Wohnen im Rhythmus der Züge

DAVENSBERG Wohnen direkt am Bahnhof - für viele Menschen wohl ein Albtraum. Doch was andernorts an den Nerven zerrt und allenfalls die Mietpreise in den Keller drückt, bedeutet für Jenny und Thorsten Buhla ein Stückchen vom Glück.

von Von Tina Nitsche

, 11.07.2008, 15:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht ein wenig bergauf, die schmale Straße schlängelt sich durch die grüne Natur, bevor sie auf einem großen Platz mit Kopfsteinpflaster endet. Hier ganz am Ende des Fahrweges liegt der historische Bahnhof Davensberg.

Vor den Sprossenfenstern hängen Gardinen.Die große Eingangstür wirkt auf den ersten Blick alt. Wer genauer hinsieht, erkennt, dass sie getreu dem einstigen Original nachgebaut ist. Ein Schild weist auf den Tischlermeisterbetrieb hin, der hier ansässig ist.

Der Blick auf die Türklingel zeigt, dass Tischlermeister Torsten Buhla hier auch wohnt. Gemeinsam mit seiner Frau Jenny und der Retrieverhündin Nelly. Das Ehepaar sitzt gerade in der gemütlichen Küche an einem großen Kirschbaumtisch und isst zu Abend. Hund Nelly jagd derweil die einzige Fliege im Raum.

Wunderschöner Bauerngarten

Es ist still hier oben. Der Blick durch die alten Sprossenfenster offenbart einen wunderschönen Ausblick in den Bauerngarten. „Als wir am 1. März eingezogen sind, war hier alles verwildert“, erzählt Jenny und verrät, dass die Küche damals sehr dunkel wirkte, da kaum Licht durch das Fenster fiel.

Die beiden haben den Garten mit viel Liebe in ein Idyll verwandelt. Das alte Gleisbett, das quer durch den Garten verläuft ist nun komplett von grünem Rasen überdeckt. „Das haben wir wegen Nelly gemacht“, erzählt Torsten. Die beiden haben das Gebäude gemietet. Es war Liebe auf den ersten Blick, und sie fühlen sich trotz oder gerade wegen der Abgeschiedenheit hier sehr wohl.

Das Bahnhofsflair findet sich jedoch in jedem Winkel des Hauses wieder. „Wo wir jetzt sitzen war früher der Kartenverkauf“, erzählt Torsten. Aus dem damaligen eher tristen Warteraum ist heute ein helles, urgemütliches Wohnzimmer geworden. Die Atmosphäre ist einladend, die Möbelstücke aus Holz lassen Gemütlichkeit aufkommen und zeugen von der Liebe zum Tischlerhandwerk. Vieles hat Torsten selbst gearbeitet. Einiges davon ein paar Meter weiter in der alten Güter-und Lagerhalle, in der jetzt sein Tischlerbetrieb untergebracht ist.

Die beiden durchqueren die Ausstellung bevor sie in die Werkstatt ankommen. Torsten öffnet die großen Rolltore und gibt den Blick auf die Rampe und die Bahngleise frei. „Hier kann ich sogar draußen arbeiten, wenn es regnet“, lacht er und zeigt auf die große Kreissäge, die dicht an der Wand unter dem Abdach steht.

Züge kommen zweimal in der Stunde

Ein Rattern ist zu hören. „Es ist zehn nach“, sagt Jenny nur. Zwei mal in der Stunde fahren hier Personenzüge ein, einer Richtung Dortmund, der andere Richtung Münster. „Und dann rauscht zwischen diesen beiden Zügen der ICE durch“, kennt Jenny die Fahrpläne mittlerweile genau. Beide haben sich daran gewöhnt, hören die Züge kaum noch. Vor allem, weil sie ständig übertönt werden. Durch auffällig lautes Vogelgezwitscher, das sich auch jetzt wieder mit dem Zirpen der Grillen vermischt. „Das sind Amseln“, lacht Torsten und Jenny fügt hinzu: „Die Raben nisten dafür am liebsten im Schornstein.“

Viel Arbeit haben die beiden in ihr Traumobjekt gesteckt, aber die hat sich gelohnt. Sie leben und arbeiten in romantischer Idylle. „Wir haben den schönsten Ausgleich zum Beruf direkt vor der Tür“, sagt Torsten und meint die Natur, die sich weitläufig um die Anlage erstreckt. „Und den wunderschönen Ausblick“, gerät Jenny ins Schwärmen. Denn das alte Bahnhofsgebäude liegt auf einer Anhöhe und man schaut von hier oben auf den kleinen Ort, der sich praktisch weitläufig um den Bahnhof herum schlängelt.

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