Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder hofft, dass Kirchhellen einigermaßen gut durch die Coronakrise kommt. Danach sei Aufbauarbeit in vielen Bereichen wichtig. © Julian Schäpertöns (A)
Interview

Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder hofft auf Impfungen und will Aufbauarbeit leisten

Kirchhellens Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder spricht im Interview über die Auswirkungen der Coronakrise, über die Themen Wolf und Feuerwache sowie die Bewertung von Bürgerinitiativen.

Hinter Kirchhellens Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder liegt ein ereignisreiches Jahr 2020. Ein Gespräch über die Folgen der Pandemie für Kirchhellen, persönliche Herzensthemen und den Umgang mit Petitionen und Bürgerinitiativen.

Herr Schnieder, Corona war das Thema des vergangenen Jahres. Wie ist Kirchhellen Ihrer Meinung nach bislang durch die Krise gekommen?

Ich glaube, wirtschaftlich hat es noch einigermaßen in Kirchhellen funktioniert. Jetzt mit dem erneuten Lockdown potenzieren sich für manche natürlich noch einmal die Probleme – was man nicht unterschätzen darf. Da kann man nur an die Menschen appellieren, weiterhin bei uns im Ort einzukaufen und zu bestellen. Jeder Euro, der im Ort bleibt, hilft den Kaufleuten. Viele Menschen schöpfen aus Kontakten und Festen Lebensmut. Da wird sich zeigen, was die Einschränkungen für Konsequenzen haben werden. Jetzt müssen wir erst einmal vernünftig durch diese Pandemie kommen und dann Aufbauarbeit im kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben leisten.

Die anstehenden Impfungen geben zumindest ein bisschen Hoffnung. Wie stehen Sie dazu?

Ich hoffe, dass wir relativ bald an einen Punkt kommen, an dem jeder, der sich impfen lassen möchte, sich impfen lassen kann. Die Impfung bringt uns die Sicherheit, die wir brauchen, um wieder fröhlich und unbeschwert etwas machen zu können. Was mir ein bisschen Sorge bereitet, ist, wie wir die Älteren zu den Impfungen bekommen. Da sind wir dann vielleicht auch noch mal gefragt, Transporte sicherzustellen, wenn die von den Krankenkassen nicht übernommen werden.

Ludger Schnieder ist Bezirksbürgermeister in Kirchhellen.
Ludger Schnieder wurde im November in seinem Amt als Bezirksbürgermeister bestätigt. Ein Selbstläufer war das für ihn nicht. © Manuela Hollstegge (A) © Manuela Hollstegge (A)

Sie wurden vor wenigen Monaten in ihrem Amt als Bezirksbürgermeister bestätigt. Wie haben Sie die Wahl erlebt?

Ein bisschen Spannung war schon da. Man darf nicht mit der absoluten Sicherheit in so eine Wahl reingehen, dann macht man das nicht mehr mit dem nötigen Engagement. Der ganze Wahlkampf stand unter dem Zeichen von Corona. Ich hab mich im öffentlichen Kontakt sehr zurückgenommen. Trotzdem war der Zuspruch in Kirchhellen ja doch sehr gut. Ich hoffe, dass das der Sache geschuldet war, dass wir die letzten Jahre einiges richtig gemacht haben. Im Moment ist es durch Corona schwierig, unsere Arbeit in der Öffentlichkeit darzustellen, denn das politische Leben findet ja nur sehr eingeschränkt statt.

Apropos politische Arbeit: Die nächste Bezirksvertretungssitzung am 26. Januar steht noch im Terminplan der Stadt. Wird sie stattfinden?

Ich habe einen Antrag gestellt, dass die Sitzung verschoben wird. Der Verwaltungsvorstand wird darüber entscheiden. Bei unaufschiebbaren Themen könnte man in Rücksprache mit allen Bezirksvertretern Dringlichkeitsentscheidungen herbeiführen.

Gibt es ein Herzensthema für Sie als Bezirksbürgermeister dieses Jahr?

Wir sind immer noch mit unserem Glasfaserausbau in Ekel beschäftigt. Ich warte sehnsüchtig auf den richtigen Startschuss und darauf, dass man auch was sieht. Außerdem am Herzen liegt mir der Straßenausbau der Hackfurthstraße und der Dorfheide. Der ist uns schon wieder so lange versprochen worden und ich glaube, irgendwann glaubt der Bürger nicht mehr daran, dass es losgeht.

Auch wichtig ist mir die Gestaltung des alten Marktplatzes. Ich will nicht, dass da alle Parkplätze wegkommen, aber für mich gehören da Bäume und ein Tisch hin. Vielleicht könnte man dann den Bücherschrank mit Spielen bestücken, die man am Tisch direkt spielen könnte. Die Frage ist auch, ob die Glascontainer da mitten im Dorf stehen müssen. Der Markplatz ist unser Dorfkern und den sollten wir versuchen, so schön wie möglich zu gestalten.

Die Feuerwache wurde 2020 sehr kontrovers diskutiert. Wie geht es da jetzt weiter?

Der jetzt gefasste Aufstellungsbeschluss hat die Stadt dazu berechtigt, Gutachten zu tätigen und Beobachtungen und Planungen zu machen. Die müssen wir abwarten. Uns fehlt auch noch die Zusage von Straßen.NRW, gegebenenfalls die Ausfahrt der Wache auf die Rentforter Straße zu bekommen, wenn das mit dem Grundstückstausch klappt. Erst dann kann man darüber diskutieren, ob es der richtige Standort ist. Die Stadt beabsichtigt aktuell nicht, die Straße durch die Koppel zu legen. Denn das ist meiner Meinung nach der Hauptkritikpunkt der Anwohner.

Feuerwache Kirchhellen
Die Feuerwache in Kirchhellen kann nicht an ihrem alten Standort bleiben. Sie soll an der Rentforter Straße neu gebaut werden. Doch der neue Standort stößt auf viel Kritik. © Manuela Hollstegge (A) © Manuela Hollstegge (A)

Es gibt aber auch Anwohner, die einfach Angst vor dem Lärm haben …

Die lade ich mal zu mir ein. Ich wohne seit 35 Jahren neben der Wache. Die Ängste sind nicht begründet, das können alle bestätigen, die da wohnen. Wir vergessen in der ganzen Diskussion oft, warum wir sie überhaupt führen – nämlich weil die Feuerwehr da, wo sie ist, nicht bleiben kann, und die Feuerwehrmänner unter Bedingungen arbeiten, die absolut nicht okay sind. Je länger wir diese Diskussion führen, desto später kommt eine neue Wache und die ist für ganz Kirchhellen wichtig. Es ist wirklich fünf vor zwölf.

Das Thema Wolf hat in 2020 auch in Kirchhellen wahnsinnig polarisiert und tut es immer noch. Wie gehen Sie damit um?

Bei diesem Thema fehlt vielen die Bereitschaft, eine andere Meinung neben der eigenen bestehen zu lassen und vielleicht sogar seine eigene zu überdenken. Ich glaube, dass es den wenigsten darum geht, alle Wölfe auszurotten. Der Wolf hat sicherlich seine Daseinsberechtigung, ob er diese allerdings in so dicht besiedeltem Gebieten und mit so einem Verhalten hat, kann ich nicht beurteilen. Meine große Sorge ist, dass dieser Wolf mal eine Herde Pferde aufscheucht, die dann auf die Straße oder Autobahn läuft und Unfälle verursacht. Es muss jetzt von der Landesregierung in irgendeiner Art und Weise eine Lösung gefunden werden.

In Kirchhellen gibt es gleich drei Bürgerinitiativen, die jetzt sogar zusammenarbeiten wollen. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Wie stehen Sie zu den Petitionen?

Bei den ganzen Petitionen prüft keiner, wo die Unterschriften her kommen. Viele kommen gar nicht aus Kirchhellen. Was hat das dann für eine Aussagekraft? Trotzdem sind die Themen der Initiativen natürlich Themen, mit denen sich die Politik beschäftigen muss. Nehmen wir mal die Petition zu den fehlenden Kita-Plätzen. Wir haben immer dafür gekämpft, dass es mehr Kita-Plätze gibt, vor allem mit Blick auf eventuelle Neubaugebiete. Da brauchen wir aber jetzt erst einmal verlässliche Zahlen. Bislang haben wir nur ein Gefühl der Initiatoren. In Grafenwald vertrete ich eher die Meinung, dass wir neue Baugebiete brauchen. Ich kann die Meinung der Bürgerinitiative verstehen, aber ich glaube, da stecken viele private Interessen hinter. Ich bin immer noch dafür, dass auf die ehemaligen Bergbauflächen Wohnbebauung hinkommt. Nur ist die Frage, ob das perspektivisch für die nächsten 15 Jahre reicht und wie lange es dauert, bis dort gebaut werden kann. Natürlich könnte man in Grafenwald auch mal gucken, wo man rechtlich vertretbar Baulücken schließen kann. Man sollte meiner Meinung nach aber nicht darauf verzichten, Baupflichten mit in den Regionalplan reinzunehmen. Denn sonst hätte man die nächsten 20 Jahre keine Möglichkeit, Flächen auszuweisen.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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Manuela Hollstegge

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