Profilschüler stürmen Betriebe in Ascheberg

Praktikum

Seit eineinhalb Wochen drücken die Neuntklässler der Profilschule nicht mehr die Schulbank. Stattdessen machen sie praktische Erfahrungen und lernen die Vielfalt der Berufswelt kennen. Und dabei verblüffen die rund 125 Schüler die vielen Unternehmer in der Gemeinde, bei denen sie ihr Praktikum absolvieren.

ASCHEBERG

03.03.2016, 18:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
Profilschüler stürmen Betriebe in Ascheberg

Als wir Lucas Brune (15) in der Backstube der Bäckerei Lüningmeyer besuchen, zeichnen sich auf seiner weißen Schürze deutliche Arbeitsspuren ab. Der Profilschüler blickt an sich herunter und lacht fröhlich: „So ist das eben, wenn man arbeitet.“ Er lernt gerade das Berufsbild Bäcker näher kennen und ist begeistert. Ausgesucht hat er sich das Praktikum, weil ihn das Metier interessiert. „Ich koche und backe gerne, interessiere mich für Lebensmittel und hier treffen fast alle Komponenten zusammen.“ Momentan erscheint er jeden Morgen pünktlich um 6 Uhr in der Backstube. „Aber als Bäcker müsste ich früher aufstehen, denn die beginnen schon um 3 Uhr“. Lucas stört das nicht. Er sieht in diesem Handwerk ein Beruf mit Zukunft und mit Potential. „Essen tun die Leute immer“, sagt er. Die Arbeit hat er sich zugegebenermaßen ein wenig leichter vorgestellt, „dafür ist sie vielseitig“, meint er lachend und verfeinert einen Teigrohling mit Streuseln. Die Arbeit macht ihm Spaß, vor allem da er in einem, wie er verrät, sehr netten Team arbeitet. „Und das Schönste ist, dass ich, obwohl erst eineinhalb Wochen des Praktikums um sind, schon jetzt darin bestätigt bin, dass dies mein Traumjob ist.“

„So zielgerichtet habe ich selten einen Praktikanten erlebt“, sagt Bernd Heitmann, Inhaber vom gleichnamigen Blumenfachgeschäft. Die Schüler wissen genau, was sie wollen. So wie Svenja Heubrock (15) beispielsweise, die einmal Friseurin werden will. Sie darf sogar schon Farbe anrühren und auftragen.

Große Selbstinitiative

Friseurmeisterin Elke Schwartländer ist begeistert, dass sich ihre Praktikantin schon so detailliert mit dem Berufsbild Friseur auseinandergesetzt hat und lobt wie Raiffeisen-Marktleiter André Mürmmann die Selbstinitiative und das hohe Verantwortungsbewusstsein, mit dem die Schüler zu Werke schreiten.

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Das sagen die Schüler über ihr Praktikum

Seit eineinhalb Wochen drücken die Neuntklässler der Profilschule nicht mehr die Schulbank. Stattdessen machen sie praktische Erfahrungen und lernen die Vielfalt der Berufswelt kennen. Und dabei verblüffen die rund 125 Schüler die vielen Unternehmer in der Gemeinde, bei denen sie ihr Praktikum absolvieren.
03.03.2016
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Larissa Petzborn (15) lernt den Beruf der Bäckereifachverkäuferin in der Bäckerei Lüningmeyer kennen. Auf die Idee ist sie durch ihre Lehrerin Simone Lütkenhaus gekommen. „Die hat hier auch einmal ein Praktikum gemacht und war so begeistert.“ Larissa fasziniert an ihrem Praktikum vor allem eines: „Ich finde es interessant, was an Aufgaben hinter der Theke anfällt, sonst sieht man die Abläufe ja nur aus der umgekehrten Richtung, wenn man davor steht.“
Dieses Praktikum verbucht sie für sich als eine wertvolle Erfahrung. Ihre Berufswünsche hingegen sehen ganz anders aus. „Ich möchte viel reisen und etwas mit Sprachen machen“, hat sie sich da schon festgelegt. Dennoch freut sie sich über all das, was sie als Praktikantin hinter der Brottheke lernen darf. Ihre Aufgaben sind vielfältig. „Kunden bedienen, Backwaren verkaufen, Brötchen aus dem Ofen nehmen, wobei ich mir auch schon die Finger verbrannt habe“, gibt sie lachend zu. Faszinierend ist für sie vor allem die Kommunikation und das menschliche Miteinander. Und eines steht fest, auch wenn die Bäckereifachverkäuferin nicht ihr erklärtes Berufsziel ist: „Als Nebenjob würde ich das jederzeit gerne machen.“© Foto: Tina Nitsche
Svenja Heubrock (15) absolviert ein Praktikum in Elke’s Haarwerkstatt. Gezielt. „Denn Friseur, das ist die Richtung, in die ich gehen will.“ Schon jetzt konnte sie feststellen, wie vielseitig der Beruf ist. Was für Anforderungen an diesen Job gestellt werden, hat sie zuvor genaustens recherchiert. „Genau wie die Perspektiven nach der Ausbildung“, sagt sie. Sie hat die Möglichkeit, ihren Meister zu machen. „Ich kann aber auch Richtung Coloristin, Make-Up-Artist oder Maskenbildnerin gehen“, sagt sie. Und eben diese vielen Perspektiven reizen sie am Beruf des Friseurs.© Foto: Tina Nitsche
Larissa Kok (15) interessiert sich für Kosmetik. Logisch, dass sie sich in diesem Bereich einen Praktikumsplatz gesucht hat. Beim Instyle-Kosmetikinstitut darf sie mit einer Maniküre auch schon kleine Aufgaben übernehmen. „Ich wollte sehen, ob dieser Beruf etwas für mich ist und jetzt kann ich sagen: er ist es.“ Sie hat sich genau informiert und weiß, dass die Ausbildung drei Jahre währt. Die Arbeitsmöglichkeiten im Anschluss sind durchaus vielfältig. „Ich kann im Institut aber auch in Hotels oder Wellnessanlagen arbeiten.“© Foto: Tina Nitsche
Nick Wiegand (14) hat einen festen Berufswunsch. Er möchte am liebsten Biologe werden. In seinem Praktikum probiert er jedoch etwas vollkommen anderes aus. „Da lerne ich das Berufsbild des Malers kennen“. Und dabei tun sich ungeahnte Perspektiven auf. „Dank der vielen Gespräche mit dem Gesellen der Malerfirma Mangels, Tim Heubrock“. Denn was er nicht wusste: Als Maler kann er sogar ein duales Studium absolvieren, bei dem er Ausbildung, Meister und Betriebswirt im Handwerk in einem Abwasch machen kann. Anschließend hätte er dann sogar noch die Möglichkeit, seine Ausbildung als Innenarchitekt hinterher zu schieben. Für Nick steht fest: „Klappt es mit dem Biologen nicht, dann ist das für mich die echte Alternative“.© Foto: Tina Nitsche
Als wir Lucas Brune (15) in der Backstube der Bäckerei Lüningmeyer besuchen, zeichnen sich auf seiner weißen Schürze deutliche Arbeitsspuren ab. Der Profilschüler blickt an sich herunter und lacht fröhlich: „So ist das eben, wenn man arbeitet.“ Er lernt gerade das Berufsbild Bäcker näher kennen und ist begeistert. Ausgesucht hat er sich das Praktikum, weil ihn das Metier interessiert. „Ich koche und backe gerne, interessiere mich für Lebensmittel und hier treffen fast alle Komponenten zusammen.“ Momentan erscheint er jeden Morgen pünktlich um 6 Uhr in der Backstube. „Aber als Bäcker müsste ich früher aufstehen, denn die beginnen schon um 3 Uhr“. Lucas stört das nicht. Er sieht in diesem Handwerk ein Beruf mit Zukunft und mit Potential. „Essen tun die Leute immer“, sagt er. Die Arbeit hat er sich zugegebenermaßen ein wenig leichter vorgestellt, „dafür ist sie vielseitig“, meint er lachend und verfeinert einen Teigrohling mit Streuseln. Die Arbeit macht ihm Spaß, vor allem da er in einem, wie er verrät, sehr netten Team arbeitet. „Und das Schönste ist, dass ich, obwohl erst eineinhalb Wochen des Praktikums um sind, schon jetzt darin bestätigt bin, dass dies mein Traumjob ist.“© Foto: Tina Nitsche
Schlagworte Herbern

Für Lehrerin Simone Lütkenhaus eine schöne Bestätigung ihrer Arbeit. „Die Unternehmen spiegeln uns, dass unsere jahrelange Arbeit Früchte getragen hat“, sagt Lütkenhaus, die maßgeblich die Berufsorientierung an der Profilschule vorantreibt.

Große Bandbreite an Erfahrungen

Dass das Konzept der Schule aufgeht, bestätigt sich beim ersten mehrwöchigen Praktikum. Immerhin werden die Kinder bereits in der fünften und sechsten Klasse mit Projekten wie „Sozial-Genial“ oder „Starke Seiten“ auf das Berufsleben vorbereitet. Die Werkstätten und die Schülerfirma tun ihr Übriges dazu. 

Das Resultat: Viele verfügen schon über eine große Bandbreite an Erfahrungen. „Sie haben schon viel gesehen – und das mit 14 und 15 Jahren“, sagt Lütkenhaus. Für die Lehrerin hatte dieses erste Praktikum auch ein bisschen mit Loslassen zu tun. „Irgendwie sind es ja alles meine Kinder“, gibt die Projektinitiatorin zu.

Ausbildungsplatz

Viele Schüler haben sich ihr Praktikum ganz gezielt nach ihrem Wunschberuf ausgesucht. Und nicht nur Svenja Heubrock hat dabei für sich die Bestätigung erlangt: „Ja, das ist es“. Mehr noch: Sie kann sogar – wenn sie will – bei Elkes Haarwerkstatt ihre Ausbildung machen.

Das Konzept der Profilschule

Von der 5. bis zur 8. Klasse sollen alle Kinder in Klassenverbänden gemeinsam lernen. Je nach Neigung wählen sie ab der 7. Klasse ein sprachliches, naturwissenschaftliches oder musisches Profil für vertieften Unterricht.

Bis zur Klasse 8 werden die Schüler gemeinsam in Ascheberg unterrichtet, in den Klassen 9 und 10 im Ortsteil Herbern. Dazu werden die Gebäude der bisherigen Haupt- und Realschule genutzt.

In den Klassen 9 und 10 wird der Unterricht in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften auf zwei Leistungsstufen erteilt. Die Klasse 10 endet mit zentralen Prüfungen.

Danach werden die entsprechenden Abschlüsse vergeben. Je nach Ergebnis ist anschließend der Übergang in eine auswärtige gymnasiale Oberstufe oder ein Wechsel in berufliche Ausbildung möglich.

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