Eine Szene als Schutzraum? Das brauchen homosexuelle Paare im Kreis Unna kaum noch, wie Manuel Izdebski von der Aidshilfe Unna weiß. © Renate Vanaga on Unsplash
Singles in Unna und Dortmund

Homosexuelle ohne Szene: Auf dem platten Land ist die Partnersuche schwer

Queere Menschen werden heute immer offener – frühere Schutzräume und Szenetreffs gleichzeitig weniger. Bei der Partnersuche spielt deshalb das Internet eine große Rolle.

Als sich an einer Unnaer Schule vor wenigen Tagen ein schwules Paar geoutet hat – mit 15 Jahren – wurde Manuel Izdebski von der Aidshilfe zu Rate gezogen. Eigentlich liegt sein Arbeitsschwerpunkt bei Jugendlichen auf der Präventionsarbeit zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. „In solchen Fällen werde ich dann aber irgendwie zum Berufsschwulen“, sagt der Geschäftsführer der Aidshilfe Unna.

Das Outing der Jugendlichen scheint immer noch ein Anlass zur Beunruhigung. Sonst wäre der „Berufsschwule“ wohl nicht zu Rate gezogen worden. Es zeige eines aber ganz deutlich: Die Selbstverständlichkeit, mit der viele Jugendliche ihre Homosexualität heute annehmen.

„Wir haben uns damals im Erwachsenenalter geoutet“, schmunzelt Izdebski, dessen eigene Pubertät schon eine Weile zurückliegt. Mit den Mitschülern darüber zu sprechen, sei undenkbar gewesen. Izdebski lacht: „Ich musste ja noch in der Bravo lesen, dass das eine Phase ist, die irgendwann vorbeigeht – doch sie ging nicht vorbei.“ Selbstverständlich erfordere das Coming-out aber auch heute noch Mut.

HIV-Schnelltests sind bei Manuel Izdebski möglich. Der Geschäftsführer der Aidshilfe Unna beobachtet seit Jahren einen positiven Wandel bei der Wahrnehmung von Homosexualität. © Udo Hennes © Udo Hennes

Weil Homosexualität in der Gesellschaft immer akzeptierter ist, gebe es allerdings auch immer weniger Kneipen, Partys, Clubs und Netzwerkangebote für Homosexuelle. „Früher waren das auch Schutzräume“, weiß der Geschäftsführer der Aidshilfe Unna. Derartige Schutzräume würden inzwischen kaum noch gebraucht. „In Unna hatten wir die Doppelherzparty in der Lindenbrauerei, aber auch die gibt es nicht mehr.“

Gefeiert wird in Dortmund – meistens mit heterosexuellen Freunden

Junge Schwule, Lesben und Bisexuelle aus dem Kreis Unna gehen mit ihren Freunden in Dortmund in die Disco. „Heute kann man zusammen feiern.“ Eine Szene gebe es in Unna nicht, weder für Schwule, noch für Lesben oder andere queere Menschen.

Viel zu feiern gibt es in Unna für junge Homosexuelle nicht. Mit der Doppelherzparty in der Lindenbrauerei, die inzwischen Geschichte ist, hat sich eine letzte Instanz aus dem Unnaer Nachtleben verabschiedet. © Brian Kyed on Unsplash © Brian Kyed on Unsplash

So sei es „auf dem Platten Land“ gar nicht so einfach, einen Partner zu finden. „Da spielt sich viel übers Internet ab, es gibt Portale wie Grindr oder Gay Romeo.“ Aber geht es da nicht eher um Sex-Treffen? „Schön wäre es doch trotzdem, wenn unter den Sexkontakten der Traumprinz dabei ist“, sagt Izdebski. Den wünschten sich auch viele schwule Männer. Da unterscheide sich Grindr wohl auch nicht wesentlich von Dating-Apps wie Tinder und Co.

„Jetzt ist vielleicht nicht die richtige Zeit für Gruppensex.“

Manuel Izdebski von der Aidshilfe Unna über Sex in der Pandemie.

Nichtsdestotrotz spiele Sex eine große Rolle: „In der Corona-Zeit haben wir deswegen mit unserem Herzenslustprojekt eine Risikominimierungsstrategie angesetzt.“ Corona verhindere ja nicht, dass die Leute Sex haben. Aber: „Jetzt ist vielleicht nicht die richtige Zeit für Gruppensex.“ Vielleicht hätten schwule Männer in der Corona-Zeit aber auch einen Vorteil gegenüber Heterosexuellen, sagt Manuel Izdebski. Weil sie sich sozusagen von Haus aus immer schon mit dem Infektionsschutz beschäftigen mussten.

Wer spezielle Angebote sucht, egal ob alt oder jung, werde in der Nachbarstadt Dortmund fündig. Und das sei von Unna ja auch nur ein Katzensprung. Zum Beispiel das Kommunikations-Centrum Ruhr (KCR). Der eingetragene gemeinnützige Verein für Schwule und Lesben besteht seit den 1970er-Jahren.

In den Räumlichkeiten des KCR gibt es mit dem Angebot Gay and Gray auch einen Treff für Männer, „die keine Boys mehr sein wollen“. Und die jüngeren können sich im Jugendzentrum Sunrise treffen. Dort gibt es zum Beispiel Beratungsangebote zum Coming-out, einen Treff für Transsexuelle und einen Treff für Queers of Colour.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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