Friedhelm Witteck mit seinem CDU-Mitgliedausweis vor der Absperrung, weil ihm der Zutritt verwehrt bleibt. Trotzdem gelingt es ihm, am Ende mit Ralph Brinkhaus Kontakt aufzunehmen. © Stefan Milk
Bundestagswahl 2021

Mit dem Bärenticket zu Ralph Brinkhaus: Treue, auch wenn Laschet nicht immer spitze war

Die Union im Umfragetief, dann auch noch Nieselregen und kaum Besucher beim Auftritt von Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus in Kamen. Ein Zuschauer ist besonders treu, obwohl er keinen Zutritt erhält.

Friedhelm Witteck steht schon vor der Bühne, als dort noch der Nieselregen vom Boden geflitscht wird. Das eingefleischte CDU-Mitglied aus Lünen, 69 Jahre alt und aktiver Energieberater, ist mit dem Bärenticket nach Kamen gekommen, um den Spitzenpolitiker Ralph Brinkhaus auf dem Alten Markt in Kamen zu erleben.

Einlass in den bestuhlten Zuschauerbereich erhält er aber nicht, auch nicht, als er seinen Mitgliedsausweis vorzeigt. Grund: Es gilt die 3G-Regel, und er hat erst eine Impfung und keinen Testnachweis.

Doch Bundestagskandidat Hubert Hüppe, Bundestagskandidat, eilt zur Hilfe. Er rückt einen Klappstuhl zurecht, direkt hinter dem Flatterband, der erste Quadratmeter hinter dem abgesteckten Bereich. „Der Hüppe, der kennt mich ja“, sagt Witteck glücklich.

Ralph Brinkhaus, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag, wird von CDU-Vizebürgermeister Rainer Fuhrmann und dem örtlichen CDU-Kandidaten Hubert Hüppe in Empfang genommen.
Ralph Brinkhaus, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag, wird von CDU-Vizebürgermeister Rainer Fuhrmann und dem örtlichen CDU-Kandidaten Hubert Hüppe in Empfang genommen. © Stefan Milk © Stefan Milk

Doch nicht ganz allein auf dem Alten Markt

Der Senior hat damit einen exklusiven Blick auf den Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU im Bundestag, weil es kein Gedrängel am Flatterband gibt, wo sonst niemand steht. Wenn es ein Sinnbild für die sich gerade im Umfragetief befindliche Union gibt, dann vermutlich an diesem verregneten Mittag in Kamen, als lediglich etwa 30 Zuschauer, überwiegend aus den Reihen der örtlichen CDU, auf den feuchten Klappstühlen Platz nehmen.

Brinkhaus, obwohl in Berlin in der ersten Reihe stehend, ist an diesem Donnerstag kein Publikumsmagnet. Doch immerhin, wie er durchaus humorvoll kommentiert: „Auf dem Weg hierher sagte meine Referentin, dass ich hier mit Hubert Hüppe vielleicht allein bin. Das ist nicht der Fall.“

Der Wahlauftritt von Spitzenpolitiker Ralph Brinkhaus löste wenig Interesse aus.
Der Wahlauftritt von Spitzenpolitiker Ralph Brinkhaus löste wenig Interesse aus. © Stefan Milk © Stefan Milk

Eine Stunde lang Wahlkampf im Nieselregen

Eine Stunde lang nimmt sich Brinkhaus Zeit für den Wahlkampf in Kamen. Der markante Politiker, bekannt für klare Worte, eiert auch nicht groß herum mit Blick auf das Afghanistan-Desaster. „Wir müssen uns fragen, warum es Deutschland, aber auch andere Nationen, unterschätzt haben, dass die Taliban das Land so schnell überrennen konnten.“

Eine triftige Antwort darauf zu finden, ist für die Union vermutlich nicht ganz unwichtig. In den jüngsten Umfragen, in denen sie fast auf das Niveau von SPD und Grünen abgesackt sind, ist diese Krise am Hindukusch noch gar nicht berücksichtigt. Brinkhaus sagt deutlich, bevor er auch andere Wahlkampfthemen anspricht: „Das Wort Wahlkampf besteht aus Wahl und Kampf. Wir müssen mehr reinkommen, brauchen mehr Intensität.“

Friedhelm Witteck nach der Veranstaltung im Gespräch mit Ralph Brinkhaus, ordnungsgemäß hinweg übers Flatterband.
Friedhelm Witteck nach der Veranstaltung im Gespräch mit Ralph Brinkhaus, ordnungsgemäß hinweg übers Flatterband. © Carsten Janecke © Carsten Janecke

Unentschlossenheit spürbar an den Wahlständen

Intensiv verfolgt Ralf Eisenhardt, was Brinkhaus in Kamen zu sagen hat. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kamener Stadtrat blickt selbst auf die ersten Wahlkampftermine in der Fußgängerzone zurück. „Man spürt die Unentschlossenheit vieler Bürger“, sagt er. „Bei vielen ist die Entscheidung, was sie wählen, noch offen.“

Um sich für künftige Gespräche weiter zu rüsten, will er auch das nutzen, was Brinkhaus an diesem Mittag in Kamen formuliert. „Das ist etwas, was man direkt an den Ständen weitergeben kann. Von jemanden, der in der ersten Mannschaft in Berlin mitspielt.“

CDU-Senior verteidigt Armin Laschet

Bärenticket-Inhaber Witteck, der als Energieberater das Klimaschutz-Thema nicht kampflos den Grünen überlassen will („Dazu brauchen wir die nicht“), hofft, dass seine Mannschaft noch etwas Boden gut macht in diesem Wahlkampf, in dem Spitzenkandidat Armin Laschet nicht immer spitze war. „Wir sind alle Menschen, keine Roboter“, sagt er mit Blick auf Laschets falsch getimten Lacher im Katastophengebiet. „Jeder macht mal einen Fehler, das muss man nicht gleich verdammen.“

Als die Brinkhaus-Rede endet, springt Witteck auf und wirkt etwas verloren vor dem Flatterband, als der leere Marktplatz noch leerer wird. Brinkhaus, geschützt unter einem Schirm in Schwarz-Rot-Gold, steuert auf ihn zu. Er hat Recht. In Kamen ist er nicht allein.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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