Mit Nostalgie gegen Demenz: das atmosphärische Projekt des Malteserstifts St. Benedikt

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Das Malteserstift St. Benedikt schafft für seine an Demenz erkrankten Bewohner eine besondere Atmosphäre. Nostalgische Schätzchen wie Butterfass und Taschenuhr sollen dabei helfen.

Herbern

, 01.06.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es läuft richtig gut für Nicole Fischer und ihre Mitarbeiter im Malteserstift St. Benedikt. Seit einiger Zeit bemüht sich die Heimleiterin gemeinsam mit ihrem engagierten Team, das Haus nach dem psychobiografischen Modell der reaktivierenden Pflege von Professor Erwin Böhm umzugestalten.

Dieses Model hat die Reaktivierung von Demenzerkrankten als großes Ziel vor Augen; Steigerung des Selbstwertgefühls und Symptomlinderung ohne Unterstützung von Psychopharmaka. 80 Prozent der Mitarbeiter sind bereits „Böhm“-geschult. Nicole Fischer hofft, noch in diesem Jahr die Zertifizierung zu erhalten. Diese unterliegt exakt definierten Kriterien und geht weit über die Einrichtung des Wohnbereichs hinaus.

Vertraute Umgebung

Gegenstände aus längst vergangenen Zeiten schaffen für die Senioren eine vertraute Umgebung. „Gerade haben wir vom Heimatverein eine alte Waschmaschine, ein Butterfass, einen alten Altar sowie einige Taschenuhren als dauerhafte Leihgabe erhalten“, so die Heimleiterin.

„Das freut uns sehr, dass sich Herbern so für unser Projekt engagiert.“ Ein Aufenthaltsraum ist bereits fast fertig eingerichtet. Möbel aus längst vergangenen Zeiten, alte Bilder, ein alter Schallplattenspieler sowie Haushaltsgegenstände, die heutzutage niemand mehr nutzt, zum Beispiel eine „Bohnenschnibbelmaschine“ oder eine alte „Kaffeemühle“, versetzen die Bewohner zurück in die Vergangenheit.

Impulse schaffen Vertrauen

Laut Böhm erfolgt die stärkste Prägung eines jeden Menschen bis zum 25. Lebensjahr. Demenzkranke sind nicht mehr in der Lage, Neues zu erlernen, jedoch tief Verborgenes wieder zu aktivieren. Hier schaffen Impulse Vertrauen. Auch im Bereich Körperpflege spielt das persönliche Erleben eine sehr große Rolle.

Menschen mit Demenz fühlen sich in ihnen unbekannten Situationen unwohl. So waren es die meisten von ihnen früher gewohnt, zu baden, statt zu duschen. Aus diesem Grund freut sich das Pflegeteam des Malteserstiftes besonders, das alte/neue Bad im Wohnbereich Münsterland im Erdgeschoß des Hauses einzuweihen.

Nachbau einer kleinen Gastwirtschaft geplant

Ein schöner alter Waschtisch ziert nun das ansonsten modern ausgestattete Badezimmer. Als weitere Projekte steht der Nachbau einer kleinen Gastwirtschaft in einem bisherigen Lagerraum auf dem Plan. Dort soll es dann regelmäßig alle 14 Tage ein Tanzcafé geben. „Hier suchen wir noch einen kleinen Tresen“, sagt Fischer. „Der muss gar nicht groß sein. Ein Teilstück von ein bis zwei Metern würde auch genügen.“

Kontakt: Malteserstift St. Benedikt, Nicole Fischer, Bakenfelderweg 1a, Tel. (02599) 9190

In vergangenen Zeiten gehörte für viele Bewohner der sonntägliche Gang nach der Messe zum Frühschoppen zum Leben dazu. So sollen auch hier Erinnerungen geweckt werden. „Es wäre prima, wenn eine Gastwirtschaft noch zwei kleinere alte Tische und vielleicht zwei Barhocker im Keller stehen hätte und uns zur Verfügung stellt.“ Auch eine gut erhaltene Couchgarnitur aus den 40er- bis 70er-Jahren wird noch benötigt.

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