Baugebiete: Alpaka-Züchter fürchtet um seine Wiese in Grafenwald

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Horst Nachtmanns Leidenschaft sind seine zwölf Alpakas. Sie leben auf einer Wiese in Grafenwald. Jetzt hat er Angst, sie irgendwann aufgrund der Baupläne im Ort nicht mehr halten zu können.

Grafenwald

, 15.11.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Große Augen, wuscheliger Kopf, lange Wimpern. Sanfter Charakter, neugieriger Blick. Die Alpakas von Horst Nachtmann locken Kinder, Spaziergänger und Radfahrer in Grafenwald an. Zwölf Stück leben auf einer Wiese am Andresen Strang. Hinzu kommen Hühner und zwei Ponys. Doch ihr Halter macht sich Sorgen, dass ein Teil der Weide durch Bauvorhaben irgendwann wegfallen könnte.

„Ein Teilstück der 1,5 Hektar großen Wiese - rund 3000 Quadratmeter - ist von den Plänen der Stadt für neue Wohnbebauung in Grafenwald betroffen“, erzählt Horst Nachtmann. Darauf aufmerksam sei er durch die Bürgerinitiative „Natürlich Grafenwald“ geworden. Im September gegründet, wehrt sie sich dagegen, dass im Bereich Wiesengrund sowie Richtung Grafenmühle 200 bis 300 neue Wohnungen gebaut werden sollen. Diese Pläne waren aufgekommen, nachdem eine mögliche Bebauung am Vossundern gescheitert war.

Bürgerinitiative hofft auf 800 Unterschriften

Inzwischen hat die Bürgerinitiative über eine Online-Petition (https://www.openpetition.de/petition/online/grafenwald-wird-zubetoniert-stoppt-das-kommende-verkehrschaos#petition-main) über 770 Unterschriften gesammelt. Jürgen Becker, Mitbegründer der Initiative, hofft, dass es bis zum Ende der Aktion am 24. November über 800 sein werden. Horst Nachtmann hat auch unterschrieben. „Wenn ein Teil der Wiese bebaut werden würde, bliebe für die Alpakas zu wenig Grasland“, sagt er. Ihm sei zwar klar, dass frühestens in 10 bis 15 Jahren gebaut werden würde, „aber gerade dann sind die Tiere in einem Alter, in dem man sie kaum noch vermittelt bekommt. Ich müsste sie dann wahrscheinlich töten.“

Für Nachtmann wäre das eine Katastrophe. Die Alpakas sind seine große Leidenschaft. Und nicht nur seine: Kita-Kinder besuchen die Tiere regelmäßig, Familien machen einen Spaziergang zur Wiese, Radfahrer halten an und streicheln die Tiere. „Ich sag immer, auf einer Alpaka-Wiese kann man sich nicht streiten. Hier kann man einfach die Zeit verlieren. Diese Wiese ist ein richtiges Kleinod“, so Nachtmann.

Alpakas in Grafenwald

Alpakas sind sehr neugierig - und verfressen. © Manuela Hollstegge

Mit drei Alpaka-Babys waren er und seine damalige Frau vor rund zwölf Jahren angefangen. Mit denen züchteten sie weiter. Jetzt sei jedoch die Gruppe von der Größe her genau richtig für die Wiese. Wenn die Alpakas geschoren werden, geht die Wolle (oder „Gottes Vlies“, wie Nachtmann sagt) mal an den Heimatverein, mal an das Woll-Geschäft DeMar an der Schneiderstraße. Verarbeitet wird sie dann zu Kleidung oder auch Bettwäsche.

Nachtmann hofft, dass die Tiere ihre Weide noch lange behalten können. Denn neben den Alpakas, Ponys und Hühner hätten sich dort auch Kraniche und Fasane niedergelassen. Außerdem würden durch eine mögliche Bebauung viele Heufutterwiesen verloren gehen.

„Die Reihenfolge der Schritte stimmt nicht“

Ganz so schwarz-weiß, wie es die Bürgerinitiative sieht, sieht er die Sache jedoch nicht. „Ich bin nicht komplett gegen diese Bebauung, aber die Reihenfolge der Schritte stimmt einfach nicht“, sagt er. In Grafenwald fehle es einfach an Infrastruktur, an Einkaufsmöglichkeiten und Parkplätzen für noch mehr Menschen. Der Fortschritt sei da, er könne auch kommen, jedoch nicht um jeden Preis.

Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder hat der Wöller Bürgerinitiative in der letzten Sitzung der Bezirksvertreter ein Gespräch zugesagt. Außerdem haben sich die Kirchhellener Politiker inzwischen dafür ausgesprochen, die Verwaltung prüfen zu lassen, ob eine Wohnbebauung rund um Schacht 9 möglich und sinnvoll sei. Schnieder macht sich dennoch dafür stark, sich die Option, nördlich von Grafenwald bauen zu können, nicht gänzlich nehmen zu lassen.

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