Insolvenzverfahren im Bottroper Apotheker-Skandal eröffnet - Gläubiger fordern Millionen

dzAlte Apotheke

Der Bottroper Apotheker-Skandal geht in die nächste Runde: Das Insolvenzverfahren gegen Apotheker Peter S. ist eröffnet worden. Die Gläubiger fordern eine zweistellige Millionensumme.

Kirchhellen

, 23.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Das Entsetzen war im Herbst 2016 groß: Zwei Mitarbeiter beschuldigten den Inhaber der traditionsreichen Alten Apotheke in der Bottroper Innenstadt, jahrelang Krebsmedikamente gestreckt und diese anschließend zum Vollpreis den Krankenkassen in Rechnung gestellt zu haben. Damit betrog er die Kassen nicht nur um einen Millionenbetrag, Peter S. gefährdete mit diesem Vorgehen auch das Leben zahlloser Krebspatienten.

Schuld im Apotheker-Skandal nachgewiesen

An der Schuld von Peter S. in der Angelegenheit gibt es keine Zweifel: Im Juli des vergangenen Jahres verurteilte das Landgericht Essen den ehemaligen Apotheker zu zwölf Jahren Haft wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und Betrugs.

Der entstandene finanzielle Schaden wurde in einem separaten Verfahren behandelt. In diesem hat die Staatsanwaltschaft Essen nun das Insolvenzverfahren eröffnet, denn die Forderungen gegen den ehemaligen Apotheker sind nicht gerade gering.

Gläubiger fordern 50 Millionen Euro

Insolvenzverwalter Klaus Siemon geht von einer Summe in zweistelliger Millionenhöhe aus. „Es stehen bislang Verbindlichkeiten von bis 50 Millionen Euro im Raum“, verrät er im Gespräch mit der Redaktion. Doch bislang seien noch nicht die Forderungen aller Gläubiger bekannt. „Eine genaue Summe können wir erst in der ersten Gläubigerversammlung am 8. August beziffern“, sagt er.

Um diese Summe zu tilgen, werden sowohl das Privatvermögen als auch das Vermögen des ehemaligen Betriebs von Peter S. gepfändet. Ob das ausreichen wird, ist fraglich. Die geforderte Summe sei so hoch, dass auch das Vermögen des Schuldners nicht zur Tilgung ausreichen könne, meint Siemon.

Und das sei groß. So hieß es in der Urteilsverkündung im Verfahren, in dem Peter S. zu seiner Haftstrafe verurteilt wurde:: „Zu keinem Zeitpunkt hatte er Liquiditätsschwierigkeiten.“

Ermittlungen gegen eine ehemalige Mitarbeiterin

Auch in anderen Belangen drehen sich die Räder in Bezug auf den Apotheker-Skandal weiter. So begann die Staatsanwaltschaft Essen Ende April mit den Ermittlungen gegen eine ehemalige Mitarbeiterin der Alten Apotheke. Ihr gegenüber besteht der Tatverdacht der Strafvereitelung.

Denn der ehemalige Lebensgefährte der Frau hätte sich bereits 2012 mit dem Verdacht, dass in der Alten Apotheke nicht alles mit rechten Dingen zugeht, an die Polizei gewandt. Da die ehemalige Angestellte von Peter S. diese Vorwürfe bei einer Vorladung abstritt, wurden die Ermittlungen damals eingestellt. Die Ermittlungen gegenüber der Frau sind noch im Gange.

Rückschlag für Selbsthilfegruppen

Die Selbsthilfegruppen von Krebspatienten, die unter der Arzneimittel-Panscherei von Peter S. zu leiden hatten, müsste dagegen in ihrem Bestreben einen Rückschlag hinnehmen. Sie hatten nach Offenlegung der Vorgänge in der Alten Apotheke unangekündigte Behördenbesuche für Apotheken gefordert.

Zwar verabschiedete der Bundestag Anfang Juni das „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“, aber auf Bestreben des Bundesrats wurden unangekündigte Kontrollbesuche aus dem Gesetzespaket gestrichen.

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