Vermieter kann die Angaben des Angeklagten nicht bestätigen

dzMissbrauchsprozess

Der Missbrauchsprozess gegen einen 58-jährigen Familienvater aus Ascheberg wird noch mindestens bis Oktober dauern. Auch die anderen Kinder des Angeklagten sollen jetzt als Zeugen kommen.

Herbern

, 03.09.2020, 20:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der Aufklärung des mutmaßlichen Missbrauchsfalles ziehen die Richter des Landgerichts Münster inzwischen alle Register. Am Donnerstag vernahmen sie den früheren Vermieter des Angeklagten. Was der 73-Jährige als Zeuge aussagte, wird dem Familienvater allerdings nicht gefallen haben.

Tatsache ist, dass der 58-Jährige von seiner inzwischen 20 Jahre alten Tochter schwer belastet wird. Mehr als 60 sexuelle Übergriffe werden in der Anklageschrift geschildert - alle begangen im Zeitraum zwischen 2007 und Sommer 2015.

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Genau in diese Zeit fiel auch ein Wohnungswechsel der Familie. Nachdem der Angeklagte Schwierigkeiten im Beruf bekommen haben soll, musste er das gemietete Haus in Ascheberg aufgeben und nach Drensteinfurt ziehen. Seine Tochter behauptet nun: Während der Renovierungsarbeiten vor dem Auszug sei sie mehrmals mit ihrem Vater allein gewesen. Und auch auf dieser Baustelle sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen.

Wer hatte den Schlüssel?

Der Angeklagte bestreitet dies jedoch - wie auch alle anderen Vorwürfe. Der 58-Jährige sagt sogar, es könne gar keine Übergriffe während der Renovierungsarbeiten gegeben habe, weil sein Vermieter die ganze Zeit über dabei gewesen sei. Der Hausbesitzer habe nämlich schon wieder den Schlüssel an sich genommen gehabt.

Darauf angesprochen, wurde der Zeuge am Donnerstag sehr nachdenklich. Immerhin liegt der Auszug der Familie mehr als zehn Jahre zurück. „Ich weiß, dass er noch eine Menge zu renovieren hatte, ehe er ausziehen konnte“, sagte der Hausbesitzer. Der Angeklagte habe die „Mietsache nämlich wie sein Eigentum behandelt“ und Umbauten durchgeführt gehabt, die nie abgesprochen gewesen seien.

„Ich war nicht dabei“

Eins weiß der Vermieter aber noch genau: „Ich stand doch nicht dabei, als er renoviert hat. Wie käme ich denn dazu? Ich werde ihm gesagt haben, was er meiner Meinung nach noch zu erledigen hatte und dann werde ich gegangen sein.“

In diesem Punkt deckt sich die Aussage des Zeugen also überhaupt nicht mit den Angaben des Angeklagten. Der Vermieter ist allerdings auch weit davon entfernt, die Vorwürfe der Anklageschrift bestätigen zu können. Er kenne die Tochter zwar, könne aber nicht mehr sagen, ob er sie während der Renovierungsfrage überhaupt noch einmal in dem Haus in Ascheberg gesehen habe, sagte er den Richtern.

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Vor einem Urteil gegen den 58-Jährigen will die 1. Strafkammer des Landgerichts noch weitere Zeugen vernehmen. Darunter auch die beiden anderen Kinder des Angeklagten. Ob diese aber überhaupt aussagen oder von ihrem Recht zu schweigen Gebrauch machen, steht noch nicht fest.

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