Hoher Puls und Panik: So geht es Lungenkranken aus Ascheberg mit der Maskenpflicht

dzRisikopatienten

Der Mund-Nasenschutz nervt viele und verdirbt manchem den Spaß am Einkaufen. Wie es sich aber anfühlt, wenn ohnehin schon das Atmen erschwert ist, berichten zwei Lungenpatientinnen aus Ascheberg.

Ascheberg

, 26.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Henriette Wachowiak kurz vor Ostern das erste Mal seit Beginn der Corona-Krise einkaufen ging, sagte sie sich anschließend: „ein Mal und nie wieder“. Ihr Sohn hatte sie dazu ermutigt, ihn zu begleiten, um mal wieder ein wenig raus zu kommen. Doch die 62-Jährige bekam durch ihre Atemschutzmaske so schlecht Luft, dass sie sie – versteckt hinter einem Regal in der hintersten Ecke des Supermarkts – abnehmen musste. „Das Laufen strengt an“, berichtet Wachowiak, „dann geht der Puls hoch, der Blutdruck steigt und ich bekomme Panik.“

Die Aschebergerin leidet an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, kurz COPD. Dadurch hat sie links nur noch 30, rechts 50 Prozent Lungenvolumen. „Man schafft sowieso nicht viel“, sagt sie. „Und mit Maske schon gar nicht. Am Anfang bin ich auch mal mit Maske spazieren gegangen und musste schon nach zehn Minuten zurück, weil es einfach nicht mehr ging.“

Gesichtsschutz-Visier aus dem 3-D-Drucker

In einer anderen Situation, in einer Apotheke, wurde ihr durch die Gerüche und dadurch, dass sie durch den Mund atmend die Maske in den Mund einzog, extrem übel. „Sieben Wochen lang bin ich also gar nicht rausgegangen“, erzählt Henriette Wachowiak. „Mein 12-jähriger Enkel, der bei mir lebt, hat zum Glück viel übernommen. Aber irgendwann muss ich ja auch selbst wieder ran. Ich hänge an meinem Leben und lebe auch gerne.“

Also musste eine Lösung her: Im 3-D-Drucker stellte ihr ein Bekannter ein Gesichtsschutz-Visier her. Das reicht bis unter das Kinn. „Man wird zwar angestarrt, als käme man vom Mars“ sagt Wachowiak lachend, „aber wenigstens bekomme ich so keine Panik mehr vor lauter Atemnot. Jetzt kann ich sogar wieder länger in einer Schlange warten.“

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Elisabeth Krampe hingegen, ebenfalls COPD-erkrankt hat mit der Atemschutzmaske keine Probleme. Allerdings trägt die 69-Jährige eine so genannte Nasenbrille. Ein Beatmungsgerät, das sie permanent mit Flüssigsauerstoff versorgt. Darüber die Atemmaske zu tragen ist kein Faktor, der ihre Atemprobleme verschlimmern würde.

„An manchen Tagen kannste laufen, kannste tun und an manchen geht es gar nicht. Ganz egal, ob da noch eine Maske dazu kommt oder nicht“, sagt sie. „Das ist mein Leben. Entweder man kann die Krankheit einfach angenehmen oder man bleibt liegen oder man steht eben auf.“ Fünf Wochen war auch sie als Risikopatientin, ohne jeden Besuch, nur Zuhause. „Da bin ich fast schon depressiv geworden“, sagt sie.

Lungensportgruppe in Herbern trifft sich wieder

Umso so mehr freute sich sich, wie auch ihre Bekannte Henriette Wachowiak, als ihre Lungensportgruppe in Herbern vergangene Woche wieder startete. „Es sind alle wieder da“, berichtet Sporttherapeutin Inga Klütsch, „und das in großer Freude.“ Wie Elisabeth Krampe und Henriette Wachowiak seien alle Teilnehmer insgesamt etwa zehn Wochen als besonders gefährdete Personen kaum aus ihrer Wohnung gekommen und nahezu ohne persönliche Kontakte geblieben.

Unter sehr strengen Auflagen kann nun immerhin der Gesundheitssport wieder stattfinden. Natürlich mit Abstand, auf Hockern sitzend und nur im Freien. Falls es mal regnet, muss der Sport ausfallen. „Es ist sehr aufwändig“, so die Sporttherapeutin, „aber die Leute sind so glücklich, dass wir wieder anfangen, dass es der Mühe auf jeden Fall wert ist. Diese Gruppe ist auch psychosozial sehr wichtig. Oft sind die Patienten einsame, alleinstehende Menschen. In dieser Zeit waren sie komplett isoliert. Da werden sie ja wahnsinnig. Einsamkeit macht irre.“

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