Missbrauchs-Prozess gegen 59-Jährigen: „Das dürft ihr der Oma nicht verraten“

dzLandgericht Münster

Im Missbrauchs-Prozess gegen einen 59-jährigen Mann aus Ascheberg sind am Mittwoch (20. Mai) erstmals Details bekannt geworden. Diesmal wurde die Öffentlichkeit nicht ausgeschlossen.

Ascheberg

, 20.05.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war eine Allerwelt-Szene, die den Fall ins Rollen gebracht hat. Die vier Kinder hatten mit ihrer Mutter auf dem Sofa gekuschelt, machten dabei plötzlich eindeutig sexuelle Bewegungen. „Das macht der Opa doch auch immer mit uns.“ So oder so ähnlich soll sich eines der Mädchen dabei ausgedrückt haben.

Seit zwei Wochen muss sich der Opa der Kinder, der eigentlich der Stiefopa ist, in Münster wegen Missbrauchs vor Gericht verantworten. Der 59-jährige Mann aus Ascheberg hatte gleich zu Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch für die Vernehmung der Eltern hatten die Zuschauer den Gerichtssaal verlassen müssen. Jetzt sind jedoch erstmals Details bekanntgeworden.

„Nach dem Mittagessen hat sich der Angeklagte ausgezogen“

„Es ist bei vielen Besuchen zu unterschiedlichen sexuellen Handlungen gekommen“, sagte ein Polizist den Richtern am Mittwoch. „Im Schlafzimmer, im Computerzimmer, im Badezimmer.“ Der Beamte hatte alle vier Kinder vernommen. Was er im Prozess erzählte, ist verstörend.

„Nach dem Mittagessen hat sich der Angeklagte ausgezogen und ist mit den Kindern ins Bett gegangen“, so der Beamte. Dabei sei es dann immer wieder zu Übergriffen gekommen. Belohnungen gab es angeblich auch. „Es ging immer darum, nachher Fernsehgucken zu können oder Süßigkeiten zu bekommen.“ Außerdem hätten die Kinder den heute 59-Jährigen unter der Dusche „waschen“ müssen. Später, bei einer Autofahrt, soll er dazu gesagt haben: „Das dürft ihr der Oma nicht verraten.“

Missbrauchs-Prozess gegen 59-Jährigen: „Das dürft ihr der Oma nicht verraten“
„Die Eltern sind noch immer geschockt.“
Anwältin Julia Artmann-Eichler

Die meisten Taten sollen nachmittags passiert sein. Wenn die Frau des Angeklagten gerade mal nicht zu Hause war. Die beiden sollen übrigens immer noch zusammen wohnen. Wie es heißt, jedoch in getrennten Bereichen des Hauses.

Auch der einzige Junge hatte bei der Polizei von sexuellen Übergriffen berichtet. Wenn er sich weggedreht habe, habe der Angeklagte gelacht und weitergemacht. Im Kern geht es bei allen vier Kindern um verbotene Berührungen im Intimbereich.

Eltern sind noch immer geschockt

„Die Eltern sind noch immer geschockt“, sagte Anwältin Julia Artmann-Eichler, die die Kinder vor Gericht vertritt. Für die Eltern sei alles ganz schrecklich.

Eines der Mädchen befindet sich noch immer in therapeutischer Behandlung. „Sie hat Angst vor Männern mit grauen Haaren“, heißt es in einem der Therapie-Berichte, der vor Gericht verlesen worden ist.

Die Kinder selbst müssen nach dem Geständnis des Angeklagten nicht vor Gericht aussagen. Urteil voraussichtlich am 27. Mai.

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