Die schwer an Covid-19 erkrankten Menschen liegen auf den Intensivstationen der Kliniken. Sie und auch die leichteren Fälle werden minutiös isoliert und das ist gut. Dadurch wird das Ausmaß der Krankheit aber schwerer fassbar für Unbeteiligte. © dpa
Pandemie

Covid-19 ist allgegenwärtig und doch irgendwie unsichtbar

Das System, Erkrankte oder Verdachtsfälle zu isolieren, hält die eigentliche Erkrankung aus dem öffentlichen Leben fern. Das ist gut, macht das allgegenwärtige Thema aber schwerer zu fassen.

Das Thema Corona ist allgegenwärtig, und doch ist Covid-19 eine unsichtbare Krankheit. Als gesunder Mensch, der nicht im medizinischen Sektor arbeitet, bekommt man keine Kranken zu sehen. Besteht nur der Verdacht auf eine Infektion, wird Quarantäne angeordnet, bei stärker werdenden Symptomen werden die Erkrankten in der Klinik auf den Covid-Stationen versorgt. Was auf der einen Seite ein Zeugnis eines funktionierenden Systems ist, wird auf der anderen Seite zu einer der zentralen Argumentationsideen der Covid-Leugner, die sich in den Kommentarbereichen der sozialen Medien gegenseitig anfeuern: „Wo sind denn die zigtausend Kranken und Toten?“ oder „Ich hab noch keinen gesehen, der Corona hatte!“ sind dabei noch harmlose Kommentare.

CKU-Arzt versucht, ein gewisses Grundverständnis aufzubringen

“Man muss auch ein gewisses Grundverständnis aufbringen. Der normale Mensch erlebt ja keinen Covid-Kranken, das ist aber bewusst so, weil wir sie aus dem Leben isolieren“, erklärt Jan Westermann. Er ist Leitender Oberarzt der Inneren Klinik I/Gastroenterologie und Hygienebeauftragter Arzt am CKU-Mitte und hat jeden Tag mit den Kranken und Sterbenden dieser Pandemie zu tun. Man würde sich wünschen, dass die Maskengegner und Covid-Leugner ein bisschen mehr auf Menschen wie ihn hören würden. Es gäbe sicher keine Demos gegen Corona-Maßnahmen oder Querdenker-Aktionen, wenn das Leid, das diese Krankheit bringt, ganz unmittelbar erfahrbar wäre.

Jan Westermann – Leitender Oberarzt Innere Klinik I / Gastroenterologie und Hygienebeauftragter Arzt, CKU Mitte

Man sieht auf der Straße niemanden um Luft ringen

Man sieht aber auf der Straße schlicht niemanden gurgelnd um Atem ringen, in seinen Augen die Panik aufblitzen. Das passiert in den Kliniken, darum ist es umso wichtiger, Menschen zuzuhören, die genau das erleben, Menschen wie Dr. Westermann oder auch Volker Hertel aus Unna. „Am Freitag morgen wurde mir vom Gesundheitsamt Unna mein positives Corona Ergebnis mitgeteilt. Abends in den Nachrichten sah ich Bilder aus Stuttgart. Fröhliche Menschen ohne Masken, trillerpfeifend und Polonaise tanzend. Kann der Hellweger Anzeiger oder die Stadt Unna nicht Busfahrten organisieren, damit ich diesen Personen meine Virusansteckung näherbringen und mit ihnen teilen kann?“, schreibt er unserer Redaktion. Aus den Zeilen spricht Verbitterung. Auf die Frage nach einem Telefoninterview, antwortet Hertel lieber schriftlich, ein Mailwechsel entsteht, in dem er seine Symptome beschreibt, die zum Glück eher nach einem leichteren Verlauf klingen. „Der Hals- und Rachenbereich ist belegt. Mein Körperaktivität ist stark heruntergefahren. Man ist ständig schlapp und müde. Zum Glück zeigt sich noch kein Fieber und wenig Hustenreiz. Das Ende meiner Quarantäne wurde vom Gesundheitsamt Unna in die 17. KW. gelegt. Komme da wohl auch nur mit einem negativem Testergebnis wieder raus.“ Und auch Volker Hertel ist isoliert, kommt also in der öffentlichen Wahrnehmung als Erkrankter nur vor, weil er sich an unsere Redaktion wandte.

Die Stärke einer Erkrankung hängt von mehreren Faktoren ab

Wie stark sich die Erkrankung bei jedem Patienten zeigt, hängt von vielen Faktoren ab, etwa der Viruslast oder ob es sich um eine Infektion mit einer der Mutanten handelt, ist aber bisweilen auch eine individuelle Frage der körperlichen Konstitution des Erkrankten. Die Zahl der Menschen, die genesen, ist hoch, das ist gut. Die Zahl der Menschen, die an oder mit Covid sterben ist jedoch auch hoch. Und es muss die Pflicht eines jeden Einzelnen sein, alles zu tun, um letztere Zahl so niedrig wie möglich zu halten. Und dazu gehören leider auch Entbehrungen.

Es zeigt sich in den Kliniken, dass Impfen hilft, die Altersgruppen, die bereits beide Dosen erhalten haben, tauchen auf den Intensivstationen fast nicht mehr auf. Das Massenimpfen ist angelaufen und auch die Mediziner am CKU sehen darin einen Silberstreif am Horizont.

Über den Autor
1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
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