Die Zahlen der Covid-Patienten in Dortmunds Krankenhäusern steigen – eine Momentaufnahme oder ein Trend? © dpa
Pandemie

Viele Covid-Tote: Die psychische Belastung für das Klinikpersonal ist enorm

Am Sonntag wurde der bislang rund 80.000 Covid-Toten gedacht. Eine kaum zu fassende Zahl, aber es gibt Menschen, für die es sehr wohl fassbar ist, jeden Tag: das medizinische Personal.

Das vergangene Jahr hat dem medizinischen Personal Übermenschliches abverlangt, ein Tanz an der psychischen und physischen Belastungsgrenze. Es gibt durch Covid mehr Todesfälle auf den Stationen, die Patienten sind isoliert, dürfen nicht besucht werden, die tägliche Pflege und der einzige Kontakt geschieht durch Schichten von Schutzausrüstung. In den Kliniken sieht man, wie Covid wirklich ist, parallel zu allen Schutzmaßnahmen, Ausgangssperren und Maskenpflichten sterben Menschen – jeden Tag – sehr qualvoll.

Personal an den Kliniken rückt näher zusammen

Dabei sind Ärzte und Pflegekräfte am CKU aber auch enger zusammengerückt: zu einer echten „Covid-Familie“. Seit Beginn der Pandemie kämpfen sie gemeinsam dafür, die Verbreitung der Krankheit einzudämmen und den Erkrankten so gut es geht zu helfen. Als Anfang 2020 langsam immer klarer wurde, dass uns das Virus auch in Deutschland mit einer heftigen Wucht treffen würde, mussten in den Kliniken innerhalb kürzester Zeit erhebliche Maßnahmen ergriffen werden. „Wir mussten unsere Abläufe komplett umstellen“, sagt Ralf Effmert. Der Pflegedirektor des Christlichen Klinikums Unna erläutert, dass alle Pflegenden gleich zu Beginn der Pandemie umfangreich geschult wurden und die Abläufe im Alltag für den Corona-Schutz angepasst werden mussten.

Ralf Effmert, Pflegedirektor am CKU, resümiert darüber, wie völlig auf den Kopf gestellt die Abläufe in der Pflege im vergangenen Jahr plötzlich gestellt wurden.
Ralf Effmert, Pflegedirektor am CKU, resümiert darüber, wie völlig auf den Kopf gestellt die Abläufe in der Pflege im vergangenen Jahr plötzlich gestellt wurden. © Christoph Schmidt © Christoph Schmidt

Jeder Patient kann sicher betreut werden

„Wir können garantieren, dass der Patient, der Pflege braucht, auch sicher betreut werden kann.“ Der Aufwand vor dem Betreten der Krankenzimmer sei natürlich viel größer geworden. Immer in die Schutzausrüstung rein und dann wieder raus, das braucht enorm viel Zeit. „Wir achten da natürlich auch gegenseitig aufeinander“, erklärt Julia Opitz.

Damit meint die Leiterin der Covid-Station am CKU West nicht nur die Pflegekräfte, sondern auch die Ärzte. Das sei auch bei allen Problemen, die Covid mit sich bringt, ein kleiner positiver Aspekt. „Wir sind hier im letzten Jahr so richtig etwas wie eine Familie geworden, eine Covid-Familie.“

Das Maß der Belastung – körperlich und psychisch – sei in diesem Jahr enorm angestiegen. Es gibt wesentlich mehr Todesfälle in den Kliniken, Angehörige können ihre Liebsten nicht besuchen und auch der persönliche Kontakt zu den Patienten sei durch die dicken Schutzschichten nur eingeschränkt.

Umso wichtiger, dass auf den Stationen alles dafür getan wird, den Menschen in der ohnehin schon schweren Lage so gut es geht zu helfen. „Opitz: „Wir haben zum Beispiel ein Stations-Ipad angeschafft, das die Patienten benutzen können, die sonst keine Möglichkeit haben, ihre Liebsten auch mal per Skype zu sehen. Das ist schon etwas anderes als nur zu telefonieren.“

Julia Opitz, Leiterin der Covid-Station CKU West sieht auch einen positiven Effekt. In den vergangenen Monaten sei der Zusammenhalt zwischen Pflegekräften und Ärzten enorm gewachsen, eine richtige Covid-Familie am CKU.
Julia Opitz, Leiterin der Covid-Station CKU West sieht auch einen positiven Effekt. In den vergangenen Monaten sei der Zusammenhalt zwischen Pflegekräften und Ärzten enorm gewachsen, eine richtige Covid-Familie am CKU. © Christoph Schmidt © Christoph Schmidt

Die Situation ist nur schwer zu ertragen

Nicht nur für die Patienten und Angehörigen ist die Situation schwer zu ertragen. „Wenn man merkt, dass eine Kollegin, ein Kollege nicht mehr kann, dann achten wir da schon sehr genau drauf, dass derjenige dann mal ein bisschen freinimmt, um auf andere Gedanken zu kommen“, sagt Ralf Effmert. Das Problem aber ist, dass man Covid nicht an der Kliniktür abgeben kann, man auch nach Dienstschluss nicht aufhören kann sich damit zu beschäftigen, es ist überall. „Das stellt auch einen großen Teil der Belastung dar, das Gefühl, dass man Covid nicht entkommen kann. Den ganzen Tag beschäftigt man sich auf der Arbeit damit und dann in der dienstfreien Zeit ist das Thema auch überall.“ Daher sind Opitz und ihre Kollegen auch nach dem Dienst erreichbar für alle Fälle.

Das Jahr hat Spuren hinterlassen und man bekommt den Eindruck, wenn man mit den Menschen spricht, die ganz nah dran sind am Covid-Leid, am Covid-Tod, dass es allerhöchste Zeit ist, dass durch die Impfungen ein Silberstreif am Horizont auftaucht.

Hoffnung ist ein ganz zentrales Thema im Klinikalltag

Man dürfe die Hoffnung nie aufgeben, sagt Julia Opitz. Aus diesem Grundsatz ist auch ein kleines Ritual entstanden. Muss ein Patient von der Covid-Station auf die Intensivstation verlegt werden, verabreden sich die Schwestern jedes Mal mit dem Patienten auf ein Pläuschchen, wenn er wieder zurück auf die normale Station kann. Viele dieser Verabredungen werden nicht eingehalten werden können.

Über den Autor
1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.