Auf dem Friedhof Holzen wachsen und gedeihen die jungen Weinreben. Sie sind umgeben von Steingartengewächsen, Stockrosen, Lavendel und Malven. © Susanne Riese
Friedhof Holzen

Weinberg-Gräber: Warum wollen so viele Menschen ein Grab unter Reben?

Es ist wie beim Schlussverkauf: Von 36 Grabstellen am Weinberg in Holzen sind inzwischen nur noch acht zu haben. Dabei sind die vergebenen Parzellen bei Weitem nicht alle belegt.

Zwischen Malven, Stockrosen und zarten Weinreben stehen die ersten hölzernen Namensschilder und vereinzelt auch Grabsteine. Seit Juli 2020 werden auf dem kleinen Friedhof in Holzen Verstorbene am Weinberg bestattet. Die Nachfrage hat selbst die Fachleute vom Friedhofsamt der Stadt Dortmund erstaunt.

Innerhalb kurzer Zeit war bereits über die Hälfte der 36 Grabstellen mit insgesamt 72 Urnenplätzen vergeben. Mittlerweile sind an der gesamten Weinterrasse nur noch acht Grabstellen zu haben.

Vorerwerb sichert den begehrten Platz

Tatsächlich belegt sind zehn der Ruhestätten unter den Reben. 18 sind durch sogenannten Vorerwerb reserviert. Was macht diese Gräber so begehrt? „Das Thema Wein ist positiv besetzt“, sagt Ralf Dallmann, Leiter der Städtischen Friedhöfe. Zudem fällt für Angehörige so gut wie keine Pflegearbeit an, auch das wissen immer mehr Menschen zu schätzen.

Vor allem die unteren Reihen sind schon vergeben, an einigen stehen provisorischen Grabschilder aus Holz. Auch die ersten Grabsteine liegen bereits.
Vor allem die unteren Reihen sind schon vergeben, an einigen stehen provisorischen Grabschilder aus Holz. Auch die ersten Grabsteine liegen bereits. © Susanne Riese © Susanne Riese

Volker Bachmann, Verwalter der Friedhöfe in Holzen, Syburg und Wellinghofen, kann das bestätigen. Er kennt die Beweggründe für die Grab-Reservierungen. „Viele möchten nach ihrem Tod niemandem zur Last fallen.“ Die Grabpflege sei heute keine Selbstverständlichkeit mehr, häufig wohnten die Kinder auch weiter weg, was die Betreuung noch erschwere.

Die klassische Erdbestattung werde ohnehin immer weniger nachgefragt, so Volker Bachmann. 86 Prozent entschieden sich bereits für die preisgünstigere Urnenbeisetzung.

Ein Platz im Ruheforst aber ist eben nicht für jeden eine Alternative, allein weil diese Grabstellen oft schwer zu erreichen sind. Den Weinberg auf dem schönen kleinen Friedhof an der Stadtgrenze zu Schwerte empfinden offenbar viele als eine gute Lösung. Es gibt sogar Bewerber aus Asseln, die sich dort, am anderen Ende der Stadt, einen Platz reservieren lassen.

Manchen treiben schöne Urlaubserinnerungen auf die sonnige Terrasse an der Kreisstraße, wie Volker Bachmann aus den Gesprächen mit Interessenten erzählt. Menschen, die viel in Weinanbaugebiete gereist sind und sich an der Mosel, im Rhein- oder Ahrtal wohl gefühlt haben, spricht der Gedanke, unter Wein die ewige Ruhe zu verbringen, offenbar besonders an. Dafür nehmen sie in Kauf, dass der Friedhof nicht in ihrem Stadtbezirk liegt.

Erweiterung ist ein Thema

Da das Grabfeld so gut ankommt und den Friedhof zudem auch optisch aufwertet, sollen die Terrassen vielleicht im kommenden Jahr noch erweitert werden. Dann könnten noch mehr Weinfreunde einen Platz unter Reben finden. Bis dahin bietet die neue Streuobstwiese im oberen Teil des Holzener Friedhofs eine ebenfalls pflegefreie Alternative für Urnenbeisetzungen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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