29 Kinder haben an der Sekundarschule Kirchhellen keinen Platz gefunden

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Die Sekundarschule Kirchhellen hat Platz für 75 Kinder pro Jahrgang. Angemeldet haben sich in diesem Jahr 104. Für 29 Kinder bedeutet das eine Ablehnung. Bei den Eltern stößt das auf Unmut.

Kirchhellen

, 26.02.2019, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Für uns ist das eine Katastrophe", erklärt die Kirchhellenerin Tanja Blazek. Ihr Sohn steht kurz vor dem Schulwechsel. Seine Klassenlehrerin hatte ihm eine Realschulempfehlung gegeben; mit ihr sollte er ab Sommer die Sekundarschule besuchen. Dort wurde er aber jetzt abgelehnt.

„Für die Kinder ist das sehr schwer", berichtet die Mutter. Während viele Freunde die Sekundarschule oder das Vestische Gymnasium besuchen, müsse ihr Sohn ab Sommer einen Weg von mindestens zehn Kilometern bis nach Gladbeck auf sich nehmen.

Fast 30 Kinder wurden abgelehnt

Damit ist Tanja Blazeks Sohn nicht der einzige: Fast 30 Kinder wurden an der Sekundarschule abgelehnt, darunter acht aus Kirchhellen. Insgesamt hat die Schule Platz für 75 Kinder pro Jahrgang. Bei den Eltern sorgt das für Empörung. Gleich mehrfach klingelte bei CDU-Vertretern das Telefon, einige betroffene Eltern drohten sogar mit rechtlichen Schritten.

„Wir können die Empörung der Eltern verstehen", erklärt Rainer Hürter, Bezirksvertreter der CDU. „Aber die Sekundarschule hat sich unseres Wissens nach nichts vorzuwerfen." Das bestätigte auch Karl Trimborn, der Fachbereichsleiter Jugend und Schule der Stadt Bottrop: „Der Schulleiter hat alles nach den Vorschriften gemacht. Er hat sogar Rücksprache gehalten mit der Bezirksregierung."

Fünf Grundschulen, aber nur drei höhere Schulen

Das kann auch Tanja Blazek verstehen. Sie nimmt eher die Behörden in die Pflicht: „Der Schule kann man keinen Vorwurf machen. Ich finde, da ist in der Planung etwas grundlegend falsch gelaufen." Sie weist daraufhin, dass es in Kirchhellen, Grafenwald und Feldhausen fünf Grundschulen, aber nur drei weiterführende Schulen gebe, von denen mit der Hauptschule eine bald ausläuft. Gerade unter zusätzlicher Berücksichtigung der auswärtigen Kinder seien 75 Plätze an der Sekundarschule einfach zu wenige.

Ähnlich sieht das auch Rainer Hürter: „Wir haben uns eingesetzt für die Sekundarschule, damit Kinder im Ort zur Schule gehen können. Dass dann Kinder aus Nachbarstädten angenommen, aber aus Kirchhellen abgelehnt werden, können wir nicht nachvollziehen."

Die Ortsnähe ist nicht das einzige Kriterium

Die Ortsnähe ist beim Schulwechsel allerdings laut Schulgesetz nicht das einzige Kriterium. So spielen auch Geschwisterkinder, ein ausgewogenes Verhältnis von Mädchen und Jungen, ein ausgewogenes Verhältnis von Schülern unterschiedlicher Muttersprachen und die Berücksichtigung von Schülern unterschiedlicher Leistungsfähigkeit eine Rolle.

Für Tanja Blazek ändert das nichts an dem Problem: „Mein Sohn fühlt sich durch die Abweisung minderwertig. Er fragt, warum andere Kinder angenommen werden und er nicht." Deshalb will sich die Kirchhellenerin jetzt gemeinsam mit anderen Eltern zur Wehr setzen: „Wir wissen, dass wir für unsere Kinder in diesem Jahr wohl nichts mehr ausrichten können. Aber ich habe auch noch einen jüngeren Sohn, den das in vier Jahren betrifft."

Vierzügigkeit ist nicht realisierbar

Einzelne Vorschläge, doch einfach die Schule vier- statt dreizügig zu organisieren, seien nicht zu realisieren, erklärt Karl Trimborn: „Die Schule ist auf Dreizügigkeit ausgelegt. Wenn wir da in jedem Jahrgang eine Klasse dazu zählen würden, könnte man direkt einen zweiten Neubau beginnen. Das wäre platztechnisch einfach nicht möglich."

Für Tanja Blazeks Sohn kommt die Diskussion nun zu spät. Ab Sommer wird er voraussichtlich in Gladbeck eine Realschule besuchen, ein langer Schulweg mit dem Bus oder dem Auto inklusive.

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