortlichen. Wir haben im Moment Grundstücksfragen zu klären, die wir ganz bewusst nicht öffentlich diskutieren möchten. Da hoffe ich, dass wir im Frühjahr des nächsten Jahres ein Stückchen weiter sind und Vollzug melden können.

Ein weiteres Thema waren die Baumfällungen an der Hauptstraße. Wir wissen, dass im Moment noch nicht alle zufrieden sind. Ich bin auch nicht glücklich über die Situation, aber wir wussten sie auch nicht anders zu regeln. Das hat keiner leichtfertig entschieden.

Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder macht es noch einmal

Die Feuerwache in Kirchhellen wird auch in den nächsten Jahren Thema in Kirchhellen sein. © Manuela Hollstegge (A)


Für mich persönlich war sicherlich auch der Glasfaserbau in Ekel ein wichtiges Thema. Wir haben die Sache im Mai ja relativ gut auf den Weg gebracht, das kam jetzt ein bisschen ins Stocken, weil wir relativ viele Hürden zu überwinden hatten. Eine Hürde ist der verzögerte Beginn des Radwegebaus, der jetzt aber anscheinend ja in trockenen Tüchern ist. Es sieht so aus, als ob es spätestens Anfang des nächsten Jahres mit den Rodungen losgehen kann und die Ausschreibungen laufen.

Gab es ein Projekt, das Sie sich für das Jahr vorgenommen hatten?

Die Hauptstraße ist so ein Projekt. Da gibt es viele unterschiedliche Meinungen zu und es ist nicht so einfach, alle mitzunehmen. Das, was wir jetzt mit der Einbahnstraßenregelung haben, ist für meine Begriffe ein ganz guter Kompromiss, den man noch an einigen Stellen verbessern kann. Ich stell mir vor, dass man vielleicht noch durch größere Pflanzkübel den Verkehr etwas mehr ausbremst. Mein Wunsch war außerdem immer, dass man, wenn man von der Schulstraße kommt, auch rechts abbiegen kann, um den Verkehr, der eigentlich nicht durch das Dorf will, sofort rauszukriegen.

In den vergangenen Jahren haben die Kirchhellener Politiker öfter darüber geklagt, dass die Bezirksvertretung an politischen Entscheidungen immer spät beteiligt wurde. Das hat sich gebessert, oder?

Das ist besser geworden. Was mich immer ein wenig traurig macht, ist, dass man vielen Sachen hinterherlaufen muss. Oft wird etwas zugesagt und dann tut sich nichts. Das macht mir die Arbeit schwer, denn ich stehe bei den Bürgern im Wort. Wenn sich nichts tut, dann kommen die nicht zur Stadt, sondern zu mir. Wir brauchen verlässliche Zusagen, aber auch verlässliche Ausführungen und die zeitnah. Ein Beispiel ist die Streichung der standesamtlichen Trauungen außerhalb der Öffnungszeiten des Standesamtes in Kirchhellen. Aufgrund unserer massiven Kritik war uns gesagt worden, dass es Ende November eine Lösung geben wird. Ich habe aber bis heute nichts gehört.

Die Werbegemeinschaft steht kurz vor der Auflösung. Wie wichtig ist sie für Kirchhellen?

Ich glaube, dass wir eine intakte Werbegemeinschaft brauchen. Die Interessen der Gewerbetreibenden müssen vertreten werden. Aber auch, um Themen abzustimmen zwischen Bürgern, Vereinen und Gewerbetreibenden, ist die Gemeinschaft wichtig. Mitglieder sind genug da, aber es ist wie überall, man ist bereit, Mitglied zu sein, ist aber relativ zurückhaltend mit der Bereitschaft sich irgendwie einzubringen. Bespaß mich, aber mach mir keine Arbeit – übertrieben gesagt.

Im Frühjahr soll das Jugendhaus eröffnen. Es gab zuletzt Kritik daran, dass die Falken nach der Villa Körner nun auch Träger des Jugendhauses werden. Wie blicken Sie der Eröffnung entgegen?

Erst einmal freue ich mich über das Jugendhaus. Über den Standort gab es Differenzen, aber es gehört zu einer Demokratie, dass wir kontrovers diskutieren und es irgendwann Mehrheiten für etwas gibt, was dann auch akzeptiert werden muss. Der Träger ist festgelegt – mehrheitlich im Jugendhilfeausschuss. Damit hat er jetzt die Chance, was Gutes daraus zu machen. Meine Unterstützung hat er, aber er muss auch liefern. Eigentlich hätte es ein Mehrgenerationenhaus werden müssen. Durch die Fördermittel geht das aber leider nicht. Wir haben viel Geld in die Hand genommen und das Haus steht dann bis nachmittags leer. Wenn wir die OGS noch weiter ausbauen und der Rechtsanspruch kommt, dann ist bis 16 Uhr kein Bedarf für ein Jugendhaus. Um 17 Uhr ist es im Winter dunkel – wer kommt dann noch? Ich will das nicht schlecht reden, aber der Träger hatte die Möglichkeit, ein gutes Konzept zu erstellen, in der Villa Körner. Dort hat es aber nicht geklappt. Warum soll es jetzt anders werden? Vielleicht tun wir ihnen damit Unrecht, dann würde ich mich freuen.

Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder macht es noch einmal

So sah der Neubau des Jugendhauses an der Hackfurthstraße Ende November aus. © Manuela Hollstegge

In diesem Jahr gab es viel Kritik daran, dass Kirchhellener Schülern keinen Platz an der Sekundarschule bekommen haben. Was gibt es da Neues?

Wir haben noch mal an das Schulministerium geschrieben, was mit Bedauern beantwortet wurde, aber auch mit dem Hinweis, dass es im Moment nicht zu ändern ist. Wir haben das große Glück oder Pech, dass die Sekundarschule sehr gut angenommen wird. Diese Regelung, dass Kinder aus anderen Kommunen, die keine Sekundarschule vor Ort haben, gleichberechtigt behandelt werden müssen, ist eigentlich nur eingeführt worden, weil die bestehenden Sekundarschulen nicht voll wurden. Dass jetzt hier in Kirchhellen Kinder abgewiesen werden, macht uns alle recht unglücklich und trifft auf fast kein Verständnis. Wir können es aber im Moment nicht ändern, wir können nur gucken, wie wir damit umgehen. Vielleicht muss man das Ausloseverfahren öffentlicher machen. So lange der Verdacht aufkommen kann, dass etwas gemauschelt wurde, ist das schwierig.

Der geplante Badesee am Töttelberg ist laut einem neuen Sachstandsbericht umsetzbar. Wie stehen Sie der Sache gegenüber?

Ich sehe das immer noch skeptisch. Wir kennen es aus anderen Städten, was ein Badesee für Probleme mit sich bringt – ökologische Probleme und Probleme für den Verkehr. Da ist die Frage, inwieweit wir das wollen und brauchen. Bevor wir uns für so etwas entscheiden, brauchen wir ein Verkehrsgutachten für diesen Bereich. Das haben wir aber immer noch nicht. Das ist ein relativ kleiner See, wenn der voll ist, gehen die Leute am Heidesee baden oder legen sich vielleicht sogar an den Heidhofsee. Man wird das nicht einfangen, da bin ich mir sicher. Ich sehe auch noch keinen Betreiber. Wir investieren schon jetzt viel Geld in den See und für mich gibt es noch gar keine klare Aussage, ob er wirklich kommt oder nicht. So lange ist jeder Euro, den man da reinsteckt, eine riskante Investition.

Aldi möchte neu bauen am Kirchhellener Ring. Die Bezirksvertreter waren zunächst zurückhaltend und hielten die Pläne aus dem Einzelhandelskonzept raus. Könnte der Neubau trotzdem kommen?

Aldi hat Gespräch bei der Stadt geführt und muss noch einige Sachen vorlegen, damit man sich damit weiter beschäftigen kann. Ich glaube, dass der Neubau keine Behinderung für unsere Feste wäre. Wenn wir das vernünftig und nachhaltig machen, wäre das eher eine Bereicherung. Wir hätten die Möglichkeit, den Platz zu gestalten, und könnten Ausweichparkplätze schaffen. Es wird sich in den nächsten Monaten zeigen, ob Aldi dran bleibt.

Kommunalwahlen stehen im nächsten Jahr an. Werden Sie wieder kandidieren?

Ich werde das sehr wahrscheinlich noch einmal machen. Unterm Strich macht es noch Spaß, das ist mir wichtig. Es gibt viele Dinge, die man angefangen hat und die man gerne zu Ende führen würde. Es gibt aber auch immer weniger Leute, die das machen wollen. Wir haben viele, die schnell Kritiker sind, wenn man aber jemanden sucht, der etwas übernimmt, dann findet man keinen. Ich glaube, das ist ein großes Problem, nicht nur bei der Werbegemeinschaft.

Lesen Sie jetzt