Gespenstische Szenen in der Silvesternacht 2019 nach Massenunfällen auf der A2: Inzwischen liegt eine Rekonstruktion des Geschehens vor. © Archiv/vn24
Autobahnpolizei

Ein Jahr danach: Massenunfälle im Silvester-Nebelchaos auf der A2 rekonstruiert

Extrem dichter Nebel, zu hohes Tempo: Auf der A2 zwischen Kamen und Dortmund-Lanstrop krachten vor einem Jahr zahlreiche Autos zusammen. Nur lückenhaft konnte die Polizei das Nebelchaos rekonstruieren.

Ein außergewöhnliches Wetterphänomen überraschte zahlreiche Autofahrer in der Silvesternacht 2019 und beschäftigte die Autobahnpolizei in Kamen: Besonders dicke Nebelbänke hatten sich über Straßen im Kreis Unna und im Raum Dortmund/Hamm geschoben. Auch auf der A2 zwischen Kamen und Dortmund-Lanstrop reichte die Sicht nur wenige Meter weit. Viele Autos rasten in die wolkenartige Wand hinein und stießen mit anderen Fahrzeugen zusammen. Es gab viele Verletzte und hohen Sachschaden.

Unfallrekonstruktion mit vielen fehlenden Puzzleteilen

Ein Jahr nach dem Nebelchaos hat die Autobahnpolizei sich auf Anfrage zum Ergebnis der komplizierten und langwierigen Unfallermittlungen geäußert. Demnach lässt sich der genaue Hergang der insgesamt zwei Massenunfälle auf der A2 nicht hundertprozentig rekonstruieren und die Zahl der Verletzten ist höher als bislang genannt.

Die Beamten der beim Polizeipräsidium Dortmund angesiedelten Autobahnpolizei stocherten bei ihren Ermittlungen buchstäblich im Nebel. Sie fanden nicht alle nötigen Puzzleteile, um ein klares Gesamtbild zusammenzusetzen. Behördensprecher Peter Bandermann sagt: „Die Schwierigkeiten in der Unfallrekonstruktion ergeben sich aus der Anzahl der Unfallbeteiligten, des herrschenden dichten Nebels und kaum vorhandener bzw. unterschiedlicher Angaben zum Unfallhergang.“

Dass sich die Angaben von Unfallbeteiligten widersprechen, sind Polizisten gewohnt. In solchen Fällen hängt die Aufklärung des Falls besonders an der Auswertung der Unfallspuren. Wegen des dichten Nebels gestaltete sich die Spurensicherung aber schwierig, zumal Beweisfotos sich als unbrauchbar erwiesen. Behördensprecher Bandermann sagt: „Aufgrund des dichten Nebels und der Dunkelheit sind Unfallspuren, die Rückschlüsse auf das Unfallgeschehen ermöglichen könnten, nicht erkennbar oder werden durch die große Anzahl der verunfallten Fahrzeuge verdeckt. Die Ermittler konnten sich lediglich auf korrespondierende Spuren an den Unfallfahrzeugen stützen, um ein mögliches Unfallgeschehen zu rekonstruieren.“

Die beiden Massenunfälle ereigneten sich am 1. Januar 2020 ab 1.51 Uhr auf der A2 in Richtung Hannover zwischen Dortmund-Nordost und Dortmund-Lanstrop und ab 2.14 Uhr in Richtung Oberhausen zwischen Dortmund-Lanstrop und Dortmund-Nordost. Zu diesem Zeitpunkt lag extrem dichter Nebel über der Fahrbahn. Von Sichtweiten bis unter zwei Metern ist in den Ermittlungsakten die Rede. Insgesamt 16 Autos krachten an zwei Stellen ineinander. 30 Menschen wurden dabei leicht verletzt. Es entstand ein Gesamtschaden von mindestens 109.500 Euro.

An dem Verkehrsunfall um 0.51 Uhr waren insgesamt 13 Pkw beteiligt. 25 Menschen wurden leicht verletzt. „Die Zusammenstöße geschahen durch Auffahren auf vorausfahrende Fahrzeuge aufgrund starken Nebels bei Sichtweiten von unter drei Metern“, nennt Bandermann als Unfallursache. Bei dem Verkehrsunfall entstand ein Gesamtschaden von mindestens 72.000 Euro.

An dem Verkehrsunfall um 2.14 Uhr waren insgesamt 3 Pkw beteiligt. Fünf Menschen wurden leicht verletzt. „Der Zusammenstoß geschah durch das Auffahren auf ein langsam vorausfahrendes Fahrzeug aufgrund starken Nebels und Sichtweiten von unter zwei Metern. Der Unfallverursacher war alkoholisiert“, erklärt Polizeisprecher. Es entstand ein Gesamtschaden von mindestens 37.500 Euro.

Der dichte Nebel und unangepasste Fahrweise bewirkten nicht nur auf der A2, sondern auch auf der A1 und auf der B236 mehrere Unfälle mit Verletzten. Auch auf städtischen Straßen war die Sicht extrem schlecht. Autofahrer schilderten regelrechte Horrorfahrten durch den Nebel. „Dieses Gefühl beim Autofahren wenn du einfach gar nichts mehr siehst. Man bekam schon Panik ehrlich gesagt“, schrieb eine Frau bei Facebook.

Das Nebelchaos zeigt, wie wichtig es ist, eine alte Faustregel aus der Fahrschule zu beherzigen: Es darf nur so schnell gefahren werden, wie die Sicht weit ist, bei 50 Metern wären das 50 km/h, bei 5 Meter nur Schrittgeschwindigkeit.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
Zur Autorenseite
Carsten Fischer

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.