Schweinebauer aus Herbern sieht nach Tönnies-Produktionsstart keine Entlastung

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Nachdem der Fleischkonzern Tönnies seine Produktion wieder gestartet hat, können die Landwirte aus Ascheberg ihre schlachtreifen Schweine wieder abgeben. Die Lage ist aber immer noch angespannt.

Herbern

, 29.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Fleischfabrik Tönnies in Rheda-Wiedenbrück dürfen seit dem 17. Juli wieder Schweine geschlachtet und zerlegt werden. Auf die Wiederaufnahme der Produktion haben viele Landwirte der Region gewartet. Denn sie konnten aufgrund der Stilllegung des Betriebs ihre Tiere nicht zur Schlachtung schicken.

Nun, einige Tage nachdem Tönnies wieder teilweise mit der Produktion angefangen hat, gibt es dennoch kein Aufatmen bei den Landwirten. Das bestätigt Christoph Selhorst, Schweinebauer aus Herbern. Er liefert seine Tiere zwar nicht direkt an Tönnies, bekommt die Auswirkungen der vierwöchigen Schließung dennoch zu spüren. Und das ist bis heute so.

Weiterhin Rückstau in den Ställen

Denn aktuell gibt es weiterhin einen Rückstau in den Ställen. „Es gibt noch keine Entlastung. Wir können immer noch 20 Prozent unserer Schweine nicht schlachten lassen. Man schiebt das Ganze wie einen Berg vor sich her“, erklärt Selhorst. Habe er sonst zwei mit Schlachtvieh bestückte Lkw pro Woche gezählt, ist es derzeit nur ein Lkw.

Etwa sechs bis acht Wochen werde es noch dauern, bis alles wieder in geregelten Bahnen verläuft, schätzt der Landwirt. Bevor Tönnies seinen Betrieb wieder geöffnet hat, hatte Selhorst etwa 30 Prozent weniger Abgänge aus seinen Ställen.

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Dabei ist er gar kein direkter Lieferant für Tönnies, sondern arbeitet vor allem mit Westfleisch in Coesfeld zusammen. Auch hier läuft die Produktion seit dem massenhaften Ausbruch bei Tönnies sowie Infektionen im eigenen Betrieb nicht im vollen Umfang. Bei beiden Betrieben sind zurzeit weniger Mitarbeiter im Einsatz, die mit Sicherheitsabständen die Tiere schlachten und zerlegen.

Situation für Schweinebauern aus Herbern weiter angespannt

Die Situation für die Landwirte ist weiter angespannt. Denn sie müssen ihr schlachtreifes Vieh länger in den Ställen halten. Dadurch bekommen die Tiere ein deutliches höheres Schlachtgewicht: statt 100 sind es dann 110 Kilogramm.

Weil dieses Gewicht nicht der Norm entspricht und sich schlechter vermarkten lässt, bekommt der Landwirt weniger Geld pro Schwein. Laut Selhorst können das bis zu 40 Euro an Erlöseinbußen sein.

Die Ferkel, die Schweinebauern wie Christoph Selhorst, teuer eingekauft haben, stehen heute als schlachtreifes Vieh länger als gedacht im Stall. Und das kostet den Landwirt viel Geld.

Die Ferkel, die Schweinebauern wie Christoph Selhorst, teuer eingekauft haben, stehen heute als schlachtreifes Vieh länger als gedacht im Stall. Und das kostet den Landwirt viel Geld. © Christoph Selhorst (A)

„Die wirtschaftliche Situation sieht nicht gut aus. Die Schweine, die als Ferkel sehr teuer eingekauft worden sind, stehen heute schlachtreif im Stall. Man weiß nicht, wie es weitergeht. Das drückt massiv auf die Stimmung“, so Selhorst.

Auch Gerhard Reimann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Herbern, hatte jüngst an die Bauern appelliert, sich in Geduld zu üben: Die Lücke, die es aufgrund der Tönnies-Schließung gibt, sei nicht zu schließen, sagte Reimann Anfang Juli. Einige Tage nach dem Produktionsstart im Fleischbetrieb ist es immer noch spürbar.

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