Briefwahlunterlagen in einem Wahlbüro bei der Kommunalwahl 2020. Auch bei der Bundestagswahl können Bürger ihr Kreuz wieder postalisch machen. © dpa
Bundestagswahl 2021

So viele wie noch nie stimmen per Brief ab – sogar in Costa Rica

Die Bundestagswahl könnte in Bergkamen und Kamen vor dem Wahltermin entschieden sein. Die beiden Städte rechnen mit so vielen Briefwählern wie nie zuvor – und die melden sich auch von ungewöhnlichen Orten.

Für Thomas Hartl, der für die Stadt Bergkamen die Bundestagswahl vorbereitet, ist es nichts Ungewöhnliches, dass er Briefwahlunterlagen an ungewöhnliche Orte verschicken muss: Viele Wähler wollen die Wahl im Urlaub nicht verpassen und lassen sich die Wahlunterlagen an den Ferienort schicken.

Das sind aber nicht die einzigen Briefwahlunterlagen, die in alle Welt verschickt werden. Es melden sich nach Hartls Erfahrungen immer etwa 20 ehemalige Bergkamener, die ins Ausland gezogen, aber wahlberechtigt sind – und die über die Stadt Bergkamen ihre Briefwahlunterlagen beantragen. „Die USA und Thailand, das sind die Klassiker“, sagt er.

Die Stadt Kamen hat sogar schon 15 Anfragen ehemaliger Bürger aus dem Ausland bekommen – meist aus anderen europäischen Staaten. „Wir haben aber auch schon einen Ex-Kamener, der in Costa Rica lebt und wählen möchte“, sagt Stadtsprecher Peter Büttner.

Thomas Hartl ist für die Organisation der Bundestagswahl in Bergkamen verantwortlich. © Archiv © Archiv

Die überaus meisten Briefwähler werden jedoch Bergkamener und Kamener sein, die nicht zur Wahl verreist sind, aber den Weg ins Wahllokal scheuen. Das habe sich in der Corona-Pandemie schon bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr gezeigt, sagt Hartl. Er geht davon aus, dass diesmal noch deutlich mehr Menschen per Brief wählen als bei den vergangenen Wahlen. „Die Bundestagswahl ist immer die Wahl mit der größten Beteiligung. Daher dürfte auch die Zahl der Briefwähler noch einmal steigen“, erklärt Hartl.

Bereits bei der vergangenen Bundestagswahl 2017 gaben 5800 der insgesamt rund 36.200 wahlberechtigten Bergkamener ihre Stimme per Brief ab. In Kamen waren es damals schon deutlich mehr. Von den knapp 33.300 wahlberechtigten Kamenern gaben 7500 ihre Stimme per Brief ab. Büttner geht davon aus, dass diese Zahl bei der kommenden Bundestagswahl auf etwa 10.000 steigt.

Beide Städte haben einen Puffer eingebaut: Bergkamen hat sicherheitshalber 12.000 und Kamen sogar 15.000 Ausfertigungen der Briefwahlunterlagen bestellt. „Falls das nicht reicht, können wir noch schnell weitere nachbestellen“, sagt Thomas Hartl.

Kamen rechnet diesmal mit rund 10.000 Briefwählern, hat aber noch einen Puffer nach oben eingebaut. © Stefan Milk © Stefan Milk

Beide Kommunen haben auch schon vorgesorgt, weil es vermutlich viel mehr Briefwahlstimmen auszuzählen gilt, als bei den vergangenen Wahlen. Bergkamen stockt die Briefwahlvorstände, die im Ratstrakt die Stimmen auszählen, um weitere sieben auf. Kamen hat von vornherein 14 Wahlvorstände dafür eingeplant. Bei der Bundestagswahl wird das Auszählungsverfahren etwas einfacher als bei der Kommunalwahl: Die Briefwahlstimmen müssen nicht den einzelnen Stimmbezirken zugeordnet werden wie bei der Kommunalwahl.

Beide Städte gehen davon aus, dass der Run auf die Briefwahl erst dann richtig beginnt, wenn die Wahlbenachrichtigungen verschickt sind. Sie kommen wahrscheinlich im Laufe der kommenden Woche. Wer dann Briefwahl beantragen will, kann dazu das Formular auf der Rückseite der Wahlbenachrichtigung ausfüllen und es per Post an die jeweilige Stadtverwaltung schicken. Einfacher ist es, online über einen Link auf der Homepage der zuständigen Stadt. „Dabei müssen sie nur ihre Nummer aus dem Wählerverzeichnis eintragen“, wirbt Hartl für die Online-Anmeldung.

Die Stadt Bergkamen richtet ihr Briefwahlzentrum wie bei der Kommunalwahl im Ratstrakt ein. © Archiv © Archiv

Die Stadt Bergkamen richtet ihr Briefwahlzentrum in den nächsten Tagen wie gewohnt im Ratstrakt neben dem Rathaus. Von dort werden die Briefwahlunterlagen verschickt und dort treffen auch die Wahlbriefe ein. Wer weiß: Wenn der Anteil der Briefwähler tatsächlich so hoch wird, wie viele schätzen, ist wahrscheinlich schon vor dem eigentlichen Wahltermin am Sonntag, 26. September, eine Vorentscheidung gefallen.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann

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