Weil sie aus Altersgründen und den Folgen eines Schlaganfalls ihren Einkauf nicht innerhalb von zwei Stunden erledigen konnte, hat die Mutter von Menno Döring mehrfach „Knöllchen" des Parkraum-Überwachers beim Rewe auf dem Höchsten bekommen. © Menno Döring
Einkaufszentrum Höchsten

Parkplatz-Bußgeld für Seniorin (70), weil sie den Einkauf nicht in zwei Stunden schaffte

Eigentlich fährt die Höchstenerin (70) gerne zu Rewe im Einkaufszentrum. Aber sie schafft es nicht immer in der Höchstparkdauer und bekommt deshalb Knöllchen. Deshalb schreibt sie den Ladenbesitzern.

Altersdiskriminierung. Oder Diskriminierung aus gesundheitlichen Gründen. So empfand eine Seniorin die Knöllchen der Parkraumüberwachungs-Firma, die ihr nach Besuchen des Einkaufszentrums auf dem Höchsten ins Haus flatterten.

Die 70-Jährige hatte es einfach nicht geschafft, ihre Einkäufe innerhalb der vorgesehenen Höchstparkdauer von zwei Stunden zu erledigen, wie ihr Sohn Menno Döring erklärt: „Meine Mutter ist aus Altersgründen und nach einem Schlaganfall leider nicht mehr so flott zu Fuß unterwegs und als Witwe meistens auf sich allein gestellt, wenn wir Söhne mal nicht helfen können.“ Erst Anfang Mai habe sie wieder eine 30-Euro-Strafe erhalten.

Seniorin schreibt einen Brief an alle Filialleiter

Dasselbe sei ihr auch schon am 29. März und am 29. April passiert, als sie für ihre Einkäufe länger als zwei Stunden gebraucht habe, schildert die Seniorin in einem Brief, den sie an die Inhaber des Rewe-Markts und an die Filialleiter von Rossmann, Aldi und der übrigen Geschäfte auf dem Gelände geschrieben hat.

„Ich würde gerne weiter bei Ihnen einkaufen können“, lautet die Überschrift. Denn gerade zu dem Rewe-Markt gibt es auch eine emotionale Verbindung. Ihm ist die Dame treu, seit sie vor 40 Jahren mit ihrer Familie auf den Höchsten gezogen ist.

Parksituation vor dem Getränkemarkt ist ihr zu unübersichtlich

Mittlerweile – so heißt es in dem Brief – überlege sich die Kundin jede Fahrt zu dem Einkaufszentrum aber sehr gut: „Weil ich Sorge vor der Parkplatz-Situation habe.“

Auf die Plätze vor dem Getränkemarkt auf der gegenüberliegenden Seite traue sie sich wegen des hohen Verkehrsaufkommens auf der Höchstener Straße schon gar nicht mehr aus „Sorge, einen Unfall zu verursachen oder unfreiwillig ein Hup-Konzert zu kassieren“.

Wunsch ist eine Regelung für ältere und kranke Kunden

Ihre Getränke lässt sich die Seniorin deshalb inzwischen ins Haus bringen. Über Lieferdienste wäre das auch für Lebensmittel möglich, schreibt sie: „Da ich selbst nicht so internetaffin bin, könnte ich meinem Sohn meine Bestellung einfach telefonisch durchgeben, und er würde mir alles nach Hause liefern lassen. (…) Das wäre deutlich einfacher für mich, als in zwei Stunden meine Einkäufe zu erledigen.“

Eigentlich würde die Höchstenerin aber lieber persönlich einkaufen gehen. Deswegen bittet sie die Ladenbetreiber, sich dafür einzusetzen, „dass ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen nicht nur in mühsamen Einzelentscheidungen aus Kulanz ,Sonderrechte´ bekommen und sich für ihren Einkauf ein bis zwei Stunden länger Zeit nehmen dürfen“.

Warum die Parkzeit beschränkt ist, dafür hat die Seniorin auch eine Erklärung: Es bringe doch mehr Umsatz, wenn alles schnell erledigt wird.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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