Tobias Großerichter aus Herbern macht bei der Initiative Tierwohl mit, die sich für eine artgerechte Tierhaltung einsetzt. Dass das mit 2000 Schweinen möglich ist, zeigt er gern der Öffentlichkeit. © Andrea Wellerdiek
Landwirtschaft in Herbern

Tobias Großerichter aus Herbern zeigt tiergerechte Haltung – mit 2000 Schweinen

Mehr Platz, spezielles Futter und Spielzeug - die Schweine von Tobias Großerichter aus Herbern sollen es besser haben als in der Massentierhaltung. Dass artgerechte Tierhaltung auch bei 2000 Tieren geht, zeigt er gern.

Die Schweine, die vom Hof Großerichter in Schlachthöfe wie Tönnies und Westfleisch gehen, stammen aus einer Haltung mit gewissen Kriterien. Denn der Herberner Landwirt Tobias Großerichter hat sich der Initiative Tierwohl angeschlossen. Um dieses Siegel zu bekommen, muss er sich an strenge Voraussetzungen halten, die über die gesetzlichen Vorgaben hinaus gehen.

Jede Muttersau hat demnach 2,27 Quadratmeter Platz und damit 10 Prozent mehr als gesetzlich vorgegeben ist. Außerdem bekommen die Tiere höherwertiges Raufutter – also beispielsweise Stroh oder Heu. Im Stall von Großerichter sind neben dem Stroh in den Futterraufen auch Holzstäbe an Seilen zu finden. Diese baumeln auf Kopfhöhe der Schweine. „Das ist Spielzeug“, erklärt Großerichter. Es ist ein weiteres Kriterium für das Tierwohl-Siegel.

Tobias Großerichter geht auch gern pfeifend durch den Stall.
Tobias Großerichter geht auch gern pfeifend durch den Stall. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

„Natürlich gibt es gesetzliche Indikatoren. Wenn ich in den Stall gehe, merke ich, dass die Schweine glücklich und zufrieden sind. Wie sie sich verhalten ist für mich der wichtigste Indikator“, sagt Großerichter. Sobald er pfeifend entlang der Schweine-Parzellen geht, fangen sie an, zu quieken und machen sich bemerkbar. Tobias Großerichter geht zu den Tieren, streichelt sie und gibt ihnen ein bisschen Stroh.

Großerichter zeigt gern seine Tierhaltung in Herbern

Während sich andere Landwirte und Verantwortliche in der Fleischindustrie oft zugeknöpft geben, öffnet der Landwirt aus Herbern gern seine Stalltüren für die Öffentlichkeit. Nicht nur die Reporterin kann mit Schutzkleidung kurzfristig in den Stall gehen, sondern auch jeder interessierte Bürger. „Ich möchte zeigen, wie die Arbeit mit den Tieren aussieht. Ich möchte einfach Transparenz schaffen“, erklärt Großerichter.

Die Schweine im Stall von Tobias Großerichter haben mehr Platz als gesetzlich vorgegeben. Zudem ist Tageslicht ein weiteres Kriterium für die Teilnahme an der Initiative Tierwohl.
Die Schweine im Stall von Tobias Großerichter haben mehr Platz als gesetzlich vorgegeben. Zudem ist Tageslicht ein weiteres Kriterium für die Teilnahme an der Initiative Tierwohl. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Das gilt auch für den Umgang mit den Ferkeln. Nach einer Gesetzesänderung darf der Nachwuchs nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Um die neue Methode, die eine Betäubung mit dem Narkosegas Isofluran vorsieht, auch auf dem eigenen Hof durchführen zu dürfen, hat Großerichter einen Lehrgang besucht.

Neben der Sauenhaltung nimmt Großerichter nun auch bis 2023 in der Schweinemast und der Ferkel-Erzeugung an der Initiative Tierwohl teil. Für den Mehraufwand, den er dafür betreibt, bekommt der Landwirt über den Marktpreis einen Teil der Kosten zurück erstattet. Das sind nach eigenen Angaben 5,28 Euro pro Mastschwein und 3,07 Euro pro Ferkel.

Die Herausforderungen in der Schweinehaltung sind mit dem Label Tierwohl gestiegen. „Doch auch die Anforderungen der Gesellschaft an die Tierhaltung haben zugenommen“, sagt Großerichter. Dabei ist die Zahl der gehaltenen Schweine deutlich zurückgegangen, weil pro Bürger auch weniger Schweinefleisch gegessen wird, erklärt der Landwirt, der selbst 2000 Schweine hält.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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