Anwohner laufen Sturm gegen neuen Standort der Kirchhellener Wache

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Viele Anwohner waren zur Sitzung der Kirchhellener Bezirksvertreter gekommen und machten ihrem Ärger Luft. Feuerwehrchef Kim Heimann plädierte für eine „gute Nachbarschaft“.

Kirchhellen

, 10.06.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Diskussion um den neuen Standort der Feuerwache im Bereich „In der Koppel/Rentforter Straße“ war in der Sitzung der Kirchhellener Bezirksvertretung am Dienstag (9. Juni) gerade erst eröffnet worden, da gab es schon Zwischenrufe von der Hinterbank. Dort hatten sich mehrere Anwohner eingefunden. Einer machte seinem Ärger lautstark Luft. „Wann hatten Sie denn vor, die Anwohner zu fragen, wie die das finden?“, rief er.

Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder musste ihn mehrfach ermahnen und sogar mit einem Rausschmiss drohen, ehe der erregte Anwohner Ruhe gab, denn Bürger haben während solch einer Sitzung keine Redeerlaubnis. Doch Wilhelm Stratmann (SPD) sprang dem Anwohner zur Hilfe: „Wir wollen hier nichts blockieren, aber finden trotzdem, dass die Öffentlichkeit früher hätte informiert werden müssen.“

Grundstück für 720.000 Euro gekauft

Wenige Stunden zuvor hatte die Stadtverwaltung die Presse in einer Konferenz über den geplanten neuen Standort informiert. Dort hieß es, dass man für 11,5 Millionen Euro die neue Wache auf ein Grundstück an der Ecke Rentforter Straße/In der Koppel bauen wolle, das bisher als landwirtschaftliche Fläche genutzt werde. Dieses Grundstück habe man bereits für 720.000 Euro gekauft. Einziger Nachteil: Einen kleinen Streifen an der Rentforter Straße hatte die Stadt nicht erwerben können. Somit hätte die neue Wache auch keine direkte Ausfahrt zur Rentforter Straße.

Wilhelm Stratmann (SPD) kritisierte die Kommunikationspolitik in Sachen Standortsuche für die neue Kirchhellener Feuerwehr.

Wilhelm Stratmann (SPD) kritisierte die Kommunikationspolitik in Sachen Standortsuche für die neue Kirchhellener Feuerwehr. © Karsten Soccher

Doch in der Sitzung der Bezirksvertreter in der Aula der Hauptschule Welheim überschlugen sich die Ereignisse. Bezirksbürgermeister Ludger Schnieder berichtete von Gesprächen, die er wenige Stunden vor der Sitzung geführt habe. „Es könnte sein, dass wir durch einen Grundstückstausch doch noch an die Rentforter Straße rücken könnten“, erklärte er. Die Idee sei aus der Anwohnerschaft gekommen und er habe sie gleich aufgegriffen und Telefonate geführt. Das Ergebnis: Verhandlungen über einen Tausch seien möglich. Der Eigentümer des schmalen Streifens würde dann im Tausch Land am westlichen Rand des Feuerwehrgrundstücks erhalten.

Grüne plädierten für Verschiebung des Themas

Sigrid Lange (Grüne) sprach sich nach dieser Eröffnung erst einmal für die Verschiebung der Entscheidung aus: „Die Entwicklung ist noch zu neu.“ Dieser Vorschlag wurde jedoch von der Mehrheit der Bezirksvertreter abgelehnt. Denn sowohl Ludger Schnieder, als auch Christina Kleinheins vom Stadtplanungsamt, warnten vor einer weiteren Verzögerung. „Der Planungsausschuss sollte jetzt den Aufstellungsbeschluss fassen“, so Kleinheins. Änderungen seien nach der ersten Offenlegung der Pläne immer noch möglich. Zudem könne man in die aktuellen Pläne einen erweiterten Betrachtungsraum aufnehmen. Das mache es möglich, den genauen Standort der Wache auch zu einem späteren Zeitpunkt noch zu ändern. Die Mehrheit der Bezirksvertreter sprach sich am Ende der Diskussion für diese Lösung aus.

So auch Frederik Steinmann (CDU): „Für die Sicherheit Kirchhellens sollten wir schnell zu einer Lösung kommen und das nicht noch weiter auf die lange Bank schieben. Dabei sollten wir aber auch unbedingt die Bürger mitnehmen und die bestmögliche Lösung auch für die Anwohner finden.“ Das war das Stichwort für Feuerwehrleiter Kim Heimann. Sorgte sein erstes Statement in Richtung Anwohner („Eigentlich gewinnen Ihre Grundstücke an Wert, denn wir sind viel schneller bei Ihnen und können Sie retten.“) noch für empörtes Raunen, wurde Heimann danach ernst. „Wir wollen eine gute Nachbarschaft. Wir wollen niemanden stören“, sagte er.

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Er gehe davon aus, dass man zwar mit Blaulicht von der Wache abfahren müsse, das Martinshorn jedoch erst ab dem geplanten Kreisverkehr Rentforter Straße/Kirchhellener Ring anschalten müsse. Dieser soll noch in diesem Jahr gebaut werden und eventuell eine eigene Einfahrt für die Feuerwehr bekommen. „Wir müssen rein rechtlich außerdem massiven Lärmschutz betreiben und werden uns in alle vier Richtungen hin abschotten. Ganz zu vermeiden ist Lärm aber natürlich nicht“, erklärte er. Ausrücken werde man über die Koppel nicht, sondern eher nach rechts Richtung Rentforter Straße.

Zehn Standorte waren überprüft worden

Insgesamt hatte die Stadtverwaltung zehn Standorte für die neue Wache überprüft, darunter unter anderem auch die Bereiche Im Pinntal, Münsterstraße, Schulstraße/Am Tollstock und Horsthofstraße/Papenheide. Für den jetzt ausgewählten Standort hatte gesprochen, dass er aus Sicht der Feuerwehr für Einsätze gut geeignet ist, es planungsrechtlich keine Probleme gibt und das Grundstück zu verkaufen war. Doch bis der Neubau steht, wird es noch dauern: Veranschlagt sind drei bis vier Jahre Planungszeit sowie weitere drei Jahre Bauzeit.

Als nächstes wird sich der Planungsausschuss mit dem Thema Neubau der Feuerwache beschäften. Er tagt am Dienstag (16. Juni) um 16 Uhr in der großen Sporthalle des Jahnstadions. Dort wird über die Beschlussvorlage entschieden.

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