Bergbauflächen: Das sind die Pläne des RVR für Grafenwald

dzBergbau

Der RVR hat den Weg für die Nachnutzung ehemaliger Bergbauflächen in Bottrop, Herten und Marl geebnet. An den Plänen für Grafenwald gab es zunächst Kritik von Naturschutzverbänden.

Grafenwald

, 23.05.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Steinkohlebergbau ist in Deutschland Geschichte. Auch in Grafenwald ist Schacht 9 der Zeche Prosper-Haniel vor einigen Monaten für immer verschlossen worden. Schon lange war klar, dass das Gebiet nach dem Bergbau für andere Dinge genutzt werden soll. Jetzt hat der Regionalverband Ruhr (RVR) dafür den Weg geebnet.

Seit 2011 wird am sogenannten „Regionalplan Ruhr“ gearbeitet, um die Nachnutzung der Bergbauflächen in der Region zu regeln. Da die Bearbeitung jedoch dauert, soll eine Änderung des Regionalplans Regierungsbezirk Münster für den Bereich Emscher-Lippe nun für die Standorte in Bottrop, Herten und Marl zeitnah Planungsmöglichkeiten eröffnen.

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Die Flächen dort waren bislang nur für den Bergbaubetrieb vorgesehen. Jetzt soll sich dort jedoch auch anderes Gewerbe ansiedeln können bzw. in Marl Raum zur Erholung in der Natur entstehen. „So können auf ehemaligen Bergbaustandorten wieder neue Arbeitsplätze entstehen, ohne dafür Freiraum in Anspruch nehmen zu müssen. Damit eröffnen wir den Städten Bottrop und Herten neue Chancen für ihre gewerbliche Entwicklung“, so RVR-Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel.

Stadt Bottrop möchte, dass sich Gewerbe ansiedelt

Der 9,4 Hektar große Bereich rund um Schacht 9 in Grafenwald soll, so sieht es die Planung des RVR vor, in einen sogenannten „Allgemeinen Siedlungsbereich“ umgewandelt werden. Aus den Unterlagen des Verbandes geht hervor, dass die Stadt Bottrop dort vor allem wohnverträgliches Gewerbe ansiedeln möchte. Möglich wäre dort jedoch rein planerisch auch die Einrichtung von Wohnungen, Wegen, Parks und sogar Schulen oder Kitas.

In Grafenwald ist es so, dass die Bergbauanlagen über Tage noch vorhanden sind und es laut RVR noch keinen Abschlussbetriebsplan gibt. Hinzu käme, dass in diesem Bereich ein besonderes Augenmerk auf der Entwässerung - konkret der Schutz vor einer Überschwemmung durch den Schöttelbach - liegen müsse.

Schacht 9 Grafenwald

Vor einigen Monaten wurde der Schacht in Grafenwald für immer verschlossen. © Petra Berkenbusch (A)

In einer Stellungnahme äußert das Landesbüro der Naturschutzverbände zunächst Bedenken hinsichtlich der Pläne in Grafenwald. Generell würden durch Industrie- und Wohnbebauung „Frischluftschneisen in die Städte blockiert“, heißt es dort. Zudem spielten unbebaute Freiraumbereiche eine wichtige Rolle im Bezug auf den Klimawandel. Auch der Naturschutz sei rund um Schacht 9 nicht außer Acht zu lassen, denn verschiedene Waldbereiche (Grafenmühle, Köllnischer Wald ...) würden direkt angrenzen. Abschließend zieht das Landesbüro jedoch ein positives Fazit: „Durch die geplante Änderung (...) werden keine der genannten ökologisch wertvollen Bereiche räumlich in Anspruch genommen.“ Es bestünden keine naturschutzfachlichen Bedenken.

Diese Stellungnahme ist ausreichend. Somit muss der RVR kein zusätzliches Umweltgutachten in Auftrag geben. An bestimmte planerische Vorgaben muss der Verband sich jedoch auch in Grafenwald halten.

Freiräume sollen laut RVR erhalten bleiben

So soll sich die Neuansiedlung räumlich konzentrieren und auf bereits vorhandene Siedlungen mit ausreichender Infrastruktur aufbauen. Freiräume sollen ausdrücklich erhalten bleiben. Langfristig zielt der Plan laut RVR auf eine „wettbewerbsfähige und räumlich ausgewogene Wirtschaftsstruktur und wirtschaftsnahe Infrastruktur sowie auf ein ausreichendes und vielfältiges Angebot an Arbeits- und Ausbildungsplätzen“ ab. Vorstellbar sei auch die Vernetzung von verschiedenen Verkehrsträgern, für verbesserten Pendlerverkehr an der Schnittstelle zwischen ÖPNV und Radverkehr. Am 15. Juni sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Pläne geschaffen werden, anschließend hat die Landesregierung drei Monate Zeit, Einwände zu erheben.

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