Kirchhellenerin lernte Liebe ihres Lebens beim Tanzen kennen

dzTag des Tanzes

Zum Tag des Tanzes (29. April) erzählt die Kirchhellerin Elisabeth Fleming von dem einzigen Mal in ihrem Leben, an dem sie an einem Tanzabend teilnahm. Dieser sollte ihr Leben verändern.

Kirchhellen

, 29.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Dating-Apps, Chatrooms oder Speed-Dating gab es in den 1950er-Jahren noch nicht. „Um einen Mann kennenzulernen, ging man damals aus - in der Regel zum Tanzen“, erinnert sich Elisabeth Fleming. Die 87-Jährige besuchte selbst ihren ersten - und einzigen - Tanztreff aber aus anderen Gründen. Das war 1950 und sie selbst 19 Jahre alt.

Oma kam auf die Idee zum Tanztreff

„In der Nähe unseres Hauses in Bottrop veranstaltete der Rheinländische Verein ein Tanzcafé. Da kam meine Oma auf die Idee, mich mitzunehmen“, erzählt Elisabeth Fleming. Sie selbst sei als junges Mädchen sehr schüchtern gewesen, sei kaum aus sich herausgekommen, meint sie. Da habe ihre Großmutter die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, sie mal unter Menschen zu bringen.

Ohne Oma wäre das damals für Elisabeth Fleming nicht möglich gewesen. War es doch für junge Frauen üblich, zusammen mit einem „Anstandswauwau“ auszugehen, damit nichts Unanständiges mit jungen Herren passiert. Und da haben ein paar Freundinnen nicht gereicht. Es mussten schon ältere Verwandte sein.

Ausgehkleider und Anzüge waren ein Muss

Die Oma sei es auch gewesen, die sie fürs Tanzen zurechtgemacht habe, erinnert sich die Seniorin. Schon damals sei es üblich gewesen, sich hübsch fürs Ausgehen zu machen. Nur wurden damals nicht die engsten Jeans und besten T-Shirts rausgesucht, sondern die Damen kamen in schicken Ausgeh-Kleidern und die Männer im Anzug und mit Krawatte um den Hals.

Elisabeth Fleming hatte ihren Spaß an diesem Abend. „Kaum hatten wir uns hingesetzt, da kam schon ein junger Mann und forderte mich zum Tanzen auf“, erzählt sie. Anders als heutzutage beim Clubbesuch wurde in den 1950er-Jahren nicht einfach mit Freunden drauflos getanzt. Paartänze standen auf dem Programm: Walzer, Foxtrott und, wenn man ganz modern war, Rock‘n‘Roll. Musik wurde nicht vom DJ aufgelegt, sondern live von einer Kapelle gespielt.

Keine Damenwahl

Zu den Tänzen wurde ausschließlich vom Mann aufgefordert. „Wenn sich kein Mann getraut hat, einen anzusprechen, konnte das eine ganz schön deprimierende Situation für die Mädchen sein“, erinnert sich Elisabeth Fleming. Damenwahl sei erst später aufgekommen, meint sie.

Sie selbst sei zum Glück kein Mauerblümchen gewesen. Der junge Mann habe den ganzen Abend mit ihr tanzen wollen und sie nach jedem Tanz erneut aufgefordert. Unüblich für diese Zeit, wurde doch die Dame vom Mann in der Regel nach dem Tanz zurück zu ihrem Platz gebracht, um dort auf den nächsten Verehrer zu warten.

Den ganzen Abend getanzt

Elisabeth Flemings Verehrer schien wirklich einen Narren an ihr gefressen zu haben. Und tatsächlich wich er den ganzen Abend nicht von ihrer Seite, begleitete sie sogar bis nach Hause - immer unter den wachsamen Blicken der Oma.

Die schien aber nichts gegen den galanten Verehrer ihrer Enkelin zu haben, willigte sie doch noch vor der Haustür ein, dass der junge Mann gerne wiederkommen könne. Natürlich, um Elisabeth zu besuchen.

Tanzabend mit Happyend

Was sich anhört, als ob es einem Hollywoodfilm stammen könnte, endet natürlich auch passenderweise mit einem Happy End: Elisabeth und ihr Hermann trafen sich von da an regelmäßig. Zwei Jahre später wurde dann geheiratet.

Auf der Hochzeit war Tanzen übrigens kein Thema, selbst auf einen Hochzeitstanz haben die beiden damals verzichtet. „Wir haben in sehr kleinem Kreis und eher rustikal gefeiert“, meint die Seniorin. Da habe es keine Gelegenheit zum Tanzen gegeben.

Wandern statt Tanzen

Auch später seien sie und ihr Mann nicht mehr sonderlich viel zum Tanzen gekommen. „Mein Mann war ein Naturbursche, da wurde eher gewandert als getanzt“, scherzt Elisabeth Fleming.

Mittlerweile lebt die Witwe im Seniorenhaus St. Johannes. An den hier viermal im Jahr angebotenen Tanzcafés, bei dem die Senioren mit Ehrenamtlichen zu ihren Lieblingsliedern tanzen können, nimmt sie nicht teil. Ohne ihren Hermann möchte sie nicht mehr tanzen.

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